BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Wespen: Nützliche Tierchen oder Gefahr aus dem Hinterhalt?

05. August 2022 | Artenschutz (BW), Streuobst (BW)

Ein Wespennest in Haus, Schuppen oder Garten zu finden, ist für die meisten Menschen keine schöne Überraschung. Doch nicht alle Wespen sind Störenfriede. Und nicht jedes Nest muss umgesiedelt werden.

Keine Panik. Nicht alle Wespen-Arten sind Störenfriede.  (Christoph Böhme)

Lästig für den Menschen sind nur zwei der 16 heimischen Wespenarten, die Gemeine und die Deutsche Wespe. Von Nahrungsmitteln angelockt, fliegen sie auf der Suche nach Süßem oder Eiweißhaltigem unseren Essenstisch an und werden aggressiv, wenn man sie verscheuchen will. Die anderen bei uns vorkommenden Arten interessieren sich nicht für unseren Speiseplan und stören uns daher nicht. Zu ihnen zählen beispielsweise die Haus-Feldwespe, die Mittlere Wespe und die Sächsische Wespe.

Die aggressiveren Arten fallen durch ihre gelb-schwarze Warnfarbe auf. Doch auch die Sächsische Wespe ähnelt sehr ihren aggressiveren Verwandten. Bei der Bestimmung der Wespenart hilft deshalb auch ein Blick auf die Nestbauweise. Die Nester der harmloseren Wespen sind meistens grau, frei hängend, bis fußballgroß oder im Fall der Feldwespen offen gebaut. Ab Mitte August verlassen die harmloseren Wespen ihre Behausungen. Die aggressiveren Arten bauen muschelförmige, hellbraune oder graue Lufttaschennester und können diese bis in den Winter bewohnen.

Mit den Untermietern arrangieren

Wespennester dürfen nur in besonderen Fällen entfernt werden. Denn alle Wespenarten sind durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt. „Wespen übernehmen wichtige Aufgaben in der Natur. Sie unterstützen uns sogar im Garten. Ein Wespenstaat kann bis zu 2 Kilogramm Insekten pro Tag vertilgen, zum Beispiel Blattläuse. Es macht also Sinn, sich mit den Untermietern zu arrangieren“, sagt Lilith Stelzner, Naturschutzreferentin beim BUND Baden-Württemberg. „In jedem Fall gilt: Wespen dürfen nicht getötet und die bewohnten Nester dürfen nicht einfach so entfernt, beschädigt oder zerstört werden.

Blende am Nest

Ist ein Nest von einer der harmloseren Wespen gebaut, kann eine Blende als Sichtschutz unter dem Nest angebracht werden. Dann sehen die Wespen keine menschlichen Bewegungen, fühlen sich nicht bedroht und lassen Menschen in Ruhe. Für eine Blende kann zum Beispiel mit zehn Zentimeter Abstand zum Nest ein Stück Stoff oder ein kleines Brett montiert werden. Bei Erdnestern kann ein kleiner Tunnel aus Rohren gebaut werden, um den Ein- und Ausgang zu verlegen.

Für die Montage ist lange, dicke Kleidung wichtig. Schnelle Bewegungen und Störungen direkt am Nest sollten vermieden werden. Kommt man dem Wespennest dennoch zu nahe und wird angegriffen, soll man sich zügig aber ruhig und ohne fuchtelnde Armbewegungen entfernen. Auf keinen Fall darf das Nest erschüttert werden.

Abstand halten

Um nicht gestochen zu werden, sollten Menschen auf Abstand gehen. „Manchmal sind auch einfache Maßnahmen sehr wirksam. Wenn sich das Nest vor einem Fenster befindet, können Betroffene ein Fliegengitter anbringen. So kommen die Wespen nicht mehr in die Wohnung. Kommt man einem Nest oder Wespe dennoch zu nahe, ist es wichtig, sich zügig, aber ruhig zu entfernen“, sagt Stelzner. 

