Die Europäische Wildkatze

Sie lebt zurückgezogen in unseren naturnahen Laub- und Mischwäldern. Sie jagt nachts und ruht sich tagsüber meist in ihren Verstecken aus. Deshalb bekommen wir sie kaum zu Gesicht. Aber in unseren Wäldern wandert sie wieder ein: Die Europäische Wildkatze.

Wildkatze schaut front mit zugekniffenen Augen in die Kamer. Die Wildkatze ist kräftiger gebaut als eine Hauskatze. Auch die Schnauze ist breiter und wuchtiger.  (Thomas Stephan / BUND BW)

 

Daran erkennt man eine Wildkatze

Wichtigstes Erkennungsmerkmal der Wildkatze ist ihr breiter, buschiger Schwanz mit zwei bis drei schwarzen Ringen und einem schwarzen stumpfen Ende. Gegenüber häufig silbrig-grauen deutlich getigerten Hauskatzen haben Wildkatzen ein sehr verwaschenes grau-gelbes Fell ohne klare Zeichnung. Wildkatzen sind mit drei bis acht Kilogramm in der Regel etwas schwerer als Hauskatzen, wobei ausgewachsene Wildkater (auch Wildkuder genannt) deutlich schwerer als die Weibchen sind. Besonders im langen Winterfell wirken Wildkatzen kräftiger und größer als Hauskatzen. Auf dem Rücken hat sie oft einen durchgehenden schwarzen Strich, den sogenannten Aalstrich.

Wie alle Katzenarten benötigt auch die Wildkatze täglich frisch erbeutetes Fleisch. Dabei stehen vor allem Mäuse auf ihrem Speiseplan. Selten werden auch große Insekten, Vögel und Eidechsen gefressen. Nach der nächtlichen Jagd suchen Wildkatzen morgens ihre Schlafplätze auf. Häufig umgeben von Brombeeren bieten Reisighaufen, hohle Baumstämme und anderes Totholz am Waldboden geeignete Versteckmöglichkeiten. Auch am Wegrand gelagerte Holzpolter ziehen Wildkatzen an. Dies zeigt schon an welcher Art und Zustand die Wälder sein müssen, damit sich die Wildkatze dauerhaft niederlässt: Licht und abwechslungsreich, Laubwald mit Unterholz und einem hohen Totholz Anteil. Holzpolter sind ein gerne gewähltes, aber gefährliches Versteck, wenn es im Frühjahr abgeräumt wird.

Wildkatzen sind Einzelgänger mit eigenen Streifgebieten. Als Streifgebiet wird die Fläche bezeichnet, auf der sich eine Wildkatze regelmäßig aufhält. Auf ihr befinden sich eine Reihe von Ruhezonen und beliebte Jagdflächen, die immer wieder aufgesucht werden. Die Streifgebiete der Kater sind mit 20 bis 30 Quadratkilometer mehr als doppelt so groß wie die weiblicher Katzen. Sie nutzen mit sechs bis zehn Quadratkilometer deutlich kleinere Räume.  

 

Fortpflanzung der Wildkatze

In der "Ranz" erkunden Wildkatzenkater auf der Suche nach paarungsbereiten Weibchen neue Gebiete. Dabei kommt es im Januar und Februar zu großen Ausdehnungen ihrer Streifgebiete. Nach erfolgreicher Paarung bringt das Weibchen im Frühjahr meist zwei bis vier Jungen zur Welt, um die sie sich alleine kümmert. Die ersten Wochen der Jungenaufzucht verbringt die Mutterkatze mit ihrem Wurf auf einem kleinen Teil ihres Streifgebietes. Dabei suchen die Mutterkatzen immer wieder Totholzstrukturen am Boden auf, um ihren Nachwuchs sicher zu verwahren. Im Juni und Juli begleiten die Jungen ihre Mutter immer häufiger über weite Strecken. Bereits im August sind die Jungen auch häufig allein unterwegs. Im Spätsommer lernen sie, selbstständig zu jagen. Im Herbst hat die Mutter dann nur noch selten Kontakt zu ihren Jungen.

Die Wildkatze ist eine der seltensten einheimischen Säugetierarten und ist durch wichtige internationale Abkommen, wie dem Washingtoner Artenschutzabkommen, der Berner Konvention und der europäischen Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH-RL, Richtlinie 92/43/EWG) streng geschützt. In der Roten Liste der gefährdeten Wirbeltiere in Deutschland wird die Wildkatze als stark gefährdet, in Baden-Württemberg als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft.

Steckbrief: Wildkatze oder Hauskatze?

Ein Steckbrief mit den Unterschieden zwischen einer Wildkatze und einer Hauskatze. Ein Steckbrief mit den Unterschieden zwischen einer Wildkatze und einer Hauskatze.  (Angela Koch / BUND BW)

Mit Klick auf den Steckbrief erhalten Sie eine vergrößerte Ansicht als PDF mit dem Vergleich zwischen einer Europäischen Wildkatze und einer Hauskatze.

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Ansprechpartnerin Wildkatze und Wald

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Andrea Lehning

Referentin für Wildkatzenschutz und Wald
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