BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Kohle-Ausstieg in Baden-Württemberg

Die Verbrennung von Steinkohle ist extrem klimaschädlich. Trotzdem laufen in Baden-Württemberg weiter Kohlekraftwerke. Es muss dringend ein Ausstiegsfahrplan für Kohle her, der zu dem Klimaschutzabkommen von Paris passt - und konsequent umgesetzt wird!

Klimakiller Steinkohle

Welche Folgen die Verbrennung von Kohle für Mensch und Umwelt hat

Die Strom- und Wärmeerzeugung trägt mit 24% der Treibhausgasemissionen in Baden-Württemberg massiv zur Erderhitzung bei.

Insbesondere die Steinkohlekraftwerke haben an den Emissionen des Energiesektors einen großen Anteil. Das GKM in Mannheim, Deutschlands klimaschädlichstes Steinkohlekraftwerk, stößt etwa 10 Prozent der Treibhausgase von ganz Baden-Württemberg aus. Dicht darauf folgen das RDK in Karlsruhe mit 3,8%, das Kraftwerk in Heilbronn mit 3,0% und das Heizkraftwerk in Deizisau/Altbach mit 2,4%.

Ohne ein Abschalten der Steinkohlekraftwerke wird Baden-Württemberg es nicht schaffen, einen sinnvollen Beitrag zu den weltweiten Klimaschutz-Anstrengungen zu leisten.

Nicht nur Treibhausgase

Kohlekraftwerke verschmutzen Luft und Wasser

Neben Treibhausgasen schädigen Kohlekraftwerke Mensch und Umwelt aber auch noch mit etlichen anderen Schadstoffen, wie Feinstäuben, Stickoxiden und Schwermetallen.

Das GKM in Mannheim nimmt aufgrund seiner Größe jeweils einen der traurigen Spitzenplätze bei allen anderen relevanten Schadstoffen ein. Ende 2019 hat das GKM für die Einleitung von Abwasser aus den Kraftwerksblöcken 6, 7 und 8 eine wasserrechtliche Erlaubnis beantragt. Der BUND lehnt das ab und hat gemeinsam mit ClientEarth eine umfangreiche Stellungnahme ausgearbeitet.

Unsere wichtigsten Kritikpunkte sind:

  • Eine Erlaubnis zur Einleitung von Giftstoffen in den Rhein durch den Betrieb eines Steinkohlekraftwerks widerspricht dem politischen Wunsch, aus der Verbrennung von Kohle auszusteigen.
  • Der Quecksilbereintrag wird den Bewirtschaftungszielen für den Rhein nicht gerecht und widerspricht Art. 4 Abs. 1 lit. a i, ii und iv RL 2000/60/EG.
  • Die Wasserqualität des Rheins ist nach offiziellen Angaben schlecht und widerspricht den Umweltqualitätsnormen. Dies liegt maßgeblich an hohen Quecksilberkonzentrationen. Da Quecksilber nicht biologisch abgebaut wird, führt jede weitere Einleitung von Quecksilber zu einer Verschärfung der Situation. Eine weitere Einleitung von Quecksilber widerspricht dem Verschlechterungsverbot. Eine Verschlechterung der Quecksilberkonzentration in Biota ist nach bester wissenschaftlicher Erkenntnis sicher auszuschließen. Gegen die bisherige Haltung des Bundesverwaltungsgerichts sprechen die Schlussanträge des General­anwaltes vom 12.11.2019, C-535/18, Rz. 39 – 47.
  • Wo es mit der besten verfügbaren Technik möglich ist, deutlich bessere Emissionswerte für Quecksilber zu erreichen, als es die Abwasserverordnung vorgibt, so ist sowohl mit Blick auf das aus der 2010/75/EU (IE-RL) gegebene Gebot, negative Auswirkungen auf die Umwelt zu vermeiden bzw., wo dies nicht möglich ist, diese zu vermin­dern. Mit der vom GKM vorgeschlagenen Filtertechnik lassen sich aber nur gerade so die Grenzwerte einhalten. Mit der besten verfügbaren Technik ist es hingegen möglich, von den Kraftwerksbetreibern einzufordern, deutlich mehr Schwermetall aus dem Abwasser zu filtern.
  • Die beantragte Menge an Abwasser entspricht der Menge der letzten Erlaubnis. Dabei wurden in der Zwischenzeit zwei Kraftwerksblöcke stillgelegt und die Betriebsstunden der restlichen betroffenen Kraftwerksblöcke sanken in den letzten Jahren kontinuierlich. kontinuierlich. Die genehmigte Menge muss demnach nach unten angepasst werden.

