BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Fotowettbewerb: Fotos für die Artenvielfalt

22. Mai 2022 | Artenschutz (BW), Flüsse & Gewässer, Lebensräume, Naturoasen schützen (BW), Naturschutz, Schmetterlinge, Schmetterlingsland (BW), Streuobst (BW), Umweltbildung (BW), Wälder, Wildbienen, Wildkatze, Biotopverbund (BW), Flächenschutz (BW), Flächenverbrauch (BW), Flüsse und Gewässer (BW), Landtagswahl (BW), Landwirtschaft, Naturschutzpolitik (BW)

Über 800 Fotos wurden beim Fotowettbewerb "reiches Baden-Württemberg" des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e.V. eingereicht. Gewonnen hat Tobias Gärtner mit einem Eisvogel-Foto.

Der Fotograf Tobias Gärtner hat für das Foto des seltenen Eisvogels lange in der Kälte an einem Gewässer in Ellwangen ausgeharrt.

Tobias Gärtner aus Jagstzell (Ostalbkreis) hat viele Stunden in der Kälte ausgeharrt, um den Eisvogel und seine Spiegelung im Wasser abzulichten. Mit diesem Foto hat er den ersten Platz beim Fotowettbewerb reiches Baden-Württemberg des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e.V. gewonnen. Auf einem kleinen See auf dem Killesberg in Stuttgart ist das zweitplatzierte Bild entstanden. Günter Hoerner aus Esslingen hat eine Blaupfeil-Libelle fotografiert. Der dritte Platz geht an Dieter Kassner aus Tübingen. Sein Foto zeigt eine farbenprächtige Smaragdeidechse. Der Sonderpreis für die Artenvielfalt geht an Winfried Klink-Hiltwein aus Tübingen für seinen Biber. Zum Internationalen Tag der Artenvielfalt am 22. Mai präsentiert der BUND Baden-Württemberg die Top 10. Insgesamt wurden 840 Naturfotos aus Baden-Württemberg eingereicht.

„Dem Gewinner ist eine Aufnahme voller Spannung und gleichzeitig Harmonie gelungen“, bewertet Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e.V. das Foto des seltenen Eisvogels. „Nur fünfhundert bis achthundert Brutpaare leben in Baden-Württemberg. Er steht somit auf der Vorwarnliste. Wo es Eisvögel gibt, ist ihr Lebensraum noch oder wieder in einem guten Zustand. Für seinen Schutz müssen wir naturnahe Bach- und Flussläufe erhalten und verbaute Fließgewässer renaturieren. Besonders wichtig sind Uferabbrüche, die dem Eisvogel als Brutwände dienen.“
Die Spiegelung des Vogels auf dem Wasser ist nahezu perfekt und sorgt für Harmonie. Das leuchtend blaue Gefieder sorgt dagegen für den Kontrast zum grauen Hintergrund. Durch diesen Kontrast entsteht eine faszinierende Spannung im Bild. Die Bildperspektive führt den Blick des*der Betrachter*in knapp über die Wasseroberfläche. So schaut der*die Betrachter*in in dieselbe Richtung wie der Eisvogel. Was der Vogel wohl wahrnehmen mag? 

Platz 1 Eisvogel (Alcedo atthis)

Der Fotograf Tobias Gärtner hat für das Foto lange in der Kälte an einem Gewässer in Ellwangen ausgeharrt. „Es war der Morgen des 13. Februar 2022. Ich wartete bereits seit ein paar Stunden im Tarnzelt, dass sich der Eisvogel zeigt und seinen gewohnten Platz auf einem regelmäßigen Ansitzast einnimmt. Er ließ sich schließlich auf einer kleinen Mauer nieder. Diese Gelegenheit nutzte ich dann, um ihn mit seinem Spiegelbild einzufangen. Die vielen (kalten) Stunden des Wartens wurden damit schlussendlich doch noch belohnt.“

Fotowettbewerb zum Schutz der Artenvielfalt

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e.V. hat den Fotowettbewerb 2018 ins Leben gerufen, um auf die Bedeutung der Artenvielfalt aufmerksam zu machen. Denn jedes Jahr verschwinden viele Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich. Schaut man sich die Inventur der bedrohten Arten an, wird die alarmierende Situation deutlich. Jede dritte der Tier- und Pflanzenarten in Baden-Württemberg ist gefährdet. Am stärksten betroffen sind die Tagfalter. 80 Prozent sind bedroht, viele davon gar vom Aussterben. Bei den Säugetieren sind es 70 Prozent. Und auch weltweit ist die Situation alarmierend. Der Weltbiodiversitätsbericht der Vereinten Nationen hat 2019 vorgeführt, dass in den kommenden Jahrzehnten eine Million Tier- und Pflanzenarten für immer verschwinden könnten.

