BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Klimaschutz

Häufigere Unwetter, Starkregen, Hitzeperioden – die Folgen der Klimaerwärmung sind auch in Baden-Württemberg spürbar. Es ist also höchste Zeit, Treibhausgase zu verringern und Anpassungsmaßnahmen an unvermeidbare Veränderungen zu entwickeln.

Ein zartes Pflänzchen wächst aus einem ausgetrockneten, rissigen Boden. Durch den Klimawandel werden die Sommer in Baden-Württemberg trockener und heißer. Das führt unter anderem zu Ernteausfällen.  (apopium / Depositphotos.com)

In unserem Bundesland ist die Temperaturen laut Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg in den vergangenen Jahrzehnten um 40 Prozent stärker gestiegen als im globalen Vergleich. Unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden Menschen, Tiere und Pflanzen.

Die Klimakrise gehört zu den größten Herausforderungen, denen sich die Menschen im Moment stellen müssen. 2015 hat sich die internationale Staatengemeinschaft in Paris daher verpflichtet, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad und möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Der Weltklimarat IPCC hat in einem Bericht dargestellt, dass die Folgen einer Erwärmung um 1,5 Grad schon drastisch sein werden. Der BUND ist deshalb davon überzeugt, dass wir Menschen unbedingt dafür sorgen müssen, dass diese Grenze nicht überschritten wird. Nur so kann eine lebenswerte Zukunft für die nachfolgenden Generationen sichergestellt werden. Doch seit der Unterzeichnung des Pariser Klimaschutzabkommens haben weder die Weltgemeinschaft noch die Europäische Union noch Deutschland oder Baden-Württemberg nennenswerte Fortschritte bei der Rettung des Klimas gemacht.


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Ziele und Maßnahmen für den Klimaschutz in Baden-Württemberg

Mit dem Klimaschutzgesetz hat sich die Landesregierung 2013 unverbindliche Ziele für die Treibhausgasminderung im Jahr 2020 (-25% gegenüber 1990) und im Jahr 2050 (-90%) gesetzt und 2020 noch einmal ein Zwischenziel für das Jahr 2030 definiert (-42%). Doch trotz der Überarbeitung im Jahr 2020 ist es der Landesregierung nicht gelungen, Ziele festzulegen, die mit dem Klimaschutzabkommen von Paris kompatibel sind. Das selbstgesteckte Ziel für 2020 könnte Baden-Württemberg eventuell aufgrund der Corona-Pandemie erreichen.

Laut dem Weltklimarat IPCC dürfen seit Anfang 2018 weltweit nur noch 420 Milliarden Tonnen CO2 ausgestoßen werden, um die Klimaerwärmung mit einer 66-prozentigen Wahrscheinlichkeit auf 1,5 Grad zu begrenzen. Dieses Budget kann auf Staaten oder Länder über ihren Anteil an der Weltbevölkerung heruntergebrochen werden. So gerechnet bleibt Baden-Württemberg ab 2020 ein maximales CO2-Budget von 427 Millionen Tonnen. Im Jahr 2019 hat das Land nach ersten Schätzungen des statistischen Landesamts noch 71,6 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, wird das Restbudget innerhalb von sechs Jahren aufgebraucht sein. Laut Berechnungen des BUND müssen Baden-Württembergs CO2-Emissionen kontinuierlich bis 2030 um 90 Prozent gegenüber 1990 sinken und anschließend bis 2035 Klimaneutralität erreichen, um die 1,5-Grad-Obergrenze nicht zu knacken (siehe Grafik). Die nächsten 15 Jahre sind genau die Zeit, in der die globalen Emissionen drastisch sinken müssen, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels einzudämmen.

Klimaschutzgesetz in Baden-Württemberg

Der Landtag verabschiedete die Novelle des baden-württembergischen Klimaschutzgesetzes im Oktober 2020. Der BUND und weitere Umweltschutzorganisationen hatten davor auf notwendige Änderungen gedrungen (Stellungnahme zum Klimaschutzgesetz des BUND Baden-Württemberg). Leider ist die Novelle eine Enttäuschung. Das wichtigste Ziel (-42% CO2-Emissionen bis 2030) genügt wieder nicht, um die Erderhitzung zu stoppen. Es reicht voraussichtlich noch nicht einmal für einen fairen Beitrag Baden-Württembergs zur Begrenzung der Klimakrise auf zwei Grad Celsius.

