BUND Landesverband
Baden-Württemberg

BUND: Gäubahn-Anbindung des Stuttgarter Hauptbahnhofs über die Panoramabahn ist alternativlos

14. Juli 2022 | Verkehr (BW), Umweltpolitik (BW), Stuttgart 21 (BW), Mobilität, Klimaschutz (BW)

Der Umweltverband erteilt den Vorschlägen des Verkehrsstaatssekretärs Michael Theurer zur veränderten Streckenführung eine Absage. Auch diese Lösung würde eine Unterbrechung der Strecke bedeuten.

Die Gäubahn fährt bisher über die Panoramastrecke durch die Stuttgarter Innenstadt ohne Umstieg zum Hauptbahnhof.  (Julia Ellerbrock / BUND BW)

Stuttgart. Im Vorfeld der Sitzung des S21-Lenkungskreises am 18.7. und des Gäubahngipfels am 19.7. in Böblingen erneuert der BUND Baden-Württemberg seine Forderung nach einer dauerhaften, umstiegsfreien Anbindung des heutigen Stuttgarter Hauptbahnhofs über die Panoramabahn. Eine Kappung der wichtigen Eisenbahnstrecke zwischen Zürich und Stuttgart würde viele Pendler*innen und Fernreisende zum Umstieg auf das Auto motivieren und so der Mobilitätswende einen Bärendienst erweisen.

Die jüngst von Verkehrsstaatssekretär Michael Theurer und der Deutschen Bahn vorgeschlagenen Pläne zur Umleitung der Gäubahn über das obere Neckartal via Rottenburg und Tübingen sind für den Umweltverband eine Scheinlösung, die ebenfalls zu einer jahrelangen Abbindung des Stuttgarter Hauptbahnhofs führen und gravierende verkehrliche Nachteile für die Region mit sich bringen würde.

Gäubahn-Umleitung über Tübingen ist eine Scheinlösung

„Staatssekretär Theurers Vorschlag führt wiederum zu einer Unterbrechung der Gäubahn. Die Elektrifizierung der oberen Neckartalbahn ist allein keine Lösung. Denn es ist nicht damit getan, einfach nur eine Fahrleitung für den elektrischen Betrieb über die Strecke von Horb über Rottenburg bis Tübingen zu spannen. Gleichzeitig muss die eingleisige Regionalbahnstrecke fernverkehrstauglich ausgebaut und mit den Planungen für die Regionalstadtbahn Neckar-Alb abgestimmt werden. Das alles erfordert eine sorgfältige Vorgehensweise. Welche Infrastrukturmaßnahmen und Planungsverfahren letztlich daraus resultieren, lässt sich heute noch gar nicht seriös abschätzen. Auf jeden Fall benötigt dieser Prozess Zeit. Das ist im Zeitfenster bis 2025 gar nicht zu schaffen. Also droht auch bei dieser Lösung eine jahrelange Unterbrechung der Gäubahn“, erklärt Martin Bachhofer, BUND-Landesgeschäftsführer.

Als weitere Nachteile von Theurers Vorschlag bezeichnet er die Abkoppelung von Böblingen vom Fernverkehr. Auch bietet die obere Neckartalbahn für tausende Pendler*innen aus Freudenstadt, der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg und Böblingen nach Stuttgart keine Vorteile. „Erst jüngst hat ein Gutachten des verkehrswissenschaftlichen Instituts Stuttgart die hohen verkehrlichen Potenziale der Panoramabahn bestätigt. Diese müssen nun aktiviert werden. Anders sind die ambitionierten Klimaziele des Landes für die Mobilität nicht zu erreichen“, betont der BUND-Landesgeschäftsführer. Auch verweist er darauf, dass die Panoramabahn für einen möglichst störungsfreien S-Bahn-Betrieb als Ausweichstrecke systemrelevant ist. Über die Sommerferien werden zahlreiche S-Bahnen auch in diesem Jahr über die Panoramastrecke abgewickelt. „In der Gesamtbetrachtung gibt es nur eine Lösung: Die Gäubahn muss dauerhaft und ohne Unterbrechung über die Panoramabahn in den Stuttgarter Hauptbahnhof fahren. Davon profitieren alle in Stadt und Region. Die notwendigen Investitionen für einen dauerhaften Betrieb der Panoramabahn sind Peanuts im Vergleich zum Milliardenprojekt Pfaffensteigtunnel“, so Martin Bachhofer.

Auch verweist der BUND auf zahlreiche naturschutzfachliche Herausforderungen bei einem Streckenausbau der oberen Neckartalbahn. „Insbesondere zwischen Rottenburg und Horb sind verschiedene wertvolle Offenlandbiotope und Waldbiotope betroffen und zwischen Eyach und Mühlen auch das FFH-Gebiet ,Horber Neckarhänge‘. Hier muss naturschutzfachlich besonders sorgfältig gearbeitet werden“, betont der Landesgeschäftsführer.

Hintergrund

Die Gäubahn fährt bisher über die Panoramastrecke durch die Stuttgarter Innenstadt ohne Umstieg zum Hauptbahnhof. Geplant ist, dass sie zukünftig durch den neu zu bauenden sogenannten Pfaffensteigtunnel über den Flughafen durchgängig mit dem Hauptbahnhof verbunden ist. Obwohl diese Strecke nicht rechtzeitig fertig wird, möchte die Bahn die Panoramastrecke ab 2025 stilllegen.

Um die Rechtmäßigkeit dieser Unterbrechung zu prüfen, hatten die baden-württembergischen Umwelt- und Verkehrsverbände BUND, Landesnaturschutzverband, PRO BAHN und VCD bei Prof. Urs Kramer von der Universität Passau ein Gutachten zur Gäubahn (PDF, 334 KB) in Auftrag gegeben, Dieses wurde im Mai 2022 veröffentlicht und belegt, dass die geplante Unterbrechung der Gäubahn vom bestehenden Planfeststellungsbeschluss nicht gedeckt und der Abbau der Gleise somit nicht zulässig ist.

 

Weitere Informationen:

Kontakt für Rückfragen:

  • Martin Bachhofer, Landesgeschäftsführer Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND); Landesverband Baden-Württemberg e.V., martin.bachhofer(at)bund.net

 

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