840 zeigen den Reichtum Baden-Württembergs

„Baden-Württemberg ist ein reiches Land. Reich an Lebensräumen. Reich an Tier- und Pflanzenarten. Reich an Naturwunder. Über 800 Fotos wurden eingereicht. Sie spiegeln genau diesen Reichtum wider. In ihrer Gesamtheit bilden die Fotos ein Kaleidoskop der baden-württembergischen Naturschönheiten“, sagt Angela Koch, Organisatorin des Wettbewerbs und Referentin für Presse und Öffentlichkeitsarbeit beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e.V. „Es ist jedes Mal schön zu sehen, dass so viele Menschen für unseren Wettbewerb rausgegangen sind, um die Natur vor ihrer Haustüre zu beobachten, zu fotografieren und ihr Foto mit uns zu teilen. In ihren Texten über die Entstehungsgeschichte des Bildes spürt man die Begeisterung für die Fotografie und die Liebe zur Natur.“

Auf Entdeckungstour: Platz 2 bis 4

Dass es sich lohnt, auf Entdeckungsreise in die Natur zu gehen, zeigen auch die Plätze 2 bis 4:

Platz 2 Großer Blaupfeil (Orthetrum cancellatum)

Auf dem zweiten Platz ist ein farbenfrohes Foto gelandet. Günter Hoerners Aufnahme zeigt einen Großen Blaupfeil, der eine Schwebfliege verspeist. Der Fotograf schreibt über sein Bild: „Libellen sind meine Lieblingsmotive. Es braucht viel Geduld und Erfahrung für eine gute Aufnahme. Es hat bestimmt eine Stunde gedauert, bis der Blaupfeil auf dem Killesberg in Stuttgart die Schwebfliege gefangen hatte. Da Libellen meistens einen Lieblingsansitz haben, kehren sie mit der Beute darauf zurück. Dort stand ich bereit, alles war eingestellt und die vespernde Libelle hielt auch so lange still, bis alles im Kasten war. Das klappt natürlich nicht immer so gut. Von allen meinen Libellen-Fotos ist dieses wohl das Beste!“

Platz 3 Westliche Smaragdeidechse (Lacerta bilineata)

Der dritte Platz geht nach Tübingen an Dieter Kassner. Kassner ist einer Smaragdeidechse sehr nahegekommen, vielleicht zu nahe. Denn sie begegnet dem Fotografen mit einer Drohgebärde. Die Perspektive, die satten Farben und ausgezeichnete Schärfe belohnte die Wettbewerbsjury mit einem dritten Platz. Der Fotograf über sein Bild „Die Aufnahme entstand an einem späten Juni-Nachmittag an einem Feldrand unterhalb der Wurmlinger Kapelle bei Tübingen. Nach langem Warten gelang mir dieser Schnappschuss der Smaragdeidechse mit weit aufgerissenem Maul.“ Die Westliche Smaragdeidechse ist in Baden-Württemberg vom Aussterben bedroht. Ihr machen Pestizideinsatz und Düngung im konventionellen Weinbau, Verlust und Zerstückelung ihres Lebensraums besonders zu schaffen.

Platz 4 Kleines Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia)

Wiltrud Schwantz aus Pfullingen bei Reutlingen ist ein besonders harmonisches und gleichzeitig ungemein scharfes Foto gelungen. Es zeigt das Männchen eines Kleinen Nachtpfauenauges. Die Flugzeit der Falter ist von April bis Mai. Dass sich Männchen und Weibchen begegnen, ist gar nicht so einfach. Denn die Männchen sind tagsüber und die Weibchen nachts unterwegs. Damit sie zur Paarung zueinanderfinden, gibt das Weibchen einen Sexuallockstoff ab, den das Männchen kilometerweit riechen kann. Im Gegensatz zu den Männchen sind die Weibchen unscheinbar grau gefärbt. Die Fotografin über ihre Aufnahme: „Es lohnt sich bereits im zeitigen Frühjahr nach Schmetterlingen Ausschau zu halten. Ganz besonders habe ich mich gefreut, bei einem Spaziergang ein Männchen des Kleinen Nachtpfauenauges am Weidenkätzchen zu entdecken.“

Sonderpreis für die Artenvielfalt: Europäischer Biber (Castor fiber)

Nachdem in Ostwürttemberg 1846 der wohl letzte Biber in Baden-Württemberg geschossen wurde, kehrte er seit Beginn des neuen Jahrtausends schrittweise wieder zurück. Der Nager ist sehr nützlich und ein wahrer Landschaftsgestalter. Er renaturiert Bäche, Flüsse, Weiher und Seen und hilft so beim Hochwasserschutz, dem Klimaschutz und der biologischen Vielfalt. Der Biber lässt vielfältige Lebensräume entstehen, wovon viele zum Teil sehr seltene Tierarten profitieren und die Artenvielfalt ansteigt. Obwohl es in Baden-Württemberg mittlerweile wieder rund 7.500 Biber gibt, bekommt man das scheue Tier nur sehr selten zu Gesicht. Und daher war auch der Fotograf Winfried Klink-Hiltwein über sein Foto überrascht. „Ich war mit dem Kajak morgens auf dem Neckar in Tübingen zwischen Freibad und Campingplatz unterwegs. Einen Eisvogel wollte ich eigentlich fotografieren, aber ganz unerwartet traf ich auf einen Biber.“ Durch die tiefe Perspektive aus dem Kajak bekommt der*die Betrachter*in einen direkten Bezug zur Lebenswelt des Bibers.

Eine siebenköpfige Jury aus Mitarbeiter*innen und Mitgliedern des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e.V.  hat die Gewinner-Bilder ausgewählt. 

 

Weitere Informationen


Kontakt für Rückfragen: 

  • Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e. V, sylvia.pilarsky-grosch(at)bund.net 
  • Angela Koch, Referentin für Öffentlichkeits- und Pressearbeit des BUND Baden-Württemberg, 0176/240 43107, angela.koch(at)bund.net
     

Die Top 10-Bilder aus dem Fotowettbewerb

(für mehr Infos bitte auf die Fotos klicken)

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