Raum für Träume: Mehr Raum für Menschen statt für Autos

Weniger Lärm, bessere Luft, grünere Wohnviertel und sicherere Straßen: Eine menschen- und umweltgerechte Stadt ist keine Utopie, sondern möglich. Voraussetzung: Politiker*innen werden endlich aktiv und finden den Mut, Autoprivilegien einzuschränken. Konkrete Vorschläge, wie die Verkehrswende gelingen kann, finden Sie hier. (Foto: Manuel Fiebrich/BUND BW)

Autofahren ist bequem – auch weil es in der Verkehrsplanung lange bevorzugt wurde. Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn diese Privilegien gestrichen würden: Es gäbe zwar schmalere Straßen, mehr Tempo 30 und weniger Parkplätze – dafür aber grünere Wohnviertel, mehr Raum fürs Radfahren, Verweilen und Spielen, weniger Lärm und sicherere Straßen für alle und der CO2-Ausstoß wäre geringer. Laufen, Bahn- und Fahrradfahren wären auf einmal die bequemere Alternative.

Straßenbahn des ÖPNV Stuttgart  (Julia Ellerbrock / BUND BW)

Privilegien aufgeben für eine lebenswerte Zukunft

Dabei geht es nicht nur um eine lebenswertere Stadt mit mehr Platz, weniger Lärm und besserer Luft, sondern ums Überleben. Der Straßenverkehr trägt ungebremst zur Klimakrise bei. Seine CO2-Emissionen sind seit 1990 sogar gestiegen. Dabei drängt die Zeit. Das 1,5°-Ziel von Paris ist nur erreichbar, wenn wir den Straßenverkehr reduzieren. Dabei reicht es nicht aus, Bahnen und Busse auszubauen und die Mobilität zu Fuß oder per Rad zu fördern. Selbst bei einem guten ÖPNV-Angebot steigen immer noch zu wenige Menschen um. Autofahren ist einfach zu bequem. Um in der Verkehrswende voranzukommen, müssen Politiker*innen sich endlich trauen, das Autofahren unattraktiver zu machen.

 (Hannes Rockenbauch / BUND BW)

Push-Maßnahmen: So kann die Verkehrswende gelingen

Der BUND hat 70 konkrete Vorschläge in seinem Katalog „Push-Maßnahmen zur Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs“ zusammengetragen. Manche davon lassen sich leichter umsetzen, bei manchen bedarf es mehr Aufwand. Die Vielzahl an möglichen Maßnahmen zeigt, dass die dringend notwendige Reduzierung des Autoverkehrs keine Geheimwissenschaft ist. Die Maßnahmen liegen buchstäblich auf der Straße. Ausgewählte Maßnahmen sehen Sie hier:

Lebendige Ortsmitten schaffen
Attraktive öffentliche Räume sind für die Menschen wichtig. Straßen, Plätze und Parks ermöglichen Begegnung und Austausch für alle. Ortsmitten aufzuwerten und dafür das Auto zurückzudrängen, bedeutet für alle mehr Lebensqualität.

Straßen anders denken Bisher wurden Straßen vor allem aus Autofahrer*innensicht geplant. Das muss sich ändern. Zunächst sollte ausreichend Platz für Fußgänger*innen und für Radwege vorgesehen werden. Auf dem restlichen Straßenraum verkehren dann die Autos und der – ebenfalls bevorrechtigte – öffentliche Verkehr.

Entschleunigung: Tempo 30 innerorts Gegen Lärmbelastungen und für mehr Sicherheit hilft ein langsamerer Autoverkehr. Tempo 30 innerorts und verkehrsberuhigte Bereiche bremsen den Verkehr und machen ihn gleichzeitig flüssiger und sicherer. Übrigens: Mehr als 500 Kommunen in Deutschland fordern in der Initiative „Lebenswerte Städte durch angepasste Geschwindigkeiten“ mehr Entscheidungsfreiheit bei der Anordnung von Tempolimits.
Und: Elektrofahrzeuge sind vor allem bei geringer Geschwindigkeit deutlich leiser als Verbrenner. Fahren sie schneller, wir der Unterschied schnell geringer und ist irgendwann gar nicht mehr hörbar.

