BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Biotopverbund: Mit Schaufeln 125 Meter für den Artenschutz gepflanzt

20. November 2021 | Artenschutz (BW), Biotopverbund (BW), Flächenschutz (BW), Flächenverbrauch (BW), Landwirtschaft, Naturschutz, Naturschutzpolitik (BW), Wildkatze, Verkehr (BW)

BUND und Gemeinde erweitern Wildkatzen-Korridor in Freudenstadt.

Ohne verbundeme Lebensräume können Wildtiere wie die Wildkatze nicht überleben.  (Thomas Stephan)

Der BUND Baden-Württemberg hat heute (20.11.2021) mit seinen Ehrenamtlichen, dem Landratsamt Ludwigsburg und der Stadt Freudental den ersten Trittstein für den Wildkatzen-Korridor in Freudenstadt gelegt. Durch die Pflanzung wird der Wildkatzen-Korridor zwischen dem Naturraum Stromberg-Heuchelberg und dem Schwäbisch-Fränkischen Wald um ein wichtiges Verbindungsstück erweitert. Über den grünen Korridor können Wildkatzen und andere Wildtiere zwischen Wäldern umherwandern und neue Lebensräume erobern. Im Kreis Ludwigsburg entsteht nach Herrenberg der zweite BUND-Wildkatzenkorridor in Baden-Württemberg.
 
Heute (20.11.21) haben Sylvia Pilarsky-Grosch, Vorsitzende des BUND Baden-Württemberg, Christian Sußner, Dezernent im Landkreis Ludwigsburg, Alexander Fleig, Bürgermeister der Gemeinde Freudental, und Ehrenamtliche des BUND den Wildkatzenkorridor durch naturnahe Bepflanzungen von Hecken und Sträuchern um einen fünf Meter breiten Trittstein erweitert. Trittsteine bieten Wildkatzen und anderen Tierarten – wie Vögeln, Rehen oder Laufkäfern – eine Verbindung zwischen ihren vorhandenen Lebensräumen.

„Flächenversiegelung, Zerschneidung der Wälder durch Straßen, sich ausdehnende Wohn- und Gewerbegebiete und Äcker sind ernste Gefahren für die Wildkatzen“, weiß Sylvia Pilarsky-Grosch. „Wildtiere wie die Wildkatzen können nur dann dauerhaft überleben, wenn sich die Tier-Populationen untereinander austauschen und die Tiere in andere Lebensräume ausweichen können. Dafür benötigen wir gut vernetzte Lebensräume. Die Gehölze, die wir heute gemeinsam gepflanzt haben, bieten scheuen Wildkatzen Verstecke und Schutz.“

Vernetzung der Wälder: Überlebenschance für Wildkatzen

Der grüne Trittstein in Freudental liegt am westlichen Rand des Wildkatzen-Korridors und schafft eine Verbindung zum Stromberg. Der Naturpark ist schon seit vielen Jahren als Wildkatzen-Standort bekannt. Die BUND-Aktiven haben heute aus rund 50 Bäumen, Büschen und Sträuchern einen fünf Meter breiten und 125 Meter langen Gehölzstreifen naturnah bepflanzt. „Damit der Lückenschluss zwischen den Naturparken gelingt, müssen noch elf weitere Kommunen im Landkreis Ludwigsburg mit ins Boot geholt werden“, so Pilarsky-Grosch.

Neben Freudental konnte der BUND bereits Bietigheim als kooperierende Gemeinde gewinnen. Bürgermeister Alexander Fleig unterstützt das BUND-Projekt: „Wir als Gemeinde Freudental und unser Arbeitskreis Energie und Nachhaltigkeit freuen uns, das BUND-Projekt Wildkatzen-Korridor zu unterstützen. Dies hat der Gemeinderat mit seinem Beschluss gezeigt und die Mitglieder des Arbeitskreises zeigen es heute mit der Unterstützung der Pflanzaktion.“ Bei der Pflanzung in Freudental handelt es sich um eine Ausgleichsmaßnahme für eine Erdauffüllung eines Weinberges. Die Gemeinde Freudental und der BUND Ludwigsburg hatten die Anbindung des Wildkatzen-Korridors am Rand des Weinberges als Ausgleich für die Bodenverbesserungs-Maßnahme durchgesetzt.   

