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BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Unser Tipp: Der Igel

09. Juli 2018 | Aktiv im Naturschutz, Artenschutz, Naturschutz

Ein lauer Sommerabend im heimischen Garten – Zeit, sich entspannt zurückzulehnen und die Stille zu genießen. Stille? Ein Rascheln im hohen Gras, Schnaufen und Fauchen kündigen Igel auf Freiersfüßen an.

Igel können sehr laut sein und haben schon so manche Gartenbesitzer*in erschreckt.  (utadohl / photocase.de)

Die Männchen des bei uns heimischen "Braunbrustigels" (Erinaceus europaeus) versuchen das Weibchen ihrer Wahl zu überzeugen, indem sie stundenlang um sie herum laufen: das Igelkarussell.

Meist lässt sich die Igelin nicht beeindrucken und stößt den Verehrer mit ihren Stirnstacheln beiseite. Doch gibt sie nach, stellt sich die Frage: Wie paaren sich Igel, ohne sich zu verletzen? Einfacher, als man denken könnte: Das Weibchen legt ihre Stacheln flach an den Körper, während es von hinten bestiegen wird.

Warum sticht sich Mutter Igel nicht bei der Geburt?

Das Männchen sucht sich danach gleich das nächste Weibchen, und das Igelkarussell beginnt von neuem. Nach einer Tragzeit von 30 bis 48 Tagen bringt das Weibchen vier bis fünf blinde und taube Junge zur Welt, die schon etwa 100 Erstlingsstachel besitzen. Wie kann nun die Igelin stachelbewehrte Junge gebären? Dies funktioniert nur deshalb problemlos, weil die Stacheln noch sehr weich und zudem in die aufgequollene Rückenhaut eingebettet sind.

Doch nicht nur die Paarungsgewohnheiten der Igel sind interessant. Oder hätten Sie gewusst, dass die etwa 8.000 Stacheln des Igels modifizierte Haare und innen hohl sind? Und dass jeder einzelne von ihnen einen eigenen Aufrichtemuskel besitzt? Dass sich Igel zu einer gut geschützten stachligen Kugel zusammenrollen können, weiß jedes Kind – aber dass dies in weniger als einer Sekunde passiert? Es gibt Igel, die klettern und andere, die schwimmen können, ihr Gehör reicht bis in den Ultraschallbereich hinein, und ihre bevorzugte Nahrung sind Ohrwürmer. Falsch ist hingegen, dass Igel ihre Nahrung auf den Stacheln transportieren.

Sensibel in Sachen Körperhygiene

Lauttechnisch verfügen Igel über ein ganzes Repertoire, welches sie bei Gefahr zum Besten geben: Puffen, Tuckern, Keckern, Kreischen oder Fauchen. Bei unbekannten Gerüchen oder Stoffen beriecht und bekaut der Igel diesen, wobei ein schaumiger Speichel entsteht, der unter Verrenkungen auf dem eigenen Rücken platziert wird. Es wird vermutet, dass dies dem Säubern der Geschmacks- und Geruchszellen dient. In der Volksmedizin wurden der Igel und sein Stachelkleid vielfältig verwendet, ob für Liebeszauber, Epilepsie, Knochenbrüche oder auch zur allgemeinen Verschönerung. Igelbraten war schon bei den Römern beliebt, und der Igel galt als Glückssymbol bei den Sinti und Roma.

Beobachtungstipp

Die zwei Hauptaktivitätsphasen des Braunbrustigels liegen zwischen 18 und 21 Uhr sowie null bis drei Uhr. Bevorzugt kommen die stacheligen Tiere in lichten Wäldern, Grasland, naturnahen Gärten, Streuobstwiesen oder Parks vor. Ein Rascheln oder leichte Schnauf- und Niesgeräusche, vielleicht noch ein Schmatzen beim Fressen, sind außerhalb der Paarungszeit die einzigen Hinweise auf einen Igel beim Erkundungsgang.

Aktivitätstipp: igelfreundlicher Garten

  • Für einen igelfreundlichen Garten sollte ein Durchgang zu anderen Gärten gewährleistet sein, denn die Tiere durchstreifen große Gebiete.
  • Richten Sie Wasserstellen ein, wie z.B. flache, standfeste Schalen, die die Tiere zum Trinken nutzen können.
  • Mähen Sie nur einen Teil des Rasens, so können die Tiere Regenwürmer im gekürzten Bereich und Insekten an längeren Gräsern finden.
  • Belassen Sie vorhandene Unterschlüpfe, wie Hecken, Komposthaufen oder Steinhaufen, die Igel zum Schutz während des Tages nutzen können.
  • Pflanzen Sie einheimische Stauden und Gehölze, die für einheimische Insekten die Lebensgrundlage bilden.
  • Verzichten Sie auf giftige Schädlingsbekämpfungsmittel, von chemischen "Pflanzenschutzmitteln" bis zu Insektiziden und Schneckenkorn.

Mehr Informationen

Alle Tipps zur Naturbeobachtung stammen von K. Schmiing (Diplombiologin). 

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