Parkraum reduzieren und bewirtschaften Manchmal ist die Lösung einfach: Ohne Parkplätze weniger Autos. Öffentliche Parkplätze sollten deshalb so weit wie möglich Fahrrädern, Taxis oder Car-Sharing-Diensten vorbehalten sein. Wo es sie dann noch gibt, sollten sie sich aufs Kurzzeitparken mit hohen Gebühren beschränken. Auch das Bewohnerparken sollte konsequent neu geregelt werden – das haben die Kommunen selbst in der Hand!

Menschen- und umweltgerechte Stadt: Es lohnt sich

Manche Maßnahmen wirken ungewöhnlich. So ungewöhnlich wie der autofreie Marktplatz in den 1970er-Jahren, der heute akzeptierte Normalität ist. Menschen brauchen positive Beispiele. Eine menschen- und umweltgerechte Stadt ist keine Utopie, sondern in vielen Städten Europas schon Realität. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass es auch in Deutschland funktioniert: in Freiburg haben beispielsweise die gezielte Förderung des ÖPNV und Radverkehrs und Einschränkungen im Autoverkehr gewirkt. Der Autoverkehr ging von 39 Prozent im Jahr 1982 auf 21 Prozent im Jahr 2016 zurück.

Wir zeigen, dass die Verkehrswende machbar ist. Entscheidend ist dabei, alle Beteiligten von Anfang an einzubeziehen. Eine nachhaltige Mobilitätskultur hilft nicht nur Umwelt und Klima, sondern verbessert die Lebensqualität von Menschen. Der BUND will mit seinem Katalog der Push-Maßnahmen Mut machen für die Mobilitätswende und zum Nachahmen einladen.


Die Fakten: Verkehr – Sorgenkind des Klimaschutzes im Land

  • Der Straßenverkehr verursacht in Baden-Württemberg 33 Prozent (2020) der gesamten CO2-Emissionen. Hinzu kommt eine Vielzahl an weiteren Umweltschäden wie Lärm, Stickoxide, Feinstaub und Mikroplastik.
  • Der Verkehr ist außerdem der einzige Sektor, dem es seit 1990 nicht gelungen ist, den Treibhausgasausstoß zu senken.
  • Der „Modal-Split“ hat sich trotz Ausbau des ÖPNV seit 1995 kaum verändert. In der Region Stuttgart sank der Anteil des ÖPNV sogar.
  • Um wirksamen Klimaschutz zu erreichen, müssen wir reduzieren. Nach der BUND-Studie „Mobiles Baden-Württemberg“ müssten die gefahrenen Kilometer pro Autofahrer*in von bisher 15.000 auf 4.500 verringert werden, und das selbst mit E-Autos!

„Push“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „schieben“ oder „drücken“. Bei diesen Maßnahmen geht es konkret darum, den Autoverkehr zugunsten von Radverkehr, ÖPNV oder Fußverkehr einzuschränken oder einzuengen.

Modal-Split: Verteilung des Gesamtverkehrs auf die verschiedenen Verkehrsträger. Beispiel Region Stuttgart (Stand 2017): Auto (58%), ÖPNV (12%), Rad (7%) und Fußverkehr (23%)


 (BUND BW)

Ansprechpartner Mobilität und Raumordnung

Bastian Greiner, Referent für Mobilität und Raumordnung

Bastian Greiner

Mobilitätsreferent
E-Mail schreiben Tel.: 0711 620306-30

Ansprechpartner Campaigning Klimapolitik

Hannes Rockenbauch

Hannes Rockenbauch

Campaigning Klimapolitik
E-Mail schreiben Tel.: 0711 620306-20

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 (Fabienne Kosiedowski / BUND BW)

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