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BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Studie: Mobiles Baden-Württemberg

Ein „weiter so“ in der Verkehrspolitik führt direkt in die Sackgasse, verfehlt alle Ziele der Nachhaltigkeit und führt zu steigenden Belastungen von Mensch, Umwelt und Klima

Ein Regionalzug im Bahnhof. Eine zukunftsfähige neue Mobilitätskultur muss Hand in Hand gehen mit dem Klima- und Ressourcen-Schutz.  (Miklas Hahn / BUND BW)

Wege der Transformation zu einer nachhaltigen Mobilität

Eine vom BUND initiierte und von der Baden-Württemberg Stiftung herausgegebene wissenschaftliche Studie belegt: Nur eine Neue Mobilitätskultur mit deutlich weniger Autoverkehr kann die Mobilität künftig klimaschonend, gesundheitsverträglich, flächensparend gestalten und soziale Teilhabe für Alle ermöglichen.

Die Mobilitätspolitik steht vor dem Scheideweg. Denn gegenwärtig ist der Verkehrssektor alles andere als nachhaltig. Ob CO2-Emissionen, Luftschadstoffe wie Feinstaub und Stickstoffdioxid, Verkehrslärm oder Flächenverbrauch – überall verfehlt der Verkehr die gesetzlich oder politisch fixierten Umweltqualitätsziele. Beispiel Klimaschutz: Von 1990 bis 2015 stiegen die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen in Baden-Württemberg um 9 Prozent an und verursachen heute rund ein Drittel der klimaschädlichen Schadstofffracht. Das landespolitische Ziel, die verkehrsbedingten CO2-Emissionen bis 2020 um 20 Prozent zu reduzieren, wird unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen krass verfehlt.

Der BUND wollte daher wissen, wie es gerade im Autoland Baden-Württemberg gelingen kann, die von EU, Bundes- und Landesregierung bis 2050 gesetzten Ziele einzuhalten und dabei einen Spagat zu bewältigen: Zum einen gilt es, den Natur- und Ressourcenverbrauch zu begrenzen, den Klimawandel abzubremsen, weniger Flächen zu beanspruchen und die Gesundheit der Menschen nicht zu schädigen. Zum anderen heißt es aber auch, den Erhalt von Unternehmen und Arbeitsplätzen mit einer proaktiven Gestaltung des Strukturwandels zu sichern.

Wie sieht nachhaltige Mobilität aus?

Auf Vorschlag des BUND gab die Baden-Württemberg-Stiftung die Studie, an der auch Stakeholder und ein hochkarätig besetzter wissenschaftlicher Projektbeirat beteiligt waren, bei einem vom Öko-Institut Freiburg angeführten Konsortium verschiedener Wissenschafts-Institute in Auftrag. Sie entwirft drei Zukunftsszenarien zur Mobilität in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2050. Auf ein „Trend-Szenario“, also ein „weiter wie bisher“, wurde bewusst verzichtet. Welche ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeitswirkungen die einzelnen Szenarien haben, wertete das Konsortium über modellgestützte Berechnungen und qualitative Analysen aus.

3 mögliche Szenarien

Szenario I „Neue Individualmobilität“

Der Individualverkehr mit Pkw spielt weiterhin die Hauptrolle. Ergänzend hinzukommen E-Mobilität und automatisiertes Fahren.

Szenario II „Neue Dienstleistungen“

Im Vordergrund steht neben der E-Mobilität das Auto-Teilen. Das ergibt insgesamt weniger Fahrzeuge.

Szenario IIII „Neue Mobilitätskultur“

Dieses Szenario vollzieht den größten Wandel. Hier dominieren kurze Wege, öffentliche Verkehrsmittel, Rad- und Fußverkehr sowie kollektive Nutzungskonzepte und Verkehrsvermeidung.

Unbequeme Antworten – Kernpunkte einer neuen Mobilitätskultur

Die Studie liefert eindeutige, aber unbequeme Antworten: Im Hinblick auf ökologische und sozial gerechte Nachhaltigkeit reicht sowohl auf kürzere Sicht bis 2030 als auch auf längere Sicht bis 2050 nur das Szenario „Neue Mobilitätskultur“ an die Ziele heran. Bei der „Neuen Individualmobilität“ werden die Ziele am weitesten verfehlt, das Szenario „Neue Dienstleistungen“ schneidet etwas besser ab. Das Fazit auf wesentliche Punkte gebracht:

  1. Eine Mobilität innerhalb der ökologischen und gesundheitlichen Belastungsgrenzen kann nur mit einem deutlichen Rückgang des Pkw-Bestandes und der Pkw-Fahrleistung gelingen. Das gilt für Baden-Württemberg gleichermaßen wie für die globale Entwicklung. Auf diesem Mobilitätspfad könnten wir deutliche Verbesserungen bei Treibhausgasemissionen und Luftschadstoffen, beim Verbrauch von Endenergie und nicht-energetischen Ressourcen sowie beim Lärm und der Flächeninanspruchnahme erzielen.
  2. Allein auf Elektrofahrzeuge zu bauen genügt bei weitem nicht, denn vor allem der Einsatz von Ressourcen und der Flächenverbrauch bleibt dabei deutlich zu hoch. Die Elektromobilität muss eingebettet sein in eine Strategie der Vermeidung und Verlagerung des Autoverkehrs sowie des Downszising der Fahrzeuge – also kleinere, effizientere und weniger hoch motorisierte Fahrzeuge.
  3. Die durchgehende Verfügbarkeit eines attraktiven öffentlichen Verkehrs, des Rad- und Fußverkehrs sowie dessen Vernetzung untereinander und mit dem Autoverkehr mittels CarSharing und BikeSharing erhöht die Erreichbarkeit und den Zugang zur Mobilität für alle sozialen Gruppen. Die Aufenthaltsqualität öffentlicher Räume nimmt durch die Entlastung von Lärm und Schadstoffen sowie die Umwidmung von Verkehrsflächen zu Aufenthaltsraum zu. Dies und die zunehmende aktive nichtmotorisierte Mobilität fördert die Gesundheit der Bevölkerung.
  4. Die Infrastrukturplanung muss neu orientiert werden. Es müssen Erhalt und Modernisierung, der vorrangige Ausbau der Schienennetzkapazitäten und ein weitgehender Verzicht auf Kapazitätsausbau im Straßennetz im Vordergrund stehen.

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