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BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Kleine Stacheltiere

02. Mai 2018 | Artenschutz, Aktiv im Naturschutz

Wenn er sich einmal wohl fühlt, bleibt er gern und kommt im nächsten Jahr auch wieder: Der Igel freut sich über Kompost-, Laub- und Reisighaufen. Baby-Igel auch über Katzenfutter.

Die nachtaktiven Tiere verstecken sich tagsüber unter Sträuchern oder in Laubhaufen. In der Dämmerung verlassen sie ihre Nester und machen sich auf Futtersuche.  (BUND RV Hochrhein)

Begegnen Sie in ihrem Garten einem Igel, ist es ein Europäischer bzw. Braunbrustigel. Sein dunkelbraunes Stachelkleid ist unverwechselbar. Droht Gefahr, rollt sich das Tier zusammen und streckt dem Angreifer seine 5.000 bis 7.000 Stacheln entgegen.

Die nachtaktiven Tiere verstecken sich tagsüber unter Sträuchern oder in Laubhaufen. In der Dämmerung verlassen sie ihre Nester und machen sich auf die Suche nach Insekten, Asseln, Würmern und Schnecken. Auch Eier und kleine Wirbeltiere wie beispielsweise junge Mäuse zählen zu ihrer Nahrung.

Der richtige Schlafplatz für den Winter:

Ab Ende Oktober, Mitte November halten Igel Winterschlaf. Alle ihre Körperfunktionen werden während dieser Winterpause zurückgefahren: die Körpertemperatur sinkt auf sechs Grad und das Herz schlägt deutlich langsamer.

Zuvor nehmen die Tiere vermehrt kohlenhydratreiche Nahrung wie Samen, Nüsse, Beeren und Fallobst auf, um sich eine Fettschicht als Kälteschutz und Nahrungsreserve anzufressen. Die Überwinterungsplätze müssen frostfrei sein. In den für die heutige Zeit typischen „sauberen" Gärten ist es oft unmöglich, solche Stellen zu finden.

Helfen können Sie den kleinen Stacheltieren, indem Sie in Ihrem Garten Kompost-, Laub- und Reisighaufen oder Holzstapel anlegen. Zarten jungen Igeln kann man im Herbst durch abendliches Zufüttern mit Katzenfutter helfen, sich schneller die notwendige Fettschicht anzulegen. Um das Futter vor ungebetenen Gästen wie Katzen und Vögeln sowie vor Regen zu schützen, sollte man es in einer flachen Schale unter eine umgestülpte, leicht gekippte Holzkiste stellen. Am Morgen bitte das restliche Futter immer entfernen.

Was ist, wenn ich einem Igel in der kalten Jahreszeit begegne?

Die Aufnahme eines Tieres zur Überwinterung im Haus sollte nur in Ausnahmefällen erfolgen. Die Gefangenschaft löst bei den Wildtieren Stress aus. Die Beschaffenheit eines geeigneten Winterquartiers ist im Haus schwer nachzuahmen. Ist es zu warm, fällt der Igel nicht richtig in den Winterschlaf und verbraucht zu schnell seine Energiereserven. Das Nahrungsangebot ist schwer auf die momentane Stoffwechselsituation abzustimmen.

Auch das Freilassen im Frühjahr ist eine sensible Angelegenheit. Werden junge Igel zu spät ausgesetzt, sind unter Umständen die besten Reviere schon besetzt und die Tiere müssen in ungünstigere und oft weit entfernte Gebiete ausweichen. Hinzu kommt, dass die Jungtiere kaum Jagderfahrung haben, da sie bisher ihr Fressen mundgerecht serviert bekommen haben.

Daher hier nochmals unsere Bitte: Überwintern Sie gesunde Tiere nicht im Haus, sondern lassen Sie sie möglichst draußen.

Igel sind standorttreue Einzelgänger

Igel sind Einzelgänger und recht standorttreu. Typische Lebensräume sind Landschaften mit Hecken und Feldgehölzen sowie Waldränder, Brachflächen und lichte Mischwälder. Obwohl er ein Wildtier ist, hält sich der Igel gerne auch in menschlicher Umgebung auf. So begegnet man ihm in Gärten, auf Streuobstwiesen oder in Parks.

Die Fortpflanzung findet ab Ende Mai statt. Nach fünf Wochen Tragzeit bringen die Weibchen zwei bis sieben blinde Junge zur Welt. Sechs Wochen lang werden die Kleinen gesäugt, bevor sie mit etwa 300 Gramm Körpergewicht selbständig sind. In guten Jahren gibt es im Herbst manchmal noch einen zweiten Wurf.

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist der Igel als Wildtier eine geschützte Tierart. Geeignete Lebensräume gehen durch die Intensivierung der Landwirtschaft, die Rodung von Hecken und die Umwandlung naturnaher Wälder in strukturarme Forste immer mehr verloren. Straßen zerschneiden die Landschaft, und geeignete Lebensräume werden dadurch voneinander isoliert. Außerdem fällt eine Million Igel jährlich dem Straßenverkehr zum Opfer.

Begegnet ihnen ein Igel tagsüber und nach Wintereinbruch, das heißt bei anhaltendem Bodenfrost oder Schnee, ist er wahrscheinlich durch Krankheit oder Untergewicht zu schwach für den Winterschlaf.

  • Untergewicht: Erkennt man daran, dass die Tiere eine Einbuchtung hinter dem Kopf, die sogenannte "Hungerlinie", und eingefallenen Flanken aufweisen
  • Krankheit: Wenn ein Igel tagsüber unsicher umherirrt oder apathisch herumliegt, ohne sich bei Berührung zusammenzurollen, ist es wahrscheinlich krank. Auch eingefallene, schlitzförmige Augen deuten auf einen schlechten Zustand des Tieres hin.

Sollten Sie in die Notsituation kommen, einen Igel überwintern oder verwaiste Junge aufziehen zu müssen, besorgen Sie sich bitte weiterführende Informationen:

  • Die BUND-Gruppe in Ihrer Nähe kann Ihnen sicher weiterhelfen
  • In unserer Broschüre "Igel im Garten" bekommen Sie Tipps, wie Sie Igel wieder aufpäppeln können und ihnen über den Winter helfen
  • Igel-Hotline von Pro Igel e.V.: Tel.: (0180) 55559551

Igelfreundlicher Garten - so geht´s:

Lassen Sie Laub, Gestrüpp und abgetrennte Äste einfach in einer Ecke des Gartens liegen. Auch Holzstapel bieten ideale Unterschlupfmöglichkeiten. Ein gut zugänglicher Komposthaufen mit organischem Abfall wird gerne zur Aufwertung des Speiseplans genutzt.

Sichern Sie Kellerschächte, Gruben, Schwimmbecken und Teichränder – sie können leicht zur Igelfalle werden. Verzichten Sie auf Gift in Ihrem Garten. 

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