Das Kernproblem des baden-württembergischen Klimaschutzgesetzes ist, dass sich seine Ziele an mittlerweile überholten Zielen der Bundesregierung orientieren und nicht am Klimaabkommen von Paris.

Neben Minderungszielen sind im Landesklimaschutzgesetz seit neuestem auch einzelne Maßnahmen definiert. Neben verbindlichen Maßnahmen zu Energieverbrauchsmonitoring und kommunaler Wärmeplanung umfasst das Gesetz auch unverbindliche Maßnahmen, wie kommunale Klimamobilitätspläne und Klimaschutzvereinbarungen mit Unternehmen.

Klimawandel stoppen – was jetzt notwendig ist

Für einen echten Klimaschutz muss sich das Land verbindliche Ziele geben, welche die Klimaerwärmung auf 1,5 Grad begrenzen. Diese Ziele müssen auf alle gesellschaftlichen Bereiche (Verkehr, Energieversorgung, Privathaushalte, Betriebe, Industrie, Land- und Forstwirtschaft und Entsorgung) und auf die Regionen des Landes heruntergebrochen werden. Auch diese Teilziele müssen verbindlich sein, um Wirkung zu entfalten. Wenn sie nicht erreicht werden, müssen empfindliche Sanktionen greifen.

Wie das Land seine Klimaziele erreichen will, hat es 2013 im Integrierten Energie und Klimaschutzkonzept (IEKK) festgehalten. Die Überarbeitung des IEKK (BUND-Stellungnahme zum IEKK), das Strategieplan und Maßnahmenkatalog in einem ist, liegt momentan auf Eis, da die Landesregierung selbst erkannt hat, wie groß der Unterschied zwischen den Landeszielen und den Zielen auf Bundes- bzw. europäischer Ebene ist.

Der BUND bekennt sich zum Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen und fordert deswegen von der nächsten Landesregierung eine deutliche Verschärfung von Klimaschutzgesetz und IEKK.

Was jede*r Einzelne tun kann

  • Unterstützen Sie „Fridays for Future“, die Klimaschutzbewegung der Schüler*innen! 
     
  • Bisher liegt der jährliche CO2-Ausstoß pro Kopf in Deutschland bei über elf Tonnen. Ein klimaverträglicher Lebensstil muss mit gut einer Tonne auskommen. Bei wie vielen Tonnen liegen Sie? Errechnen Sie jetzt Ihre CO2-Bilanz und erstellen Sie Ihren eigenen Plan, um Ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren!
     
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Häufig gestellte Fragen und Antworten

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Was nützt es, wenn ich selbst versuche, ein nachhaltiges Leben zu führen, während der Großteil der Menschen weiterhin die Erde ausbeutet?

Die Auswirkungen meines Verhaltens mögen vielleicht auf den ersten Blick gering erscheinen, aber (auch wenn es pathetisch klingt), zusammen können wir die Welt verändern. Wenn jede*r darauf wartet, dass andere den ersten Schritt tun, verlieren wir wertvolle Zeit, die wir nicht mehr haben. Wichtige Veränderungen in der Geschichte haben meistens mit kleinen Veränderungen bei ganz gewöhnlichen Menschen begonnen. Wenn ich nachhaltiger lebe, erkennen vielleicht auch andere Menschen, dass das keine Verringerung an Lebensqualität bedeutet. Im Gegenteil: Ein nachhaltiger Lebensstil bringt nicht nur der Natur und Umwelt etwas, sondern auch Ihnen selbst. Sie leben gesünder und werden aufmerksamer gegenüber Ihnen und Ihrer Umgebung.

Gleichzeitig ebnen wir durch das Vorleben eines nachhaltigen Lebensstils den Weg für politische Beschlüsse in diese Richtung.

Baden-Württemberg ist so klein im Vergleich zu dem Rest der Welt. Bringt es überhaupt etwas, wenn sich das Land ein wirkungsvolles Klimaschutzgesetz gibt?

Die Industrieregion Baden-Württemberg trägt überproportional zum Anstieg der klimaschädlichen Treibhausgase und damit zum Klimawandel bei. Also muss es auch seinen Beitrag zur Bekämpfung leisten. Wenn jedes (Bundes-)Land darauf wartet, dass andere den ersten Schritt tun, verlieren wir wertvolle Zeit, die wir nicht mehr haben. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass das Land mit gutem Beispiel vorangeht und auch andere Bundesländer ermutigt, mehr für den Klimaschutz zu tun. Wir spüren auch die Veränderungen schon heftiger als manch andere Region: In unserem Bundesland sind die Temperaturen in den vergangenen Jahrzehnten um 40 Prozent stärker gestiegen als im globalen Vergleich.

