Ameisen können durch stark riechende Kräuter oder Substanzen, die ihren Orientierungssinn beeinträchtigen, ohne Chemie vertrieben werden.
(Sandra Müller
/
BUND BW)
Ameisen sind unverzichtbar für das Ökosystem – die Liste ihrer wichtigen Funktionen für andere Tiere und sogar für Pflanzen ist lang. Im menschlichen Haushalt können sie allerdings stören.
Schmetterlinge profitieren von den kleinen Tieren: Die Puppen einiger Arten entwickeln sich erst in Ameisennestern und sind somit auf diese angewiesen. Die Form des Zusammenlebens kann dabei parasitär sein, bei der nur eine Art profitiert, oder aber symbiotischer Natur, von der beide Arten profitieren.
Darüber hinaus sind unsere krabbelnden Freunde für so manch eine Bestäubung verantwortlich. Auf ihren Wegen über Blumen hinweg bleiben nämlich Pollen haften, die sie dann weitertragen. Doch nicht nur die Pflanzenwelt freut sich über Ameisen – auch für viele Singvögel und Spechte sind Ameisenpuppen unentbehrliche Nahrung. Die vielen Gangsysteme der beeindruckenden Ameisenbauten lockern zudem Böden auf und fördern damit das Pflanzenwachstum.
Ameisenstraßen durch die Wohnung
Als Mitbewohner in Haus oder Garten stören Ameisen jedoch viele Menschen. Wenn Balkontüren und Fenster offen stehen, bahnen sie sich ihren Weg bis in die Küche. Dort machen sie sich über zucker- und eiweißhaltige Lebensmittel her. Doch Ameise ist nicht gleich Ameise – vorwiegend Hausameisen-Arten oder die gemeine Rasenameise statten uns und unseren Lebensmitteln Besuche ab. Vorsicht: Chemische Bekämpfungsmittel töten Ameisen, schaden häufig auch andere Tierarten wie Bienen und können die Gesundheit von Kindern oder Kranken gefährden. Daher unser Tipp: ökologische Alternativen, die zudem preiswert sind und niemanden zu Schaden kommen lassen.
Chemie-Keule ade
Ameisen können durch stark riechende Kräuter oder Substanzen, die ihren Orientierungssinn beeinträchtigen, ganz ohne Chemie vertrieben werden. Im Handel erhält man z.B. Ameisenöl, das aus verschiedenen ätherischen Ölen besteht. Um die olfaktorische Kommunikation über den Geruchssinn der Ameisen zu stören, können aber auch Hilfsmittel aus dem Haushalt als Geruchsbarrieren auf der Ameisenstraße ausgebracht werden. Zum Einsatz kommen können:
- Zitronensaft oder -schalen,
- Essig,
- Gewürze wie Majoran, Kerbel, Wacholderblätter, Zimt,
- Farnkraut,
- Lavendel.
Präventiv handeln
Um Ameisen erst gar nicht ins Haus zu locken, sollte man Lebensmittel und Abfälle in dicht schließenden Behältern aufbewahren. Besonders organischer Abfall sollte täglich aus der Wohnung gebracht und Futterreste aus Tiernäpfen entfernt werden. Auch einzelne Ameisen sollte man entfernen, denn sie sind oft als "Späher" unterwegs, denen die Masse nachfolgt. Topfpflanzen, die vom Garten in die Wohnung gebracht werden, sollten auf Ameisenbefall untersucht, bekannte Schlupflöcher mit Klebeband, Kitt, Silikon oder Gips verschlossen werden. Im Garten kann man versuchen, Ameisennester umzuziehen. Dazu einen mit Stroh gefüllten Blumentopf mit der Öffnung nach unten auf das Nest stellen, ein paar Tage warten bis der Umzug abgeschlossen ist und den Blumentopf dann in eine besser geeigneten Ecke des Garten stellen.
Neuankömmling: Die Große Drüsenameise Tapinoma magnum
Die Ameisenart Tapinoma magnum sorgt immer wieder für Schlagzeilen in Baden-Württemberg. Die Naturkundemuseen in Stuttgart und Karlsruhe haben dazu 2025 ein Forschungsprojekt gestartet, bei dem Interessierte viele Informationen zur der aus dem Mittelmeerraum eingewanderten Art finden und auch mögliche Sichtungen melden können: Tapinoma-Forschungsprojekt


