PFAS im Papiermüll – und auf unseren Feldern

Teile von Mittelbaden und der Gegend um Mannheim sind durch die Papierindustrie mit der gefährlichen Ewigkeitschemikalie PFAS verseucht. Belastetes Trinkwasser muss auf Kosten der Allgemeinheit aufwendig gereinigt werden.

 (Hannes Schneider / BUND BW)

Die PFAS-Belastung in Mittelbaden und im Raum Mannheim zählt zu den größten bekannten Umweltkontaminationen dieser Art in Deutschland. Nach heutigem Kenntnisstand wurden über viele Jahre mit PFAS-Ewigkeitschemikalien belastete Papierfaserschlämme über Komposte auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht. Dadurch gelangten die langlebigen Chemikalien großflächig in Böden und von dort ins Grundwasser. Die Folgen beschäftigen Behörden, Wasserversorger, Landwirt*innen und Anwohner*innen seit mehr als einem Jahrzehnt und werden die betroffenen Regionen noch über viele Jahre begleiten.

 

PFAS gelangt kontinuierlich ins Grundwasser

Besonders betroffen sind die Regionen Rastatt/Baden-Baden sowie der Raum Mannheim. Insgesamt wurden dort weit über 1.000 Hektar landwirtschaftlicher Flächen mit PFAS belastet. Da sich die Stoffe im Boden kaum abbauen, werden sie bis heute ausgewaschen und gelangen kontinuierlich in das Grundwasser. Die Schadstofffahnen breiten sich mit dem natürlichen Grundwasserstrom aus und können Trinkwasserressourcen gefährden. Umfangreiche Untersuchungen, regelmäßige Messprogramme und computergestützte Grundwassermodelle zeigen, dass sich die Belastung über große Flächen erstreckt und langfristig überwacht werden muss.

 

Aufwendige Maßnahmen zum Schutz der Menschen notwendig

Zum Schutz der Bevölkerung wurden zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. Dazu gehören Beschränkungen für den Anbau bestimmter Kulturen auf belasteten Flächen, die Untersuchung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, die Kontrolle von Lebensmitteln sowie die Aufbereitung belasteten Trinkwassers. Wasserversorger mussten Brunnen außer Betrieb nehmen oder aufwendige Aktivkohleanlagen installieren, um die gesetzlichen Anforderungen einzuhalten. Gleichzeitig laufen Forschungsprojekte, die Möglichkeiten zur Sanierung belasteter Böden und zum Schutz des Grundwassers untersuchen. Eine schnelle oder vollständige Beseitigung der PFAS-Verunreinigung ist jedoch nach derzeitigem Stand nicht möglich.

Der Sachstandsbericht des Landes macht deutlich, dass die Bewältigung des Schadens bereits erhebliche öffentliche Mittel erfordert hat. Bis Mitte 2025 wurden rund 26 Millionen Euro für Untersuchungen, Forschung, Gefahrenabwehr sowie Maßnahmen in der Wasserwirtschaft bereitgestellt. Hinzu kommen erhebliche Aufwendungen der Wasserversorger, Kommunen und weiterer Betroffener. Der Fall zeigt beispielhaft, welche langfristigen ökologischen, gesundheitlichen und finanziellen Folgen der Eintrag persistenter Chemikalien verursachen kann. Aus Sicht des Umwelt- und Gesundheitsschutzes unterstreicht die Situation in Mittelbaden und Mannheim deshalb die Notwendigkeit, PFAS-Einträge konsequent zu vermeiden und die Stoffgruppe wirksam zu regulieren.

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