Wieso kann sich das Land Baden-Württemberg eigene Klimaziele setzen? Wieso gibt es nicht einfach bundesweite Vorgaben?

Am einfachsten wäre es sicherlich, wenn die Europäische Union Ziele festschreiben würde, die zur Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens ausreichen. Anschließend müssten Bund und Land jeweils in ihrem Kompetenzbereich die fehlenden Regelungen beschließen. Leider bremsen die verschiedenen Ebenen aber, sodass sich die Frage stellt, auf welcher Grundlage Maßnahmen auf Landesebene beschlossen werden. Bisher orientierte sich Baden-Württemberg an den bundesweiten Zielen mit der Folge, dass die im Oktober 2020 beschlossene Novelle des Landesklimaschutzgesetzes schon seit Dezember 2019, dem Zeitpunkt der letzten Verschärfung auf Bundesebene, hinfällig war.

Gab es nicht schon in der Vergangenheit große Klimaveränderungen? Was ist der Unterschied zum jetzigen Klimawandel?

Früher verliefen die Veränderungen in Zeiträumen von vielen Jahrtausenden bis zu Jahrmillionen. Doch jetzt erhitzt sich die Erde um ein Mehrfaches schneller, Geschwindigkeit und Ausmaß der gegenwärtigen Erderwärmung sind höher denn je: Jeder Sommer liefert neue Temperaturrekorde und die Klimakrise schreitet scheinbar unaufhaltsam voran. Von den zehn wärmsten Jahren seit Beginn der Messungen liegen außer 1998 alle im 21. Jahrhundert.

Warum ist es so wichtig, die Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen?

Bei einer Erhöhung der Temperatur um 1,5°C sind die negativen Folgen des Klimawandels gerade noch beherrschbar. Die rasante Erwärmung ist eine der wichtigsten Ursachen des weltweiten Artensterbens und droht, die Hälfte aller Arten auf unserem Planeten auszulöschen. Zudem verlieren schon heute Millionen Menschen durch die Folgen der Klimakrise ihre Lebensgrundlagen: Es gibt nicht mehr genug Trinkwasser, Häuser werden durch Wirbelstürme, den steigenden Meeresspiegel oder Überschwemmungen zerstört. Wir können daher nicht länger warten. Noch haben wir es in der Hand wirksame Maßnahmen zur Eindämmung des Artensterbens und der Klimakrise einzuleiten.

Was sind die Ursachen für die Erderhitzung?

Sogenannte Treibhausgase machen das Leben auf unserem Planeten erst möglich, indem sie die Wärme der Sonne, die von der Erde reflektiert wird, zurückhalten. Der Mensch verstärkt diesen natürlichen Treibhausgaseffekt, indem er im großen Stil fossile Energieträger wie Kohle und Öl verbrennt und damit tonnenweise Kohlenstoffdioxid erzeugt. In der Folge kann immer weniger Wärme von der Erdatmosphäre ins Weltall entweichen. Dadurch steigen die Temperaturen bei uns. Neben Kohlenstoffdioxid zählen auch Methan, Distickstoffoxid und fluorierte Treibhausgase zu den Treibhausgasen.

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Ansprechpartner Umwelt und Energie

Fritz Mielert

Umweltschutzreferent
E-Mail schreiben Tel.: (0711) 620306-16

Flyer Klimaschutz

Das Faltblatt gibt einen ersten Einblick in das Thema und soll als Einstieg dienen, indem es einfache Tipps liefert. Das Faltblatt gibt einen ersten Einblick in das Thema und soll als Einstieg dienen, indem es einfache Tipps liefert.  (BUND BW)

Tipps zu Klimastreiks

Ein Junger Mann hält ein Schild mit einer Erde und dem Schriftzug "Klima retten" in die Höhe. Links im Hintergrund erkennt man den Kölner Dom.  (Foto: Niklas Dick / BUND BW)

Weltweit wehren sich immer mehr junge Menschen gegen die Untätigkeit ihrer Politiker*innen in Sachen Klimaschutz.
Eltern, die sich fragen, wie sie ihr streikendes Kind unterstützen können, möchten BUND und BUNDjugend mit diesem Ratgeber ein paar Tipps geben. 

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