Wege zur Klimaneutralität

Wie wir unsere Kraftwerke ersetzen können

Die vier größten baden-württembergischen Kohlekraftwerke in Mannheim, Karlsruhe, Heilbronn und Altbach/Deizisau produzieren sowohl Strom für die allgemeine Versorgung als auch Wärme, die sie in die örtlichen Fernwärmenetze einspeisen. Dies macht den Ersatz der Kraftwerke etwas komplizierter, aber bei weitem nicht unmöglich. Grund hierfür ist, dass Wärme im Gegensatz zu Strom nicht gut über größere Strecken transportiert werden kann.

Pro Fernwärmenetz ist jeweils ein auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmtes Konzept notwendig. Dieses muss die verschiedenen Wärmequellen ebenso einbeziehen wie mögliche Einsparmaßnahmen.

Im Fall des GKM in Mannheim bietet sich eine Kombination aus der im Rheingraben reichlich vorhandenen Erdwärme mit verschiedenen Umweltwärmequellen, wie Solarthermie, tiefe Geothermie, Großwärmepumpen in Flüssen und die Nutzung von industrieller Abwärme an.

Wie dies konkret funktionieren kann, zeigen verschiedene Konzepte, die Energieversorger, Forschungsinstitute und Umweltverbände ausgearbeitet haben.

Irrweg Erdgas

Warum ein Wechsel zu Gas nicht weiterhilft

Nimmt man Klimaschutz ernst, kann Erdgas keine Lösung sein. Viel gelobt, soll es bei der eigentlichen Verbrennung große Vorteile gegenüber Steinkohle bieten.

Werden jedoch Gas-Verluste bei Förderung und Transport mit eingerechnet, verringert sich der Abstand zur Kohle massiv. Grund dafür ist, dass Methan als wichtigstem Bestandteil von Erdgas 25-mal klimaschädlicher ist als CO2.

Die große Gefahr beim Umstieg auf Erdgas, etliche Jahre für Antragstellung, Genehmigung und Bau, sowie die Kosten führen dazu, dass sich die Kraftwerke nie rentieren, da sie ziemlich schnell wieder durch klimaneutrale Kraftwerke ersetzt werden müssten. Das Kapital zum Bau der Erdgas-Kraftwerke stünde nicht für klimaneutrale Lösungen zur Verfügung.

An dieser Kohle klebt Blut

Welche Folgen der Abbau von Steinkohle hat

Steinkohle wird in Deutschland nicht mehr abgebaut. Die letzte Zeche im Ruhrgebiet hat 2018 aus wirtschaftlichen Gründen ihren Betrieb eingestellt. Seitdem muss Steinkohle importiert werden, was in der Regel per Schiff passiert. Nun müssen – aus ökologischen Gründen – auch die Kraftwerke abgeschaltet werden!

Die wichtigsten Fördergebiete für Steinkohle, die nach Deutschland exportiert wird, sind die USA, Australien, Russland und Südamerika. Woher welches Kraftwerk genau seine Kohle bekommt, ist leider nicht öffentlich bekannt. Da aber in allen vier Abbauregionen wenig Rücksicht auf Mensch und Umwelt genommen wird, spielt die genaue Zusammensetzung auch keine Rolle.

In den USA werden Kohlevorkommen durch Mountain Top Removal erschlossen. Dabei werden komplette Bergspitzen weggesprengt, um an die darunter liegenden Kohleflöze zu kommen. Das Verfahren ist ein extremer Eingriff in die Natur.

In Russland geht der Kohleabbau mit extremen Menschenrechtsverletzungen einher. Luft und Wasser sind so stark vergiftet, dass dort die Sterberate im Vergleich zum ganzen Land um 20% erhöht ist.

In Südamerika werden Menschen durch paramilitärische Einheiten vertrieben, verfolgt und sogar ermordet, um an Kohlevorkommen zu gelangen.

In Südafrika geht der enorme Wasserverbrauch des Kohleabbaus stark zu Lasten der Bevölkerung. Durch den ausbleibenden Rückbau von stillgelegten Minen wird das Grundwasser und die Umwelt noch über Jahrzehnte mit Giftstoffen belastet.

Natürlich weisen die Energiekonzerne, welche die dreckige Kohle hierzulande verbrennen, jede Verantwortung für die Bedingungen in den Förderregionen von sich. Ein nicht auszuhaltender Zustand!

Klimagespräche

Aktiv werden!
Im Faltblatt finden Sie Infos zur Herkunft der Kohle, zu ihrer Nutzung und zu Alternativen. Im Faltblatt finden Sie Infos zur Herkunft der Kohle, zu ihrer Nutzung und zu Alternativen.  (BUND BW)

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