Keine Atom-Endlagersuche ohne Transparenz

16. Januar 2019 | Atomkraft, Klima und Energie (BW)

BUND-Aktive fordern bei Protestaktion Transparenz und Dialog mit der Öffentlichkeit

BUND-Aktive protestieren für mehr Transparenz und Sicherheit bei der Atommüll-Endlagersuche. „Keine Endlagersuche in Hinterzimmern“ - rund 40 BUND-Aktive protstieren für mehr Transparenz bei der Atommüll-Endlagersuche.  (Jody C Taylor / BUND BW)

Eine Million Jahre –  rund dreimal so lange wie die Menschheit existiert. So lange muss ein Endlager dicht halten, in dem hochradioaktiver Atommüll verwahrt wird. Die Suche nach einem deutschen Standort läuft auf Hochtouren. Doch statt die Öffentlichkeit zu informieren, findet die Suche weitgehend im Verborgenen statt. Am Mittwoch (16.1.2019) hatte das Bundesamt für kerntechnische Entsorgung (BfE) nur Vertreter*innen der Städte, Landkreise und Gemeinden in die Messe Ulm eingeladen, um über die Atommüll-Endlagersuche zu informieren. Die Bürger*innen und zivilgesellschaftliche Organisationen mussten jedoch draußen bleiben. BUND-Aktive protestieren mit Schildern und Sprechchören vor der Messe Ulm.

„Die Suche nach einem Atommüll-Endlager ist ein extrem heikles Thema. Der BUND fordert deshalb maximale Transparenz und Beteiligung der Öffentlichkeit. Die Bundesregierung muss die Öffentlichkeit kontinuierlich informieren und das von Anfang an“, erklärt Brigitte Dahlbender, Landesvorsitzende des BUND Baden-Württemberg. „Sonst wird sie der Generationenaufgabe einer Endlagersuche nicht gerecht und ignoriert die Sorgen der Bürger*innen in den eventuell betroffenen Gebieten. Wenn die Bürger*innen bei so einer wichtigen Infoveranstaltung draußen bleiben müssen, dann ist das kein guter Start für die Endlagersuche in unserer Region.“

BUND-Aktive protestieren mit Schildern und Sprechchören

Draußen vor der Messe haben 40 BUND-Aktive in einer Aktion heute Morgen mit Schildern und Sprechchören protestiert. Sie riefen und hielten Schilder in die Luft mit: „Genug gemauschelt – volle Transparenz bei der Endlagersuche“ und „Keine Endlagersuche in Hinterzimmern“.

Gerlinde Gröschel-Jungwirth, 56, aus Blaustein: „Ich wohne zwischen Ulm und Beuren. Unsere Region könnte von einem Atommüll-Endlager betroffen sein. Ich möchte Sicherheit und von Anfang an wissen, was da auf uns zukommt.“

Endlagersuche: Sicherheit muss absolute Priorität haben

Der BUND fordert von der Bundesregierung und ihren Einrichtungen, in den potentiell betroffenen Regionen alle  interessierten Bürger*innen und zivilgesellschaftliche Organisationen, wie der BUND eine ist, einzuladen. Bislang sind nur ausgewählte Teilnehmer aus den Landkreis und Kommunen geladen. Zudem muss die Atommüll-Lagersuche auf wissenschaftsbasierten Kriterien erfolgen. „Sicherheit muss absolute Priorität haben. Am Ende muss das am wenigsten gefährliche Atommüll-Endlager in Deutschland ausgewählt werden“, so die BUND-Landeschefin.

Hintergrund: Veranstaltungsreihe

Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgung (BfE) hat für Januar 2019 Vertreter*innen der Städte, Landkreise und Gemeinden zu vier Dialogveranstaltungen eingeladen. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit will die Behörde über die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle informieren und die kommunale Ebene einbinden. Neben Ulm finden und fanden Veranstaltungen in Leipzig, Hamburg und Frankfurt am Main statt.

Hintergrund: Atommüll und Endlagerung

Mehr als 17.000 Tonnen hochradioaktive Abfälle haben Deutschlands Atomkraftwerke bislang produziert. Für deren sichere Atommüll-Endlagerung ist die Bundesrepublik Deutschland verantwortlich. Um das bestmögliche und für eine Million Jahre sichere Endlager zu finden, hat die Bundesregierung ein Gesetz erlassen und eine Experten-Kommission eingesetzt. Diese soll bis 2031 in einem wissenschaftsbasierten und transparenten Verfahren einen passenden Standort auswählen. Nach heutigem Wissensstand kommen in der Bundesrepublik Salzstöcke, Tonformationen und Granitvorkommen für ein Endlager infrage. Zudem ist es wichtig, dass die Gesteine den Atommüll dauerhaft gegen Grundwasser abschirmen und die Restwärme dauerhaft abführen. Ausgeschlossen sind Gebiete, die erdbebengefährdet sind oder in denen es Vulkane gab. Eine eventuell geeignete Gesteinsschicht ist Opalinuston, die sich von Zürich über Ulm in Richtung Nördlingen in Baden-Württemberg zieht.

Kontakt für Rückfragen:

  • Dr. Brigitte Dahlbender, Landesvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg 0171 / 934 13 36, brigitte.dahlbender(at)bund.net
  •  Fritz Mielert, Referent für Umweltschutz  BUND Baden-Württemberg (bei der Aktion vor Ort): 0176 / 666 81 817, fritz.mielert(at)bund.net  

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