Stuttgart. Im Gegensatz zu den Vorjahren ist 2024 der tägliche Verlust an Natur-, Wald- und Ackerflächen für neue Straßen, Wohn- und Gewerbegebiete erheblich zurückgegangen, von 5,1 Hektar pro Tag 2023 auf 3,4 Hektar pro Tag im vergangenen Jahr.
Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesvorsitzende des BUND Baden-Württemberg, kommentiert die heute (26.11.) vom Statistischen Landesamt vorgestellten neuen Daten: „Wir sind überrascht und erfreut über die unerwartet positive Entwicklung. Es erscheint jedoch zumindest fraglich, ob dieser deutliche Rückgang auf vermehrte Anstrengungen von Land und Kommunen zur Eindämmung des Flächenverbrauchs zurückzuführen war. Vielmehr dürften die schwache Konjunktur im Land und die hohen Boden- und Baupreise hieran einen erheblichen Anteil gehabt haben. Wir sind vorsichtig optimistisch, aber eine nachhaltige Trendwende ist für uns bislang nicht erkennbar.
Aktuell drohen der neu eingeführte Bauturbo §246e des Baugesetzbuchs und weitreichende Befreiungen für Kommunen und die Bundeswehr den Flächenfraß sogar wiederanzuheizen und die bereits prekäre Situation für Böden und Biotopverbund absehbar wieder zu verschärfen. Es bleibt keine Zeit, sich auf diesem Überraschungserfolg auszuruhen. Denn der Weg zur Nettonull ist noch weit und schon jetzt bereitet uns der mancherorts hohe Versiegelungs- und Zersiedelungsgrad im Ländle massive Probleme: aufgeheizte Städte, vermehrte Überflutungen und kaum mehr großräumig unzerschnittene Gebiete als zusammenhängende Lebensräume für Wildtiere.
Baden-Württemberg darf bei den Bemühungen, sparsam mit Flächen umzugehen, jetzt nicht nachlassen. Um eine echte Flächenkreislaufwirtschaft zu etablieren, braucht es ein deutlich ambitioniertes Vorgehen: Als BUND fordern wir die Einführung von Flächenkontingenten für Kommunen und landesweite Mindestwohnbaudichten. Ein Straßenbaustopp und der Verzicht, neue Baugebiete für Einfamilienhäuser auszuweisen, wären weitere wirkmächtige Hebel auf dem Weg zur Nettonull. Auch die neue Landesregierung wird sich daran messen lassen müssen, wie ernsthaft und zielgerichtet sie sich für Umbau und Sanierung, Mehrfachnutzung und Nachverdichtung einsetzt, statt kopflos dem Trend zur Planungsbeschleunigung mit der Brechstange zu folgen. Wir bleiben wachsam.“
Hintergrund: Das Statistische Landesamt (StaLa) hat die Systematik der Nutzungsarten in der Flächenerhebung 2024 aktualisiert. Die teilweise veränderte Zuordnung von Unterkategorien hat in der Statistik einen Anstieg der Siedlungsfläche und damit auch der Kenngröße Siedlungs- und Verkehrsfläche bzw. täglicher Flächenverbrauch von 5,1 ha/Tag im Jahr 2023 auf 13,1 ha/Tag im Jahr 2024 zur Folge. Lässt man diese Änderung außen vor, läge der tägliche Flächenverbrauch laut StaLa rein rechnerisch für 2024 bei 3,4 ha/Tag.
Weitere Informationen:
- Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes zur Flächenerhebung (26.11.25)
- Flächenfraß zerstört Vielfalt von Lebensräumen
Kontakt für Rückfragen:
- Bastian Greiner, Referent für Mobilität und Raumordnung beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, Bastian.Greiner(at)bund-bawue.de, 0711 620306-30
- Ramona Fritz, Referentin für Presse- & Öffentlichkeitsarbeit des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, Ramona.Fritz(at)bund-bawue.de, 0711 620306-17


