BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Kohleausstieg in Baden-Württemberg

Die Verbrennung von Steinkohle ist extrem klimaschädlich. Trotzdem laufen in Baden-Württemberg weiter Kohlekraftwerke. Es muss dringend ein Ausstiegsfahrplan für Kohle her, der zu dem Klimaschutzabkommen von Paris passt – und konsequent umgesetzt wird!

Welche Folgen die Verbrennung von Kohle für Mensch und Umwelt hat

Die Strom- und Wärmeerzeugung in Kraft- und Heizwerken trug 2018 mit 19% der Kohlendioxid-Emissionen in Baden-Württemberg massiv zur Erderhitzung bei.
Insbesondere die Steinkohlekraftwerke haben an den Emissionen des Energiesektors einen großen Anteil. Das Grosskraftwerk Mannheim (GKM) stößt mehr Kohlenstoffdioxid als jedes andere deutsche Steinkohlekraftwerk aus, und war 2017 für etwa 10 Prozent der Treibhausgase  von ganz Baden-Württemberg verantwortlich. Dicht darauf folgten das RDK in Karlsruhe mit 3,8%, das Kraftwerk in Heilbronn mit 3,0% und das Heizkraftwerk in Deizisau/Altbach mit 2,4%.

Wir fordern von der baden-württembergischen Landesregierung, dass sie sich bei EnBW & Co für ein Ende der Steinkohleverbrennung im Land deutlich vor 2030 einsetzt. Anderenfalls wird es Baden-Württemberg nicht schaffen, einen angemessenen Beitrag zu den weltweiten Klimaschutz-Anstrengungen zu leisten. Keine andere Maßnahme bringt in der Kürze der Zeit die notwendigen großen CO2-Minderungen.

Kohlekraftwerke verschmutzen Luft und Wasser

Doch Kohlekraftwerke sind nicht nur wegen der Treibhausgase für Mensch und Umwelt gefährlich. Aus ihren Kaminen und Abwasserrohren gelangen auch noch etliche andere Schadstoffe wie Feinstäube, Stickoxide und Schwermetalle in die Umwelt.
Das GKM in Mannheim nimmt aufgrund seiner Größe einen der traurigen Spitzenplätze bei allen relevanten Schadstoffen ein. Ende 2020 hat das Kraftwerk für die Einleitung von Abwasser aus den Kraftwerksblöcken 6, 7 und 8 eine neue wasserrechtliche Erlaubnis zur Einleitung von Schadstoffen in den Rhein bekommen. Der BUND lehnt das ab und klagt mit Unterstützung von ClientEarth dagegen. Unsere Argumente finden sich auch in einer umfangreichen Stellungnahme.

Wie Baden-Württemberg die Kohlekraftwerke ersetzen kann

Die vier größten baden-württembergischen Kohlekraftwerke in Mannheim, Karlsruhe, Heilbronn und Altbach/Deizisau produzieren sowohl Strom für die allgemeine Versorgung als auch Wärme, die sie in die örtlichen Fernwärmenetze einspeisen. Dies macht den Ersatz der Kraftwerke etwas komplizierter, aber bei weitem nicht unmöglich. Grund hierfür ist, dass Wärme  im Gegensatz zu Strom nicht gut über größere Strecken transportiert werden kann. 
Pro Fernwärmenetz ist jeweils ein auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmtes Konzept notwendig. Dieses muss die verschiedenen Wärmequellen ebenso einbeziehen wie mögliche Einsparmaßnahmen. Wie dies konkret funktionieren kann, zeigt z.B. für Heidelberg/Mannheim eine Potenzialstudie , die 2021 unter Federführung des BUND erstellt wurde.
Für den BUND ist ein Fuel Switch genannter Wechsel von Kohle auf Erdgas ein Irrweg  – auch wenn die Betreiber versprechen, im nächsten Schritt auf Wasserstoff  zu wechseln.

Warum ein Wechsel zu Gas nicht weiterhilft

Nimmt man Klimaschutz ernst, kann Erdgas keine Lösung sein. Viel gelobt, soll es bei der eigentlichen Verbrennung große Vorteile gegenüber Steinkohle bieten.
Werden jedoch Gas-Verluste bei Förderung und Transport mit eingerechnet, verringert sich der Abstand zur Kohle massiv. Grund dafür ist, dass Methan als wichtigstem Bestandteil von Erdgas 25-mal klimaschädlicher ist als CO2.
Die große Gefahr beim Umstieg auf Erdgas, etliche Jahre für Antragstellung, Genehmigung und Bau, sowie die Kosten führen dazu, dass sich die Kraftwerke nie rentieren, da sie ziemlich schnell wieder durch klimaneutrale Kraftwerke ersetzt werden müssten. Das Kapital zum Bau der Erdgas-Kraftwerke stünde nicht für klimaneutrale Lösungen zur Verfügung.  

Folgen des Steinkohleabbaus  

Steinkohle wird in Deutschland nicht mehr abgebaut. Die letzte Zeche im Ruhrgebiet hat 2018 aus wirtschaftlichen Gründen ihren Betrieb eingestellt. Seitdem muss Steinkohle importiert werden, was in der Regel per Schiff passiert. 
Die wichtigsten Fördergebiete für Steinkohle, die nach Deutschland exportiert wird, sind die USA, Australien, Russland und Südamerika. Woher welches Kraftwerk genau seine Kohle bekommt, ist leider nicht öffentlich bekannt. Da aber in allen vier Abbauregionen wenig Rücksicht auf Mensch und Umwelt genommen wird, spielt die genaue Zusammensetzung keine Rolle.

In den USA werden Kohlevorkommen durch Mountain Top Removal erschlossen. Dabei werden komplette Bergspitzen weggesprengt, um an die darunterliegenden Kohleflöze zu kommen. Das Verfahren ist ein extremer Eingriff in die Natur.
In Russland geht der Kohleabbau mit extremen Menschenrechtsverletzungen einher. Luft und Wasser sind so stark vergiftet, dass dort die Sterberate im Vergleich zum ganzen Land um 20% erhöht ist.
In Südamerika werden Menschen durch paramilitärische Einheiten vertrieben, verfolgt und sogar ermordet, um an Kohlevorkommen zu gelangen.
In Südafrika geht der enorme Wasserverbrauch des Kohleabbaus stark zu Lasten der Bevölkerung. Durch den ausbleibenden Rückbau von stillgelegten Minen werden das Grundwasser und die Umwelt noch über Jahrzehnte mit Giftstoffen belastet.
Natürlich weisen die Energiekonzerne, welche die dreckige Kohle hierzulande verbrennen, jede Verantwortung für die Bedingungen in den Förderregionen von sich. Ein nicht auszuhaltender Zustand!

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Ansprechpartner Umwelt und Energie

Fritz Mielert

Umweltschutzreferent
E-Mail schreiben Tel.: (0711) 620306-16

Im Faltblatt finden Sie Infos zur Herkunft der Kohle, zu ihrer Nutzung und zu Alternativen. Im Faltblatt finden Sie Infos zur Herkunft der Kohle, zu ihrer Nutzung und zu Alternativen.  (BUND BW)

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