Zwei Wildkatzenkorridore des BUND sollen die scheuen Tiere bei der Ausbreitung in Baden-Württemberg unterstützen.
(Thomas Stephan / BUND BW)
Die Wildkatze ist durch die Zerschneidung ihrer Lebensräume vom Aussterben bedroht. Daher hat der BUND 2004 das bundesweite „Rettungsnetz für die Wildkatze“ initiiert. Im Projekt „Wildkatzensprung“ treibt der BUND die Vernetzung naturnaher Wälder durch grüne Korridore aus Bäumen und Büschen voran. Zudem erfasst er die Verbreitung der Wildkatzen, um herauszufinden wo sie vorkommen und welche Wege sie zur Wanderung nutzen. Mithilfe dieser Erkenntnisse können die Korridorpflanzungen optimiert werden.
Die Projektschwerpunkte in Baden-Württemberg liegen im mehrjährigen Monitoring der Wildkatze mit Lockstöcken und der Entwicklung eines beispielhaften Wildkatzenkorridors, der den Nordschwarzwald und den Naturpark Schönbuch verbindet. Er führt durch ein sehr dicht besiedeltes und stark landwirtschaftlich genutztes Gebiet.
Wälder verbinden – erster Wildkatzenkorridor bei Herrenberg
Das Gebiet des ersten BUND-Wildkatzenkorridors südlich von Stuttgart bei Herrenberg zeigt alle Schwierigkeiten eines Ballungsraumes auf. Der BUND fand aber kreative und konstruktive Lösungen etwa durch Flächentausch mit Landwirt*innen und hofft auf viele Nachahmende in Baden-Württemberg und anderswo. Die offizielle Einweihung des Wildkatzenkorridors fand am 27. Juni 2016 statt.
Auf den 20 ungestörten Grundstücken haben sich Sträucher und Wildblumen, die BUND-Aktive damals dort pflanzten, gut entwickelt. Sie bieten Deckung für Wildkatzen und andere scheue Tiere sowie Nistplätze und Nahrung für Vögel und Insekten. Sowohl Raupen des Tagpfauenauges, aber auch die seltenen Sechsfleck-Widderchen und sogar der Neuntöter lassen sich dort entdecken. In den Hecken sieht man Durchschlupfe und Liegekuhlen, die etwa Rehe und Feldhasen nutzen. Der Nachweis einer Wildkatze im Schönbuch im Jahr 2025 unterstreicht die Bedeutung des Herrenberger Korridors. Nun fehlt nur noch die lang ersehnte Grünbrücke über die Bundesstraße 14 bei Herrenberg, um die Verbindung zwischen dem Schwarzwald und dem Schönbuch für tierische Wanderer noch sicherer zu machen.
(für mehr Informationen bitte auf die Fotos klicken)
Wildkatzensprung geht weiter – Zweiter Korridor im Kreis Ludwigsburg
Aktuell arbeitet der BUND Baden-Württemberg an einem zweiten Korridor für den Wald-Biotopverbund. Dieser liegt nördlich von Stuttgart im Kreis Ludwigsburg und soll den Naturpark Stromberg-Heuchelberg mit dem Schwäbisch-Fränkischen Wald verbinden – ein für die Wildkatze strategisch wichtiger Wanderweg. Denn dort liegt laut Generalwildwegeplan der einzige offizielle Weg auf der Ost-West-Achse zwischen Heilbronn und Stuttgart. Gestartet ist das Projekt im März 2018 in der Gemeinde Oberstenfeld. Im November 2021 haben BUND-Aktive rund 50 Bäume, Büsche und Sträucher für den ersten Trittstein des Korridors in Freudental gepflanzt. Der zweite Trittstein ist ein Waldstück in der Nähe von Oberstenfeld, das dem BUND 2021/22 geschenkt wurde. Als dritter Trittstein folgte im November 2024 ein Grundstück zwischen Großbottwar und Winzerhausen, das der BUND Baden-Württemberg für diesen Zweck erworben hat. Ein Radinfopfad im Landkreis informiert mit elf Infotafeln über das Projekt.
Die BUND-Aktiven vor Ort verhandeln weiter mit den insgesamt 16 Gemeinden, durch die der Korridor führen soll, damit weitere Trittsteine entstehen können.
Wie kann ich mitmachen und helfen?
- Mitmachen und anpacken: Um den zweiten Wildkatzenkorridor naturnah zu errichten und dauerhaft zu sichern, braucht der BUND die Hilfe von vielen Ehrenamtlichen. Wenn Sie mitmachen wollen bei den Pflanzungen von Büschen und Sträuchern, melden Sie sich bei Andrea Lehning.
- Mitschützen und spenden: Auch mit einer Spende, können Sie und helfen die Lebensräume der Wildkatze und anderen Wildtieren zu sichern.
- Entdecken und melden: Wenn Sie eine Wildkatze entdecken, können Sie den Fund über unser Online-Formular melden.


