Götterbaum

Schnell wachsend, unempfindlich gegen Trockenheit und Schädlinge und wenig Ansprüche an Boden und Umgebung: Der Götterbaum begann seinen Siegeszug auf den Trümmern des zweiten Weltkriegs und findet sich heute in vielen Städten. Für Mensch und Natur birgt er aber Gefahren.

Ein Exemplar des invasiven Götterbaums in einem Park im Landkreis Heilbronn. Ein Exemplar des invasiven Götterbaums in einem Park im Landkreis Heilbronn.  (Ramona Fritz / BUND BW)

Aussehen und Allgemeines

Der Götterbaum (Ailanthus altissima) gehört zur Familie der Bittereschengewächse (Simaroubaceae). Er ist ein Laubbaum, der inzwischen in vielen Städten zu finden ist. Während der Blüte von Juni bis Juli verströmt er einen für Menschen unangenehmen Geruch. Für den sind vor allem die männlichen Blüten verantwortlich. Denn der Götterbaum ist zweihäusig, das heißt, er hat in der Regel entweder männliche oder weibliche Blüten. Weitere Merkmale sind:

  • Kleine gelb-weiße Blüten in Rispen
  • Wuchshöhe bis zu 30 Meter
  • Stamm bis zu einem Meter im Durchmesser
  • Rinde hat rautenförmigen Poren (Lentizellen), die den Gasaustausch ermöglichen
  • Blätter bestehen aus einem Stil mit mehreren einander gegenüberliegenden Teilblättern und einem einzelnen Blatt am Ende (unpaarig gefiedert), sind 40-90 cm lang, grün-rot gefärbt
  • Wird 50 bis 100 Jahre alt

Leicht zu verwechseln ist er mit der einheimischen gewöhnlichen Esche (Fraxinus excelsior), die jedoch schwarze Knospen und paarig gefiederte Blätter hat. Dem Götterbaum ähnlich sieht auch der ebenfalls gebietsfremde Essigbaum (Rhus typhina). Er wird aber nur fünf bis acht Meter hoch und hat grünliche Blüten.

Vermehrung

Ein acht Meter hoher Baum produziert jährlich bis zu 325.000 Früchte. Die enthaltenen Samen können sich durch den Wind im Umkreis von etwa 100 Meter verbreiten. Auch eine Verbreitung über Wasser sowie eine vegetative Vermehrung durch Wurzelausläufer sind möglich. Die jungen Bäume wachsen sehr schnell, bis zu zwei Meter im Jahr.

Vorkommen

Ursprünglich stammt der Götterbaum aus China und dem Norden Vietnams. Er erträgt die meisten Luftverunreinigungen, wird kaum durch Insekten geschädigt und ist besonders wärmeliebend. Trockenheit übersteht er gut, aber auf Frost reagiert er empfindlich.

Verbreitung in Baden-Württemberg

Nach Europa gelangte der Götterbaum um 1780 nicht versehentlich, sondern gezielt für den Handel sowie die Pflanzung in botanischen und privaten Gärten. In der Natur wurde der Baum erstmals um 1900 nachgewiesen. Nach dem zweiten Weltkrieg wuchs er auf den Trümmern der zerstörten Städte. In Baden-Württemberg kommt er vor allem am Oberrhein und anderen warmen Gebieten vor und gilt als Gewinner der Klimakrise. Auch in vielen Städten im Land kann man auf ihn stoßen, beispielsweise in Stuttgart. 

Götterbaum als invasive Art

In Europa wird der Götterbaum seit 2019 als invasiv gelistet, denn seine Verbreitung in allen deutschen Bundesländern hat ökologische, gesundheitliche und wirtschaftliche Auswirkungen:

  • Der Götterbaum bildet Dominanzbestände, mit denen er die Struktur der Vegetation in seiner Umgebung verändert. Das könnte vor allem Magerrasen sowie lichte Wälder gefährden, ist aber bislang wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen.
  • Sowohl die Pollen des Götterbaums als auch der Pflanzensaft können allergische Reaktionen hervorrufen. Denn sie enthalten den Bitterstoff Quassin, der in der biologischen Landwirtschaft als pflanzliches Insektizid verwendet wird. Beim Fällen oder Schneiden sollte man deswegen immer mit Handschuhen und Schutzbrille arbeiten.
  • Bei Vorkommen entlang von Verkehrswegen, Uferbefestigungen und an Gebäuden können häufigere Pflegemaßnahmen notwendig werden, die mit erhöhten Kosten verbunden sind.

Maßnahmen zur Bekämpfung

Es gibt verschiedene Maßnahmen, um den Götterbaum zu bekämpfen. Dabei sollte man jedoch immer auf das Verhältnis von Aufwand und Nutzen achten: An manchen Standorten kann es aber aus Artenschutzgründen sinnvoll oder sogar wichtig sein, die invasiven Arten mit großem Aufwand und immer wieder zu entfernen, um heimische Arten zu schützen. Dafür ist es auch wichtig, beispielsweise keine Herbizide einzusetzen. Generell gilt: Je früher man aktiv wird, desto besser. 

  • Ausreißen von Sämlingen und Jungpflanzen, bevor sie ein weitreichendes Wurzelsystem ausgebildet haben: Wichtig ist, alle Wurzelteile zu entfernen und diese nicht auf den Kompost zu werfen, sondern im Restmüll zu entsorgen. In Folgejahren jeweils zweimal kontrollieren, weil die Samen länger keimfähig sind.
  • Ausdunkeln von Jungpflanzen: Wenn das Wurzelsystem schon zu groß ist und der Baum nach Rückschnitt immer wieder neu austreibt, kann man die Jungpflanze in schwarze, lichtundurchlässige Plastiksäcke einpacken. Nach einem Jahr sind alle grünen Teile abgestorben und der Baum treibt nicht mehr aus. Achtung: Plastik restlos entfernen bzw. kontrollieren, damit es nicht in die Umwelt gelangt. Außerdem darf dabei der Spitzentrieb nicht verletzt werden, weil der Baum sonst neu austreibt.
  • Unvollständige Ringelung von Bäumen: Dabei wird die Rinde am unteren Teil des Stammes auf 10 bis 20 cm Länge rundum bis aufs Holz entfernt. Dadurch werden die Wurzeln geschwächt und die Bäume sterben nach ca. zwei Jahren ab. In der Umgebung müssen Wurzelsprosse danach noch mehrmals im Jahr gemäht werden.

Unnützes Wissen

  • Chemische Keule für die Konkurrenz: Bestandteile des Götterbaums sind allelopathisch, das heißt, sie können durch chemische Substanzen das Wachstum benachbarter Pflanzen hemmen.
  • Stadtkind: In der deutschen Hauptstadt Berlin sind von insgesamt 900.000 verzeichneten Bäumen über 3.000 Götterbäume. Das hat ihm den Spitznamen „Ghettopalme“ eingebracht.
  • Überflieger: Seinen Namen verdankt der Baum wohl seinem schnellen Wachstum. Der lateinische Name Ailanthus altissima geht vermutlich auf das Wort „aylanto“ in der Sprache der Molukken zurück und bedeutet „Baum, der zum Himmel reicht“.
  • Futterpflanze: Seine Blätter verfüttert man bei der Seidenherstellung in China an den Götterbaumspinner. Honigbienen und anderen Insekten besuchen trotz des für Menschen üblen Geruchs auch gerne die Blüten. Der daraus entstehende Honig riecht zwar unangenehm, schmeckt aber überraschend gut.

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