Gefahr im Straßenverkehr gemindert

Gerade im stark zerklüfteten Automobilland Baden-Württemberg sind Straßen und der Verkehr eine besondere Gefahr für Wildtiere. Durch den Korridor in Freudental gelingt es, die Gefahr bei der Querung der Landstraße L1106 zu entschärfen. Das Straßenbaumamt des Landkreises hat sich bei der Pflanzung beteiligt und einen fünf Meter breiten Streifen entlang der Landstraße übernommen. So können die Tiere an dieser Stelle in Deckung bis an die Straße herankommen; auf der anderen Straßenseite finden sie direkt mit dem Wald Großholz ihren natürlichen Lebensraum vor.

BUND-Aktive

Seit sechs Jahren engagieren sich die BUND-Aktiven aus dem Landkreis Ludwigsburg mit Ausstellungen, Monitoring und Öffentlichkeitsarbeit für die Wildkatze: „Dass wir diese erste Pflanzung vornehmen konnten, ist vor allem der Verdienst unserer engagierten BUND-Aktiven aus dem Arbeitskreis Wildkatze in Ludwigsburg, die von Beginn an immer bereitstehen, um den Korridor voranzubringen. Sie veranstalten Ausstellungen zur Wildkatze, beteiligen sich am Monitoring und nehmen an Planungs- und Koordinations-Treffen teil. Nur durch diese tatkräftige Mitarbeit konnte der Wildkatzenkorridor geplant und heute auch umgesetzt werden“, so Andrea Lehning, Wildkatzen-Expertin beim BUND Baden-Württemberg.

Weitere Informationen:

BUND-Projekt Rettungsnetz Wildkatze beim BUND Baden-Württemberg: Mit seinem Projekt Rettungsnetz Wildkatze errichtet der BUND seit 2007 bundesweit mit vielen Ehrenamtlichen grüne Korridore aus Sträuchern und Bäumen zwischen den Wäldern. So entstehen Wege, die es der Wildkatze und vielen anderen Wildtieren ermöglichen, von A nach B zu wandern und in der offenen Landschaft Deckung zu finden. Barrieren wie Straßen müssen mit Querungshilfen (beispielsweise Grünbrücken) überwindbar gemacht werden, sodass Wildkatzen und andere Wildtiere dort nicht mehr zu Tode kommen.

Im Juni 2016 wurde der erste BUND-Wildkatzenkorridor in Baden-Württemberg zwischen Herrenberg und Nufringen eingeweiht. Der Startschuss zur Errichtung des zweiten Korridors in unserem Bundesland folgte im März 2018 im Landkreis Ludwigsburg. Dabei arbeitet der BUND mit der Forstverwaltung und dem Landschaftserhaltungsverband im Kreis Ludwigsburg zusammen. Das BUND-Ziel in Baden-Württemberg ist es, dass die Wildkatzen wieder sicher aus dem Nordschwarzwald über den Stromberg bis zu den Schwäbisch-Fränkischen Waldbergen wandern können.


Kontakt für Rückfragen

  • Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e.V., sylvia.pilarsky-grosch(at)bund.net, 0172 – 83 44 294
  • Andrea Lehning, Wildkatzen-Expertin beim BUND Baden-Württemberg, andrea.lehning(at)bund.net, 07144 – 88 49 53 (Ansprechpartnerin am 20.11.21)
  • Stefan Flaig, Vorsitzender im Kreisverband BUND Ludwigsburg, 0711 – 255 19 656 (Ansprechpartner ab 22.11.21)

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