Die Wärmepläne in Baden-Württemberg müssen transparenter und besser werden

23. Januar 2024 | Energiewende, Klima und Energie (BW), Umweltpolitik (BW), BUND Baden-Württemberg (BW), Kommunalpolitik (BW), Ressourcen & Technik, Klimaschutz (BW)

Bis Ende des Jahres mussten über 100 Kommunen in Baden-Württemberg ihre Wärmepläne vorlegen. Nur etwa der Hälfte der Kommunen ist es gelungen, den Zeitplan einzuhalten. Das ist aus Sicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Baden-Württemberg aber nicht das Hauptproblem. Die Energieexperten des Verbands haben 56 der schon vorliegenden Wärmepläne gesichtet und festgestellt: Die Qualität unterscheidet sich gravierend.

Landesvorsitzende Sylvia Pilarsky-Grosch  (Foto: Frank Müller / BUND BW)

Ein Kommentar der BUND-Landesvorsitzenden Sylvia Pilarsky-Grosch

Stuttgart. Es ist lobenswert, dass Baden-Württemberg vorangegangen ist und die Stadtkreise und großen Kreisstädte im Land schon vor der Bundesregierung zu einer kommunalen Wärmeplanung verpflichtet hat. Mittlerweile liegen über die Hälfte der Pläne vor. Teils ist ihnen allerdings deutlich anzumerken, dass es sich um Pionierarbeit handelt und Erfahrungswerte fehlen.

Obwohl das Land einen umfangreichen Leitfaden und einen Technikkatalog zur Erstellung der Pläne zur Verfügung gestellt hatte, unterscheiden sich die von den Kommunen veröffentlichten Dokumente in ihrer Tiefe massiv.  So fehlen in vielen Plänen wichtige Basisdaten. Aus zehn Plänen ist nicht einmal herauszulesen, wie viel Wärme dezentral in Privathäusern und Wohnungen und wie viel zentral erzeugt und über ein Wärmenetz verteilt werden soll. Bei den Kommunen, die Auskunft darüber geben, reicht die Bandbreite von solchen, die nur einen Anteil von drei Prozent durch Wärmenetze abdecken wollen, bis zu jenen, die eine Netzversorgung von bis zu 79 Prozent anstreben.

Schaut man sich weiterhin an, mit welchen Energieträgern die Wärme erzeugt werden soll, wird die Datenlage noch dünner: Nur aus einem Viertel der Pläne lässt sich der Gesamtenergiemix ableiten. Nur ein weiterer Bruchteil unterscheidet dann noch, welche Energieträger für Wärmenetze und welche für dezentrales Heizen genutzt werden sollen. Dabei wären gerade diese Daten zu den benötigten Mengen an Strom, Wasserstoff und Biomasse zentral, um die verschiedenen Planungsebenen – vom Heizkörper bis zu europäischen Energienetzen – sinnvoll ineinandergreifen zu lassen und entsprechende Infrastruktur aufzubauen.

Nur die Hälfte der von uns betrachteten Kommunen haben in ihren Wärmeplänen angegeben, wie viel Biomasse sie einsetzen wollen. Erfreulicherweise planen diese Kommunen eher zurückhaltend mit der Verbrennung von Holz, Biogas und Co. Im Schnitt wollen sie nur rund ein Sechstel der Wärme mit solchen biogenen Stoffen erzeugen.  Der Höchstwert einer Kommune liegt bei 69 Prozent. Wenn hierfür echte Reststoffe, wie Grünschnitt, erneuerbarer Müll oder Klärschlamm, eingeplant sind, ist dies unproblematisch. Kommen aber Holz oder andere Anbaubiomasse zum Einsatz, müssen globale Stoffströme betrachtet werden, da Holz aus den USA oder anderen Staaten häufig willkürlich als Schadholz definiert und in Form von Hackschnitzeln nach Europa transportiert wird.

Sorgen bereitet uns auch die teils große Abhängigkeit von Wasserstoff. Dabei ist noch völlig unklar, ob und wann Wasserstoff in Baden-Württemberg zur Verfügung stehen wird. Auch kann niemand bisher sagen, woher die enormen Mengen stammen sollen und ob die Preise eine größere Nutzung in Wärmenetzen oder gar bei der Versorgung von Einzelgebäuden überhaupt zulassen werden, wogegen vieles spricht. Unverständlich ist, warum einzelne Kommunen mit enorm viel Wasserstoff planen, obwohl selbst sehr optimistische Netzbetreiber bis zum Zieljahr für Klimaneutralität keinen Anschluss der Kommune an ein Wasserstoffnetz in Aussicht stellen. Ein solcher Fall ist in unserer Auswertung einmal sehr deutlich aufgetreten.

Umso wichtiger ist es, dass die Öffentlichkeit die Wärmeplanung intensiv beobachtet, Transparenz einfordert und unsinnige Vorschläge kippt. Nur so kann die Wärmeplanung zu einer breit akzeptierten Handlungsgrundlage werden und nicht zu einer weiteren staatlichen Pflichtaufgabe, die in den Schublagen verrottet.

Neben ihrer Pflicht zur Öffentlichkeitsbeteiligung sind die Kommunen mit schon fertigen Wärmeplänen nun gefordert, diese umzusetzen. Trotz so mancher fehlender Daten war und ist die baden-württembergische Verpflichtung zur Wärmeplanung aus Sicht des BUND richtungsweisend und hat zu einem wertvollen Schatz an Erfahrungen geführt, der nun bei den weiteren bundesweiten Planungen unbedingt beachtet werden sollte. Nebenbei hat die Initiative den Kommunen und Ingenieurbüros im Land einen Wissens- und Zeitvorsprung im Wettbewerb um Fördermittel verschafft. Bleibt zu hoffen, dass andere Bundesländer bald nachziehen. Außerdem ist der Bund gefragt, die benötigten Finanzmittel für Planung und Realisierung zur Verfügung stellen.

 

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