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BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Anti-Atom-Demo in Neckarwestheim: Atomkraft muss Geschichte werden

07. März 2016 | Atomkraft

2.000 Menschen haben am Sonntag (6. März) für den sofortigen Atomausstieg demonstriert. Der BUND fordert die kommende Landesregierung auf, für einen sofortigen Atomausstieg zu sorgen.

Aktivisten des BUND haben gegen die Verzögerungstaktik der Atomkraftwerksbetreiber beim Atomausstieg protestiert.  (Jürgen Gangl/ BUND Baden-Württemberg)

Im März und im April jähren sich die schlimmsten „zivilen“ Atomkatastrophen der Menschheitsgeschichte. Im April vor 30 Jahren kam es in Tschernobyl und im März vor fünf Jahren in Fukushima zum Super-GAU. Am Sonntag (6. März) haben rund 2.000 Menschen vor dem AKW in Neckarwestheim für den sofortigen Atomausstieg, einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Atommüll und die Beschleunigung einer dezentralen Energiewende demonstriert. Der Demonstrationszug startete am Bahnhof Kirchheim.

Die Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima sind weiter Gegenwart. Die Menschen leiden noch immer unter den Folgen der radioaktiven Strahlung. Untersuchungen zu Fukushima zeigen den besorgniserregenden Anstieg der Neuerkrankungen von Schilddrüsenkrebs bei Kindern, wie wir es von Tschernobyl kennen (Pressemitteilung IPPNW, 17.2.2016). Auch ohne einen Super-GAU ist jeder AKW-Betrieb eine permanente Belastung und Bedrohung von Mensch und Umwelt. Ständige radioaktive Ableitungen in Luft und Flüsse sind innerhalb der sogenannten Grenzwerte erlaubt. Aber diese Grenzwerte schützen die Bevölkerung nicht sicher vor Erkrankungen und Erbschäden.

Sofortiger Atomausstieg gefordert

„Noch immer sind in Deutschland acht AKWs am Netz. Die Katastrophen von Fukushima und Tschernobyl verdeutlichen, Atomkraft ist unbeherrschbar und gefährdet uns alle. Um unverantwortliche Risiken zu reduzieren, muss Atomkraft unverzüglich Geschichte werden“, so Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesgeschäftsführerin des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e.V., am Sonntag bei der Kundgebung. „In den Wahlprogrammen zur Landtagswahl kommt Atomenergie kaum vor. Unsere Botschaft an alle Parteien, die kommenden Sonntag in den baden-württembergischen Landtag einziehen wollen: Atomkraftwerke sofort abschalten.“

Schon in der Vergangenheit hat die Atomindustrie von enormen Subventionen profitiert, doch vor den Kosten für die langfristige Lagerung des Atommülls wollen sich die Konzerne drücken. "Fünf Jahre nach Fukushima planen CDU und CSU ein 5-Milliarden-Euro-Geschenk für die AKW-Betreiber: Sie wollen die Brennelemente-Steuer abschaffen. Atomkraftwerke würden so wieder zu richtigen Goldeseln werden. Das ist das absolut falsche Signal", kritisiert Armin Simon von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt.

Fünf Jahre nach Fukushima ist Deutschland noch immer zweitgrößter Atomstromproduzent in der Europäischen Union – auch wegen der beiden Atomkraftwerke in Baden-Württemberg. „Trotz eines dreifachen Super-GAU fehlt der Politik auch nach 2011 der Wille zu einem echten Atomausstieg - was muss eigentlich noch passieren, damit auch die acht restlichen AKWs abgeschaltet werden?", so Franz Wagner von der AG AtomErbe Neckarwestheim.

Tschernobyl & Fukushima:  Zivilisatorische Katastrophen

Tschernobyl und Fukushima wurden durch den Super-GAU zum Katastrophengebiet. Der Unfall und seine Folgen sind eine „zivilisatorische Katastrophe“. „Die Angst und die Beklemmung der Menschen in Fukushima und Belarus, nie zu wissen, ob man mitten in einem Strahlungs-Hotspot steht, habe ich selbst erlebt. Bei meinen Aufenthalten dort wurde mir bewusst, wie sehr humanitäre und ökologische Arbeit mit dem Thema Atompolitik zusammenhängen – ganz gleich ob in Belarus, Japan oder Deutschland“, sagt die Tschernobyl- und Fukushima-Aktivistin Katharina Ebinger. 

Verharmlosung von Fukushima

Der an der Universität Frankfurt lehrende Fukushima-Aktivist Sejii Hattori skizziert, wie in seiner Heimat Japan mit Blick auf Olympia 2020 durch Informationslenkung die Gefährdung durch Atomkraftwerke bagatellisiert wird. „Der japanische Premierminister Shinzō Abe verharmlost die Gefährdung und zwingt die aus Fukushima evakuierte Bevölkerung zur Rückkehr und  zum Wiederaufbau. So soll Fukushima 2011 endgültig vergessen gemacht werden“, so Seiji Hattori. „Gleichzeitig treibt Japan den Export von AKW nach Indien und in die Türkei voran. Das verstärkt die Gefahr einer nuklearen Katastrophe. Daher braucht es eine internationale Solidarität und Zusammenarbeit im Kampf gegen Atomindustrie.“

Kontakt für Rückfragen:

  • Angela Koch, Referentin für Öffentlichkeits- und Pressearbeit BUND Baden-Württemberg, E-Mail: angela.koch(at)bund.net

Weitere Informationen:

Katastrophe 1986: Tschernobyl

Vor 30 Jahren – am 26. April 1986 – zerstörten zwei Explosionen Dach und   Kern von Reaktor 4 im Atomkraftwerk Tschernobyl. 190.000 Kilo hochradioaktives Material befand sich zu dem Zeitpunkt im Reaktor. Die Strahlungskraft, die durch die Explosion freigesetzt wurde, war laut eines aktuellen Berichtes der IPPNW 200 Mal so stark wie die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki zusammen. Der Wind verbreitete die radioaktive Wolke von Tschernobyl aus über weite Teile der Sowjetunion sowie Europas. Die Folgen für Mensch und Umwelt waren gewaltig. 400.000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen. 8,3 Millionen Menschen lebten plötzlich in kontaminierten Gebieten. Die Zahl an erkrankten Menschen in der Sowjetunion aber auch in Europa stieg in den nächsten Jahren stark an. Bis heute sind die Auswirkungen der Katastrophe auf die Gesundheit von Mensch und Umwelt nachweisbar.

Katastrophe 2011: Fukushima

Vor fünf Jahren – am 11. März 2011 – verursachte ein Erdbeben an der Ostküste Japans einen Tsunami. Daraufhin wurde in drei Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi die Kernschmelze ausgelöst. Es ist die größte Atomkatastrophe seit dem Super-GAU von Tschernobyl. Seitdem tritt täglich Radioaktivität aus den Katastrophenreaktoren aus und gelangt so in die Atmosphäre, das Grundwasser und den Ozean. Schätzungsweise 23 Prozent des radioaktiven Niederschlags gingen über dem japanischen Festland nieder. So kamen Menschen in ganz Japan in Kontakt mit kontaminierter Luft, Wasser und Lebensmitteln. Es ist davon auszugehen, dass – verursacht durch die Katastrophe – 9.600 strahlenbedingte Krebsfälle auftreten werden, die Hälfte davon tödlich verlaufend.

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