(Stefanie Hummel
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BUND BW)
Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, auch als PFAS-Ewigkeitschemikalien bekannt, sind eine Gruppe von mehr als 10.000 vom Menschen hergestellten Chemikalien, die sich in der Umwelt so gut wie nicht abbauen. Sie gelangen bei der Herstellung der Chemikalie aber auch durch Produkte und Abfälle in Böden, Flüsse, Grund- und Trinkwasser und können sich in Menschen sowie Tieren anreichern. Durch ihre breite Anwendung steigen die Konzentrationen in der Umwelt und in unseren Körpern kontinuierlich an. Immer mehr wissenschaftliche Studien weisen auf Risiken für Gesundheit und Natur hin. Aus Sicht des BUND ist deshalb entschlossenes Handeln erforderlich: Der Eintrag von PFAS muss an der Quelle gestoppt, belastete Standorte saniert und der Einsatz dieser Stoffe auf unverzichtbare Anwendungen beschränkt werden. Nur so lassen sich Trinkwasser, Ökosysteme und die Gesundheit heutiger und künftiger Generationen wirksam schützen.
PFAS: fast überall und extrem langlebig
Die besondere Gefahr von PFAS liegt in ihrer extremen Langlebigkeit. Aufgrund ihrer chemischen Struktur werden sie in der Umwelt kaum abgebaut und verbleiben über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte in Böden, Gewässern und Organismen. Einmal freigesetzt, lassen sie sich – wenn überhaupt – nur mit extremem technischem und finanziellem Aufwand wieder entfernen. Da Böden und Trinkwasser mit PFAS belastet sind, gelangen sie über Lebensmittel auch in den menschlichen Körper. Zahlreichen wissenschaftlichen Studien zufolge können einzelne PFAS unter anderem Störungen des Immunsystems, Organschäden, Schilddrüsenerkrankungen, Krebs, erhöhte Cholesterinwerte und Lebererkrankungen verursachen, die Wirksamkeit von Regelimpfungen mindern, die Fruchtbarkeit verringern sowie das Ungeborene im Mutterleib schädigen.
In diesen Produkten steckt PFAS
PFAS umfassen eine Stoffgruppe von über 10.000 chemischen Verbindungen mit unterschiedlichen Eigenschaften und Einsatzgebieten. Gemeinsam ist ihnen ihre hohe Beständigkeit gegenüber Wasser, Fett, Schmutz und Hitze. Deshalb werden sie seit Jahrzehnten in zahlreichen Industrieprozessen und Produkten eingesetzt – etwa in der Textil- und Papierverarbeitung, in Feuerlöschschäumen, der Metallveredelung oder der Halbleiterfertigung. Auch in vielen Alltagsprodukten können PFAS enthalten sein, beispielsweise in Outdoor-Bekleidung, beschichteten Pfannen, Kosmetika, Lebensmittelverpackungen oder Imprägniersprays. Die Verwendung von PFAS ist nicht kennzeichnungspflichtig. Deswegen können Verbraucher*innen oft gar nicht wissen, welche Produkte PFAS enthalten. Es gibt jedoch vereinzelt Hersteller, die ihre Produkte, beispielsweise Regenjacken, als „PFAS-frei“ oder „PFC-frei“ kennzeichnen. Auch das Gütesiegel „Blauer Engel“ ist ein Hinweis darauf, dass wenig Schadstoffe enthalten sind.
PFAS-Hotspots in Baden-Württemberg
Viele Gemeinden in Deutschland kämpfen schon seit Jahren mit PFAS-Kontaminationen, in Baden-Württemberg ist die PFAS-Belastung besonders sichtbar geworden.
In Mittelbaden und im Raum Mannheim hatte ein Kompostwerk PFAS-belastete Abfälle aus der Papierindustrie unter seine Produkte gemischt. Landwirtschaftliche Betriebe brachten diese zur Bodenverbesserung auf ihren Feldern nichtsahnend aus. Die Schadstoffe wanderten von dort in die Böden und ins Grundwasser. Die Folgen beschäftigen Behörden, Wasserversorger und Betroffene bis heute und verursachen weiterhin Millionenkosten. Hinzu kommen Belastungen im Umfeld von Industriestandorten, wie dem Werk von Solvay in Bad Wimpfen, wo PFAS über Jahre in die Umwelt gelangt sind. Diese Fälle zeigen, dass die Kosten und Folgen von PFAS-Einträgen oft erst lange nach der Freisetzung sichtbar werden.
Was können Verbraucher*innen tun?
Auch Verbraucher*innen können dazu beitragen, den Eintrag von PFAS in die Umwelt zu verringern. Wo immer möglich, sollten sie Produkte ohne PFAS bevorzugen – etwa bei Outdoor-Bekleidung, Imprägniersprays und beschichtetem Kochgeschirr. Bei Kosmetika hilft die ToxFox-App des BUND, problematische Inhaltsstoffe per Barcode-Scan zu erkennen und bewusstere Kaufentscheidungen zu treffen. Ebenso wichtig ist es, sich politisch für einen wirksamen Schutz vor PFAS einzusetzen. Denn nur durch verbindliche Regeln und ein weitgehendes Verbot lässt sich die Freisetzung dieser langlebigen Chemikalien dauerhaft begrenzen.
Die EU muss PFAS verbieten
Die EU ist am Zug: Jede Minute reichern sich mehr PFAS-Verbindungen in unserer Umwelt an. Die EU-Kommission kann das verhindern und muss nun endlich alle PFAS beschränken. Genau dies fordert auch die Europäische Chemikalienagentur (ECHA). Konkret bedeutet das: sofortiges Verbot für alle PFAS, für die es bereits Ersatzstoffe gibt. PFAS sollten nur noch dort zum Einsatz kommen, wo in absehbarer Zeit keine alternativen Lösungen möglich sind. Dafür muss die EU einen Plan auf den Weg bringen, wie sie bis 2030 aus Produktion und Verwendung der gesamten PFAS-Gruppe aussteigen kann. Da die große Vielfalt der Stoffe ihre Erfassung und Regulierung erschwert, muss hier das Vorsorgeprinzip gelten: Auch wenn noch nicht alle schädlichen Auswirkungen von allen PFAS nachgewiesen wurden, macht es Sinn, sie jetzt schon einzuschränken. Einmal in der Umwelt, können sie nie mehr vollständig entfernt werden.
Aber auch in Deutschland muss die Politik aktiv werden. Die PFAS-Belastung ist an vielen Orten bereits hoch. Eine Sanierung von besonders belasteten Standorten ist aufwendig und teuer. Notwendig ist daher eine nationale Strategie. Diese hätte zwei Aufgaben: Zum einen die systematische Identifikation von besonders belasteten Gebieten, zum anderen die Sanierung dieser Gebiete. Die Verursacher der Verschmutzung sollten an den Folgekosten beteiligt werden.
Pressemitteilungen zu PFAS
- BUND-Trinkwassertest: PFAS in Proben aus Baden-Württemberg nachgewiesen
- Einleitung PFAS-verseuchter Abwässer in den Neckar: BUND empört über Handlungsverweigerung der Behörde
- BUND-Petition zum PFAS-Verbot: Landesregierung muss sich für umfassende Beschränkung einsetzen
- BUND: PFAS in Baden-Württemberg
- BUND findet Ewigkeits-Chemikalien in Leitungswasser in Stuttgart


