Biber sind hervorragende Landschaftsgestalter und Ökosystem-Ingenieure, die Bäche, Flüsse, Weiher und Seen renaturieren.
(enskanto
/
fotolia.com)
Seit Beginn des neuen Jahrtausends kehrt der Biber schrittweise nach Baden-Württemberg zurück. Nachdem 1846 der wohl letzte Biber im Land in Ostwürttemberg geschossen wurde, kommt er mittlerweile in Baden-Württemberg fast flächendeckend wieder vor. Da es bisher aber keine wissenschaftlich fundierte und standardisierte Erfassung in Form eines Monitorings der Tierart im Land gibt, kann man die Anzahl der Tiere nur schätzen. Je nach Quelle ging man Anfang 2026 von einer Zahl zwischen 12.000 und 13.500 Tieren aus. Die Nager breiteten sich von Bayern kommend entlang der Donau und ihren Nebenflüssen zwischen Sigmaringen und Ulm sowie aus der Schweiz und Frankreich kommend vom Hochrhein und seinen Nebenflüssen aus. Da es in Baden-Württemberg noch freie, potenziell geeignete Lebensräume für Biber gibt, wird die Zahl der Tiere weiter steigen. Sind alle Reviere besetzt, bleibt die Anzahl auf einem gleichen Niveau; es kann also nicht zu einer „Überpopulation“ kommen. Denn Biber sind territorial und verteidigen ihre Reviere vehement gegenüber Artgenossen. Jungbiber müssen auf der Suche nach einem eigenen Revier zwangsläufig abwandern.
Ein Landschaftsgestalter mit Biss
Biber sind hervorragende Landschaftsgestalter und Ökosystem-Ingenieure, die Bäche, Flüsse, Weiher und Seen renaturieren. Biber bauen Dämme, um Wasser zu stauen und es bilden sich Biberteiche – also stille Bereiche inmitten eines Fließgewässers, wo neues Leben geschützt entstehen kann. Biber fällen Bäume, wobei Lichtungen entstehen und mehr Licht zum Waldboden dringt. Dadurch nehmen Blütenpflanzen, Gräser und Kräuter zu. Der Biber lässt vielfältige Lebensräume entstehen, wovon zum Teil sehr seltene Tierarten profitieren, und die Artenvielfalt ansteigt. Dadurch sind Biber wichtige Verbündete, im Kampf gegen die Klimakrise und das Artensterben. Lässt man ihnen Raum zum Leben, helfen Biber uns, gesetzliche Ziele wie die europäische Wiederherstellungsverordnung der Natur oder die Wasserrahmenrichtlinie umzusetzen – und das sogar kostenlos!
Der BUND als Konflikt-Manager
Der BUND Baden-Württemberg berät die Landesverwaltung in Sachen Biber-Management, seit die ersten Biber wieder zurück sind. Vorrangiges Thema ist die Entschärfung von Konflikten, die durch die Veränderung von Gewässer- und Ufer-Landschaft entstehen. Meistens handelt es sich um kleinere Schäden, wie kleinflächiger Verbiss von Gehölzen oder Baumfällungen. Wenn der Biber jedoch die Funktion von Fischteichen, Kläranlagen oder Wasserkraftwerken beeinträchtigt oder Schäden an gewässernahen Gebäuden verursacht, reichen Beratungen nicht aus.
In den letzten Jahren hat die Landesregierung ein landesweites Biber-Management mit Biberbeauftragten bei den Regierungspräsidien und Biberberater*innen auf Landkreisebene aufgebaut. Die Biberberater*innen beim Landratsamt sind die erste Adresse bei Problemen mit dem Biber und vermitteln teilweise auch Material für Baum- und Feldschutz.
Seit Januar 2026 gibt es in Baden-Württemberg eine Biber-Verordnung. Diese soll in Konfliktfällen das Töten von Bibern vereinfachen. Der BUND Baden-Württemberg kritisiert diese Verordnung als absolut unnötig und unklar. Sie gefährdet und erschwert das bisher gut funktionierende Bibermanagement.
Der BUND Baden-Württemberg hat bereits 2011 ein Positionspapier zum Biber verabschiedet. Dieses Positionspapier wurde 2023 aktualisiert und betont die Einhaltung des gesetzlich vorgeschriebenen Wasserrandstreifens als bestes Mittel, um Konflikten mit dem Biber vorzubeugen.


