Landesweite Apfelfeste

16. September 2022 | Flächenschutz (BW), Landwirtschaft, Lebensräume, Naturoasen schützen (BW), Naturschutz, Naturschutzpolitik (BW), Streuobst (BW)

Vom 24. September bis zum 9. Oktober laden der BUND Baden-Württemberg und seine Gruppen vor Ort zum Apfelsaftpressen ein und veranstalten Spiele für Familien.

Äpfel auf einem Wagen auf einer Streuobstwiese Mehr als 50 BUND-Gruppen setzen sich in Baden-Württemberg für den Schutz und die naturgerechte Pflege von Streuobstwiesen ein.  (Ulfried Miller / BUND BW)

Stuttgart. Es wird Herbst. Die Blätter werden bunt und die Äpfel reif. Auf den Streuobstwiesen ist Erntezeit. In ganz Baden-Württemberg treffen sich vom 24. September bis zum 9. Oktober BUND-Gruppen, um auf den Streuobstwiesen Äpfel zu sammeln und Apfelsaft zu pressen. Mit den Streuobsttagen sensibilisiert der BUND für den besonderen Wert von Streuobstwiesen für Mensch und Natur. Die Landesregierung hat zwar gute Maßnahmen zum Schutz dieser besonderen Kulturlandschaft initiiert, doch hapert es noch an der konsequenten Umsetzung.

Streuobstwiesen sind Hotspots der Artenvielfalt. 5.000 verschiedene Tier- und Pflanzenarten leben in diesem einzigartigen Lebensraum. Für uns Menschen liefern sie mehr als 1.000 Obstsorten und leckere Säfte. „Streuobstwiesen sind eine wertvolle artenreiche Kulturlandschaft – und sie liefern uns gesunde, regionale Früchte. Deshalb setzt sich der BUND Baden-Württemberg schon seit Jahrzehnten für ihren Erhalt ein“, erklärt Sylvia Pilarsky-Grosch, BUND-Landesvorsitzende. „Doch der Lebensraum Streuobstwiese ist bedroht. In den vergangenen Jahrzehnten sind sehr viele Streuobstwiesen durch Wohnbebauung, Gewerbegebiete und intensiv genutzte Wiesen zerstört worden.“

Förderprogramme des Landes sind ungenügend

Ein weiteres großes Problem: Viele Streuobstwiesen verfallen schlichtweg. Die Pflege erfordert einen sehr hohen Arbeitsaufwand. Die Streuobstbäume werden in Folge nicht mehr beschnitten, das Obst nicht mehr geerntet und die Wiesen nicht mehr gemäht oder beweidet. „Viele Streuobstwiesen bestehen nur wegen des immensen idealistischen Einsatzes vieler Landwirt*innen und Streuobstbesitzer*innen fort“, so Pilarsky-Grosch. „Zwar hat die Landesregierung mit ihrer Baumschnittförderung und der Agrarförderung FAKT einen Anfang gemacht. Doch über das Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) müssen künftig nicht nur 2,50 Euro, sondern 10 Euro pro Baum pro Jahr zur Verfügung stehen.“

Beim Schutz von Streuobstwiesen wurde mit dem Biodiversitätsstärkungsgesetz ein wichtiges Etappenziel erreicht, doch es hapert noch an der konsequenten Durchsetzung: „Das seit 2020 geltende Verbot, Streuobstwiesen umzuwandeln oder abzuholzen ist ein wichtiger Schritt, doch muss diese Gesetzesänderung auch von den Kommunen und Landkreisen ernst genommen werden. Die Naturschutzbehörden erteilen viel zu oft Umwandlungsgenehmigungen“, kritisiert die BUND-Landeschefin.

50 BUND-Gruppen sichern in Baden-Württemberg den Erhalt von Streuobstwiesen

Auch mehr als 50 BUND-Gruppen setzen sich in Baden-Württemberg für den Schutz und die naturgerechte Pflege von Streuobstwiesen ein. Die BUND-Ehrenamtlichen schneiden Obstbäume, pflanzen junge Bäume nach und kümmern sich um Mahd oder Beweidung. „Auch den vielen BUND-Gruppen ist es zu verdanken, dass es noch etliche gut erhaltene Streuobstwiesen gibt“, betont Almut Sattelberger, Streuobst-Beauftragte des BUND Baden-Württemberg.

Apfelfeste für die ganze Familie

Die Streuobstfeste finden vom 24. September bis 9. Oktober 2022 an verschiedenen Orten statt. Meist sind es Apfelfeste für alle Bürger*innen und besonders für Familien. Mit handbetriebenen Obstpressen gewinnen die Teilnehmer*innen Apfelsaft, bestimmen und probieren Obstsorten. Die BUND-Gruppen informieren über die ökologische Bedeutung der Streuobstwiesen und bieten teilweise auch Essen und Trinken an.

Quick-Facts: 

  • Jahrhunderte alte Tradition: seit dem 15. Jahrhundert gibt es Streuobstwiesen in Baden-Württemberg.
  • Man begann damals, Obstbäume über die Landschaften zu verstreuen. Daher kommt der Name: Streuobst.
  • Mit circa 90.000 Hektar steht in Baden-Württemberg die größte Streuobstlandschaft Mitteleuropas.
  • 7,1 Millionen Streuobstbäume gibt es heute in Baden-Württemberg (Stand 2020).
  • Seit dem 19 Jahrhundert sind drei Viertel der Streuobstwiesen verloren gegangen. Seit 1965 wurde die Zahl mehr als halbiert.
  • Jeder zweite deutsche Streuobst-Apfel kommt aus Baden-Württemberg.
  • 5.000 Tiere und Pflanzenarten leben auf Streuobstwiesen
  • Tausende Apfel-, Birnen-, Zwetschgen, Walnuss- und Kirschsorten wachsen auf den baden-württembergischen Streuobstwiesen.

Weitere Informationen:

Über den BUND:

In Baden-Württemberg engagiert sich der BUND seit mehr als 55 Jahren für den Erhalt einer lebenswerten Zukunft, für Natur, reine Luft, sauberes Wasser und gesunde Lebensmittel. Der BUND in Baden-Württemberg ist ein demokratischer Mitgliederverband. Über 95.000 Unterstützer*innen ermöglichen das. Die Arbeit seiner über 5.000 ehrenamtlich aktiven Mitglieder ist Herz und Hand des Verbands. Aktuelle Themenschwerpunkte des BUND sind Klimaschutz, Insektenschutz, Biotopvernetzung und Nachhaltigkeit.

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