Am 15. April 2023 wurde das AKW Neckarwestheim abgeschaltet.
(Miklas Hahn
/
BUND BW)
Nach dem Beschluss der Bundesregierung wurden Block II des AKW Neckarwestheim (GKN II) und die anderen beiden aktiven AKW in Deutschland, Isar 2 in Landshut und Kernkraftwerk Emsland in Lingen, am 15. April 2023 vom Netz genommen. Ende 2019 ging Block 2 in Philippsburg vom Netz. Die älteren Reaktoren in Neckarwestheim und Philippsburg sind seit 2011 stillgelegt. Der Rückbau des AKW Obrigheim begann 2005.
Atommüll-Lager nahe Karlsruhe
Auch nach dem Abschalten besteht die Gefahr eines atomaren Unfalls während der Nachbetriebsphase der Altreaktoren und durch die Zwischenlagerung. Wenig im Blick der Öffentlichkeit ist dabei das größte Atommüll-Lager Baden-Württembergs. Weniger als 20 Kilometer vom Stadtzentrum Karlsruhe entfernt auf dem Campus Nord des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) lagert Atommüll aus der Forschung und aus der Wiederaufbereitungsanlage Karlsruhe (WAK).
Nach wie vor findet auf dem Gelände des KIT Atomforschung statt. Im Auftrag der Europäischen Union wird dort seit den 1960er-Jahren am Institut für Transurane (ITU) an Brennstoffen geforscht. Aufgabenstellung ist es, die Reaktionen der Materialien zu erforschen, um mit diesem Wissen die Bürger*innen besser vor den Gefahren beim Umgang und der Lagerung hochradioaktiver Materialen schützen zu können. Die Forschungsergebnisse können jedoch auch als Grundlage für die Entwicklung neuer Brennstoffe herangezogen werden.
Im Rahmen eines Mediationsverfahrens zum Neubau eines Forschungsgebäudes ist es dem BUND Mittlerer Oberrhein gelungen, dass die Mengen der am ITU gelagerten radioaktiven Materialien deutlich reduziert und auch die erlaubten Werte für die Freisetzung radioaktiver Stoffe gesenkt wurden. Trotzdem wird am ITU weiterhin mit Plutonium und anderen radioaktiven Materialien hantiert und Atommüll produziert.
Gefahren durch Atomanlagen jenseits der Landesgrenzen
Auch die zahlreichen Atomanlagen an den Grenzen zu Baden-Württemberg sind ein ständiges Risiko für die dort lebenden Menschen.
Unmittelbar an der deutschen Grenze sind die Schweizer AKW Beznau und Leibstadt noch am Netz. Und auch das AKW Goesgen ist nur 20 Kilometer von der Grenze entfernt. Mit 40 bisweit über 50 Jahren zählen die Schweizer Reaktoren zu den ältesten der Welt. Zahlreiche Sicherheitsprobleme der Meiler sind seit Jahren bekannt. Welche Gefahren von einem Atom-Unfall in einer der Anlagen ausgehen, hat der Trinationale Atomschutzverband 2025 in einer Studie analysiert, an der der BUND mitgewirkt hat. "Nach einem Atomunfall in einem Schweizer AKW müssten bei entsprechender Wetterlage weite Teile Baden-Württembergs und gegebenenfalls sogar Bayerns großräumig evakuiert werden. Betroffen wären unter Umständen Regionen bis in mehreren Hundert Kilometern Entfernung. Die Evakuierungszone könnte nicht nur die Großstadt Freiburg i. Br., sondern auch Städte wie Karlsruhe, Stuttgart, Mannheim, Heidelberg, Reutlingen, Heilbronn, Ulm, Nürnberg, Augsburg und München umfassen," heißt es in der Studie.
Auf Druck von Umweltschützer*innen westlich und östlich des Rheins wurde das umstrittene französische AKW Fessenheim nahe Freiburg im Juni 2020 endlich abgeschaltet. In Fessenheim plant der französische Energiekonzern EDF eine Recyclinganlage für schwach radioaktive Metalle. Auch von dieser Anlage gehen erhebliche Risiken aus.


