Wärmeplanung: „50 Prozent unseres Energiebedarfs gehen fürs Heizen drauf“

08. Mai 2024 | Kommunalpolitik (BW), Energiewende, Umweltpolitik (BW), BUND Baden-Württemberg (BW), Klima und Energie (BW), Klimaschutz (BW), Ressourcen & Technik

BUND-Interviewreihe Kommunalwahl: Wärmeplanung in BW

Fritz Mielert, Referent für Umwelt und Energie  (Frank Müller / BUND BW)

Am 9. Juni 2024 ist Kommunalwahl. Sie ist entscheidend für den Umwelt- und Naturschutz. Die gewählten Vertreter*innen können in den kommenden fünf Jahren viele Weichen stellen – etwa bei der kommunalen Wärmeplanung: In Wärmeplänen schlüsseln die größeren Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg auf, wie sie in Zukunft klimaneutral heizen wollen. Fritz Mielert, Energiereferent beim BUND BW, hat die Pläne gesichtet. Ein Gespräch übers Heizen der Zukunft und dessen Bedeutung für die Kommunalwahl:

Wieso ist kommunale Wärmeplanung wichtig? Macht das so viel aus mit dem Heizen?

Fritz Mielert: Heizen und Kühlen macht extrem viel aus. Etwa 50 Prozent unseres Energiebedarfs in Baden-Württemberg gehen dafür drauf. Wenn wir Klimaneutralität erreichen wollen, müssen wir an das Thema Wärme ran. Viel zu lange wurde gezögert ohne richtige Idee, wie wir die Wärmewende schaffen können. Die kommunalen Wärmepläne sind jetzt ein Einstieg. So könnte es gehen. Die Pläne sind auch wichtig für Häuslesbesitzer und -besitzerinnen, um zu wissen: kommt eventuell ein Wärmenetz? Oder muss ich mich auf eine Wärmepume oder andere dezentrale Heizmöglichkeiten fokussieren?

Sind diese Wärmepläne denn irgendwo einsehbar?

Von Landesregierungsseite gibt es bisher keine zentrale Übersicht. Wir haben als BUND aber eine Datenbank aufgebaut, durch die man sich schnell klicken kann. Das geht über eine Karte oder die Suche: Einfach die Kommune anklicken. Dann sieht man, ob ein Wärmeplan hinterlegt ist und kann drauf zugreifen. Die Datenbank ist unter bund-bawue.de/waermeplaene erreichbar.

Sie haben einige Wärmepläne gesichtet. Was ist Ihnen dabei aufgefallen?

Die Wärmepläne setzen sich ganz unterschiedliche Ziele – zum Beispiel bei der Frage, wie viel Energie eine Kommune einsparen will. Hier haben wir eine Bandbreite von 18 bis 52 Prozent. 18 Prozent ist jetzt nicht wirklich ambitioniert. In Sachen Wasserstoff ist mir aufgefallen, dass manche Kommunen mit riesigen Anteilen planen, ohne sich wichtige Fragen zu stellen, etwa: Woher soll der Wasserstoff kommen? Und wird er in diesen Mengen überhaut verfügbar und bezahlbar sein? Die Antwort ist eigentlich bekannt: Nein, wird er ziemlich sicher nicht. Trotzdem planen einige damit.   

Kann ich mich dann überhaupt auf den Plan meiner Kommune verlassen?

Bisher sind die Pläne unverbindlich. Als Betroffener kann ich sie aber als Anhaltspunkt nehmen. Erst, wenn die Kommunen Gebietssatzungen erlassen, zum Beispiel für die Versorgung mit Wasserstoff oder Wärmenetzen, haben wir Verbindlichkeit. In den kommenden Monaten wird sich zeigen, ob die Kommunen es ernst meinen: Trauen sie sich, die Satzungen zu erlassen? Oder war der Wärmeplan nur eine Pflichtaufgabe, die in der Schublade verrottet? Deshalb ist das Thema auch bei der Kommunalwahl so wichtig: Die Umsetzung ist echte Schwarzbrotarbeit. Dafür brauchen wir eine gute Kommunalpolitik und breite Mehrheiten.

Denken Sie, Baden-Württemberg schafft es bis 2040 klimaneutral zu werden? Ist das realistisch?

Ach was ist schon Realismus? Ich finde den Begriff im Zusammenhang mit Klimaschutz und Wärmewende schwierig. Was bleibt uns anderes übrig, als uns für das Leben unserer Kinder und Enkel einzusetzen und zu tun, was wir können? Es ist eine extrem anspruchsvolle Aufgabe und wir sind zum Erfolg verdammt. Ob wir das Ziel erreichen, weiß momentan niemand. Es gibt viele Unsicherheiten und wir kommen viel zu langsam voran. Es geht darum, sich auf den Hosenboden zu setzen, unsere Aufgaben zu machen und keinen Tag länger zu zögern. Dann haben wir eine Chance – und unsere Enkel auch.

 

Hintergrund: Kommunale Wärmeplanung

Die kommunale Wärmeplanung soll in Baden-Württemberg einen Weg aufzeigen, wie bis 2040 ein klimaneutraler Gebäudestand erreicht werden kann. Bis zum 31. Dezember 2023 mussten die Großen Kreisstädte und Stadtkreise dafür so genannte kommunale Wärmepläne vorlegen. Die Pläne sollen erfassen, wie Gebäude momentan beheizt werden und wie dies in Zukunft klimaneutral geschehen kann. Bürger*innen können die Pläne als Anhaltspunkt nutzen, um die für sie in Zukunft passende Heizmethode (Wärmenetz, Wärmepumpe, etc.) zu finden. Baden-Württemberg gilt in Sachen kommunale Wärmeplanung als Vorreiter und hat seine Kommunen schon vor der jetzt laufenden bundesweiten Initiative zur Wärmeplanung verpflichtet. Eine Übersicht der Wärmepläne finden Sie in unserer Datenbank.

 

Kontakt für Rückfragen:

  • Fritz Mielert, Referent für Umwelt und Energie beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, 0176 / 66 68 18 17, fritz.mielert(at)bund.net
  • Ansprechpartner in Ihrer Region: Wir vermitteln gerne Ansprechpartner, die sich zur Wärmeplanung in Ihrer Region äußern können.

 

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