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BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Insektensterben

Auf den Wiesen ist es still geworden – kaum ein Summen und Brummen. Hirschkäfer, Bläuling oder Schwalbenschwanz machen sich rar. Studien zeigen: Es gibt 75 Prozent weniger Insekten als noch vor 30 Jahren. Schuld daran ist der Mensch mit seiner Bauwut, ausgeräumten Landschaften und Pestiziden. Das Insektensterben hat dramatische Folgen, für die Artenvielfalt und auch für uns Menschen. (Foto: Bernd Vonau / photocase.de)

Der BUND fordert:

  • Bis 2025 Pestizid-Einsatz halbieren!
  • Ökologische und bäuerliche Landwirtschaft fördern!
  • Glyphosat verbieten!
  • Nutzung und Pflege von Streuobstwiesen fördern!
  • Pestizide in Naturschutz- und Wasserschutzgebieten verbieten!
  • Landesweit den Biotopverbund umsetzen!

Pestizide vergiften unsere Landschaften 

Hauptverursacher für das Insektensterben sind die industrielle Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden. Pestizide vergiften Insekten, Pflanzen und Böden und tragen damit zum Artenschwund bei. Alleine in Baden-Württemberg werden jedes Jahr circa 3.000 Tonnen an Pestizidwirkstoffen versprüht. Besonders fatal sind Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide und das Totalherbizid Glyphosat. Neonicotinoide wirken als Nervengift. Nehmen die Insekten diese Gifte auf, etwa über Nektar und Pollen, ist unter anderem ihr Orientierungsvermögen gestört. Honigbienen beispielsweise finden nicht mehr in ihren Bienenstock zurück. 

Grüne Wüste Maisfeld

Die Intensivierung der Landwirtschaft mit immer größeren Flächen an Monokulturen zerstört vielfältige und strukturreiche Landschaften und Lebensräume. Wenn Obstbäume und Raps verblüht sind, blüht in vielen Gegenden nichts mehr. Für Insekten sind Maisfelder grüne Wüsten. Früh gemähte und übergedüngte Wiesen, „sauber“ gespritzte Äcker und umgepflügte Wegränder bieten keinen Platz für Blüten, an denen Insekten Nektar und Pollen sammeln können.

Auch die Bauwut und der Flächenfraß durch Straßen, Siedlungen und Gewerbegebiete zerstören die Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Jedes Jahr werden in Baden-Württemberg eine Fläche von fast Fußballplätzen zugebaut, betoniert oder geteert.

Folgen für Schmetterlinge

In den letzten Jahrzehnten hat die Zahl der Schmetterlinge weltweit, aber auch regional stark abgenommen. Zwischen 1990 und 2011 ist nach Zahlen der Europäischen Umweltagentur (EEA) die Population von 17 in der EU verbreiteten Schmetterlingsarten um rund die Hälfte geschrumpft.

Folgen für Bienen, Schwebfliegen, Käfer

Im Jahr 2008 hat das Insektizid Clothianidin, das zum Beizen von Mais eingesetzt wurde, zu Schäden an über 11.000 Bienenvölkern geführt. Das fiel auf. Dass durch den Einsatz von Insektiziden auch ihre frei lebenden Verwandten, die Wildbienen, und viele Schmetterlinge, Schwebfliegen, Schlupfwespen und andere Insekten sterben, wird viel weniger beachtet.

Folgen für Vögel

Insekten fressenden Vögeln fehlt die Nahrung. Doch Insektizide schaden Vögeln auch direkt. Eine 2017 durch die Universität von Saskatchewan (Canada) veröffentlichte Untersuchung zeigt: Schon wenige mit Neonicotinoiden gebeizte Samenkörner reichen, um das Orientierungsvermögen der Dachsammer, eines amerikanischen Zugvogels, so zu stören, dass sie ihre Brutplätze nicht mehr findet.

Was muss die Politik tun?

Der BUND formuliert für die Pestizidreduktionsstrategie des Landes klare Ziele: Sie muss den Pestizideinsatz in Baden-Württemberg bis 2025 mindestens halbieren. Insbesondere in Natur- und Wasserschutzgebieten muss es Pestizide komplett verbieten. Alle Insektizide aus der besonders giftigen Stoffgruppe der Neonicotinoide sowie das Totalherbizid Glyphosat müssen sofort von unseren Äckern, aus Privatgärten und städtischen Grünanlagen verschwinden.

Das Land muss die bäuerliche und ökologische Landwirtschaft stärker fördern. Die gesamte landwirtschaftliche Förderpolitik muss so ausgerichtet werden, dass sie den bäuerlichen Familienbetrieben und der Natur gleichermaßen nutzt. Äcker sollen mit Blühflächen in der Agrarlandschaft wieder zu Lebensräumen für Vögel und Insekten werden. Für die Bäuer*innen muss sich dies finanziell lohnen.

Das Land muss ein Programm zur Umsetzung des landesweiten Biotopverbunds aufsetzen und fördern.

Die Umwandlung, Pflege und Vermarktung von Streuobstwiesen und ihrer Produkt muss stärker finanziell gefördert werden.

Gemeinden müssen darauf achten, dass die Wegränder, die in öffentlichem Eigentum sind, als blütenreiche Lebensräume erhalten und gepflegt werden.  

Foto im Header: Bernd Vonau/photocase.de

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