Der Bodensee leidet zunehmend unter der Klimakrise.
(Ursula Häßler)
- Hitzesommer zeigt gravierende Auswirkungen der Klimakrise auf Ökosystem Bodensee
- Abschied von fossilen Brennstoffen auch bei Schifffahrt nötig
- Verschluss der Studie verhindert wichtige öffentliche Diskussion
Stuttgart. Das baden-württembergische Verkehrsministerium weigert sich, eine Fraunhofer-Studie zur klimaneutralen Schifffahrt auf dem Bodensee zu veröffentlichen, wie der Südkurier vor Kurzem berichtete. Obwohl das Ministerium die Studie für 50.000 Euro selbst in Absprache mit den anderen Bodenseeanrainern in Auftrag gegeben hatte, will es die darin enthaltenen Empfehlungen nicht umsetzen. Der BUND Baden-Württemberg kritisiert das Vorgehen des Ministeriums und fordert Transparenz, um eine öffentliche Debatte zu dem wichtigen Thema zu ermöglichen.
Sylvia Pilarsky-Grosch, BUND-Landesvorsitzende: „Der aktuelle Hitzesommer zeigt überdeutlich, wie das Ökosystem Bodensee schon unter der Klimakrise leidet: Rekordniedrigwasser, abnorme Wassertemperaturen, explosionsartige Ausbreitung der Quagga-Muschel, kaum mehr Felchen. Um diese Entwicklung nicht zu verschlimmern, ist ein schneller Abschied vom Verbrennungsmotor – auch mit synthetischen Kraftstoffen – bei der Bodenseeschifffahrt drängender denn je.“
Der BUND sieht in der unveröffentlichten Studie eine wichtige Diskussions- und Handlungsgrundlage für eine zukunftsfähige Bodenseeschifffahrt. Auch wenn die in der Studie vorgeschlagenen Maßnahmen unbequem für Freizeitsport und Wassertourismus in seiner heutigen Form sind: Es braucht jetzt eine breit angelegte Diskussion darüber, wie der Bootsbetrieb auf dem See möglichst schnell klimaneutral werden kann – abgestimmt und wissenschaftlich fundiert.
Gemeinsam für klimaneutrale Schifffahrt
Das Land hatte die Studie 2025 als Vorsitz der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) beim Fraunhofer-Center für maritime Logistik und Dienstleistungen (CML) in Auftrag gegeben. Im Zusammenschluss der Bodensee-Anrainerstaaten können auch politische, rechtliche und organisatorische Hürden für eine klimaneutrale Schifffahrt gemeinsam überwunden werden.
Pilarsky-Grosch: „Unsere Nachbarn in Österreich und der Schweiz haben auf ihren landeseigenen Binnenseen längst einen strikten Klimakurs eingeschlagen. Warum soll das bei Motorbooten auf dem Bodensee nicht möglich sein? Auch die privaten Motorbootnutzenden müssen ihren Beitrag leisten und können nicht einfach unbehelligt auf Kosten von Natur und Anwohnern ihrem Hobby nachgehen.“
Hintergrund:
Die Internationale Bodenseekonferenz (IBK) wurde 1972 zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Bodenseeregion gegründet. Neben Baden-Württemberg und Bayern zählen Schaffhausen, Zürich, Thurgau, St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, das Fürstentum Liechtenstein und Vorarlberg zu den insgesamt zehn Mitgliedern. Ein Fokusthema der letzten Jahre war die "Nachhaltige Mobilität über Grenzen". Eine erste Machbarkeitsstudie zu klimaneutraler Schifffahrt auf dem Bodensee ermittelte dabei 2023 einen Ausstoß von schätzungsweise 52.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid im Jahr. Mehr als die Hälfte davon setzen Sportboote frei. Den Vorsitz der IBK hat nach Baden-Württemberg im Jahr 2025 nun der Kanton Zürich im Jahr 2026 inne.
Mehr Informationen:
- Themenseite Mobilität beim BUND Baden-Württemberg
- Themenseite Klima und Energie beim BUND Baden-Württemberg
- Mit dem BUND für Klimaschutz und Energiewende einsetzen
Kontakt für Rückfragen:
- Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, Sylvia.Pilarsky-Grosch(at)bund-bawue.de, 0172 83 44 294
- Bastian Greiner, Referent für Mobilität des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, Bastian.Greiner(at)bund-bawue.de, 0711 620306-30
- Ramona Fritz, Referentin für Presse- & Öffentlichkeitsarbeit des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, Ramona.Fritz(at)bund-bawue.de, 0711 620306-17


