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BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Studie: Mobiles Baden-Württemberg

Ein „weiter so“ in der Verkehrspolitik führt direkt in die Sackgasse, verfehlt alle Ziele der Nachhaltigkeit und führt zu steigenden Belastungen von Mensch, Umwelt und Klima

Ein Regionalzug im Bahnhof. Eine zukunftsfähige neue Mobilitätskultur muss Hand in Hand gehen mit dem Klima- und Ressourcen-Schutz.  (Miklas Hahn / BUND BW)

Eine vom BUND initiierte und von der Baden-Württemberg Stiftung herausgegebene wissenschaftliche Studie belegt: Nur eine „Neue Mobilitätskultur“ mit deutlich weniger Autoverkehr kann die Mobilität künftig klimaschonend, gesundheitsverträglich, flächensparend gestalten und soziale Teilhabe für alle ermöglichen.

Wege der Transformation zu einer nachhaltigen Mobilität

Die Mobilitätspolitik steht vor dem Scheideweg. Denn gegenwärtig ist der Verkehrssektor alles andere als nachhaltig. Ob CO₂-Emissionen, Luftschadstoffe, Verkehrslärm oder Flächenverbrauch – überall verfehlt der Verkehr die gesetzlich oder politisch fixierten Umweltqualitätsziele. Beispiel Klimaschutz: Von 1990 bis 2017 stiegen die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen in Baden-Württemberg um 13 Prozent an und verursachen heute fast ein Drittel der klimaschädlichen Schadstofffracht. Das landespolitische Ziel, die verkehrsbedingten CO₂-Emissionen bis 2030 um 40 Prozent zu reduzieren, wird unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen krass verfehlt.
Der BUND wollte daher wissen, wie es gerade im Autoland Baden-Württemberg gelingen kann, die von EU, Bundes- und Landesregierung bis 2050 gesetzten Ziele einzuhalten und dabei einen Spagat zu bewältigen: Zum einen gilt es, den Natur- und Ressourcenverbrauch zu begrenzen, den Klimawandel abzubremsen, weniger Flächen zu beanspruchen und die Gesundheit der Menschen nicht zu schädigen. Zum anderen heißt es aber auch, den Erhalt von Unternehmen und Arbeitsplätzen mit einer aktiven Gestaltung des Strukturwandels zu sichern.

Wie sieht nachhaltige Mobilität aus?

Auf Vorschlag des BUND gab die Baden-Württemberg Stiftung die Studie, an der auch Stakeholder und ein hochkarätig besetzter wissenschaftlicher Projektbeirat beteiligt waren, bei einem vom Öko-Institut Freiburg angeführten Konsortium verschiedener Wissenschafts-Institute in Auftrag. Sie entwirft drei Zukunftsszenarien zur Mobilität in Baden-Württemberg bis zum Jahr 2050. Auf ein „Trend-Szenario“, also ein „weiter wie bisher“, wurde bewusst verzichtet. Welche ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeitswirkungen die einzelnen Szenarien haben, wertete das Konsortium über modellgestützte Berechnungen und qualitative Analysen aus.

Drei mögliche Szenarien

Szenario I „Neue Individualmobilität“

Der Individualverkehr mit Pkw spielt weiterhin die Hauptrolle. Ergänzend hinzukommen E-Mobilität und automatisiertes Fahren.
 

Szenario II „Neue Dienstleistungen“

Im Vordergrund steht neben der E-Mobilität das Auto-Teilen. Das ergibt insgesamt weniger Fahrzeuge.
 

Szenario IIII „Neue Mobilitätskultur“

Dieses Szenario vollzieht den größten Wandel. Hier dominieren kurze Wege, öffentliche Verkehrsmittel, Rad- und Fußverkehr sowie kollektive Nutzungskonzepte und Verkehrsvermeidung.

Unbequeme Antworten – Kernpunkte einer neuen Mobilitätskultur

Die Studie liefert eindeutige, aber unbequeme Antworten: Im Hinblick auf ökologische und sozial gerechte Nachhaltigkeit reicht sowohl auf kürzere Sicht bis 2030 als auch auf längere Sicht bis 2050 nur das Szenario „Neue Mobilitätskultur“ an die Ziele heran. Bei der „Neuen Individualmobilität“ werden die Ziele am weitesten verfehlt, das Szenario „Neue Dienstleistungen“ schneidet etwas besser ab. Das Fazit auf wesentliche Punkte gebracht:

  1. Eine Mobilität innerhalb der ökologischen und gesundheitlichen Belastungsgrenzen kann nur mit einem deutlichen Rückgang des Pkw-Bestandes und der Pkw-Fahrleistungen gelingen. Auf diese Weise entstehen weniger Treibhausgase, Luftschadstoffe und Lärm, weniger Energie und Fläche werden benötigt.
     
  2. Elektroautos und autonomes Fahren allein sind keine Lösung. Beide müssen eingebettet sein in eine Strategie der Vermeidung und Verlagerung des Autoverkehrs sowie des Downsizing der Fahrzeuge – also kleinere, effizientere und weniger hoch motorisierte Autos.
     
  3. Attraktiver, flächendeckender öffentlicher Verkehr ist die tragende Säule eines nachhaltigen Verkehrssystems. Der ÖPNV wird ergänzt durch private elektrische Pkw, Rad- und Fußverkehr sowie die Vernetzung von Verkehrsmitteln, Car- und Ridesharing. Auf diese Weise ist auch der Zugang zu Mobilität für alle sozialen Gruppen gewährleistet.
     
  4. Ein nachhaltiges Verkehrssystem erfordert eine Neuorientierung der Infrastrukturplanung: Vorrang für den Ausbau des Schienennetzes und des ÖPNV sowie für den Rad- und Fußverkehr, Erhalt und Modernisierung des Straßennetzes, weitgehender Verzicht auf neue Kapazitäten im Straßennetz.

BUND- Handlungsleitfaden: „Mobiles Baden-Württemberg – Wege zu einer nachhaltigen Mobilität“

Die vom BUND initiierte Studie „Mobiles Baden-Württemberg“ hat seit ihrer Veröffentlichung landauf, landab die verkehrspolitische Diskussion bewegt. Eine neue BUND-Broschüre greift nun die Ergebnisse auf, legt den Fokus jedoch auf konkrete Handlungsempfehlungen. Der Verband zeigt, wie die neue Mobilitätskultur vor Ort in den Kommunen aber auch in der Landespolitik mit „Leben gefüllt“ und praktisch umgesetzt werden kann.

In sieben Handlungsfeldern zeigt der BUND Lösungen auf und gibt Hinweise, wo die Leser*innen weiterführende Materialien finden können. Eine Fundgrube für verkehrspolitische Initiativen und angewandten Klimaschutz vor Ort.

Weitere Informationen:

  • Die Kurzfassung der Studie steht hier zum Herunterladen bereit (pdf, 1 MB)
  • Die Langfassung der Studie können Sie hier herunterladen (pdf, 15 MB).
  • Weitere Informationen zur Studie

  

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