Wespen gelangen manchmal auch durch Kabelöffnungen von Deckenlampen, Rohrleitungen oder Kaminzügen in die Wohnung. Dort befinden sich oft kleine Spalten. Wenn die Löcher mit Steinwolle oder Toilettenpapier geschlossen werden, gelangt kein verlockendes Zimmerlicht nach außen. So finden die Wespen den Eingang nicht mehr.

Für größere Kinder und Erwachsene sind einzelne Wespenstiche zwar unangenehm, aber normalerweise keine Gefahr. Speichel oder Zwiebelscheiben helfen gegen die Schwellung und den Schmerz. Treten nach einem Stich jedoch Schwindel, Übelkeit oder Herzrasen auf, könnten das Anzeichen für eine eher seltene Wespengift-Allergie sein. Dann sollte schnellstmöglich ein (Not-)Arzt aufgesucht werden.

Wespennest umsiedeln?

Ein altes Wespennest wird in der Regel kein zweites Mal bezogen. Wespen bauen auch keine neuen Nester in der Nähe eines alten Wohnsitzes. Deshalb ist es sinnvoll, verlassene Wespennester hängen zu lassen.

In Ausnahmefällen kann ein Wespennest auch umgesiedelt werden, wenn es Menschen gefährdet. Auf jeden Fall ist es besser, die Wespen umzusiedeln, statt sie zu vergiften. Das ist nicht nur günstiger, sondern erhält die unter Naturschutz stehenden Wespenpopulationen. Nur sachkundige Personen können bewohnte Nester umsiedeln. Für eine Umsiedlung werden die umherfliegenden Wespen in einen Fangkasten eingesaugt. Das Nest wird entfernt. Die Expert*innen transportieren das Nest und den Fangkasten zu einem neuen Standort in mindestens zwei Kilometern Entfernung. Allerdings geht das meist nur bis Mitte August. Danach sind die Nester oft zu groß. 

Die Kosten für eine Umsiedlung betragen im Frühling und Frühsommer etwa 100 Euro. Die Dauer beträgt je nach Lage und Zugänglichkeit des Nestes etwa eine Stunde. Im Spätsommer betragen die Kosten eher 250 bis 300 Euro, da die Nestentfernung länger dauert.

Wer hilft?

  • Bei Umweltämtern und/oder Naturschutzbehörden der Städte und Landkreise sowie bei den örtlichen BUND-Gruppen und anderen Naturschutzorganisationen kann nach Adressen für die Umsiedlung gefragt werden. 
  • In manchen Landkreisen Baden-Württembergs gibt es ausgebildete, ehrenamtliche Wespen- Fachberater*innen. Fragen Sie in der Unteren Naturschutzbehörde bei Ihrem Landratsamt (in Stadtkreisen: Stadtverwaltung), ob es einen Beratungsservice gibt und welche Hilfe diese Fachleute genau leisten.
  • In einigen Städten und Gemeinden hilft die Feuerwehr.
  • Wenn Sie eine*n Imker*in Ihrem Bekanntenkreis haben, könnten auch diese weiterhelfen.
  • Schließlich gibt es mittlerweile einige Schädlingsbekämpfungsunternehmen, die umweltfreundlich und tiergerecht Wespen umsiedeln.

Über den Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e.V.

In Baden-Württemberg engagiert sich der BUND seit mehr als 55 Jahren für den Erhalt einer lebenswerten Zukunft, für Natur, reine Luft, sauberes Wasser und gesunde Lebensmittel. Der BUND in Baden-Württemberg ist ein demokratischer Mitgliederverband. Rund 95.000 Unterstützer*innen ermöglichen das. Die Arbeit seiner mehr als 5.000 ehrenamtlich aktiven Mitglieder ist Herz und Hand des Verbands. Aktuelle Themenschwerpunkte des BUND sind Klimaschutz, Insektenschutz, Biotopvernetzung und Nachhaltigkeit. Auf der Landesdelegiertenversammlung wählen rund 100 Delegierte alle drei Jahre den Landesvorstand.

Kontakt für Rückfragen:

  • Lilith Stelzner, Naturschutzreferentin Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Baden-Württemberg e.V., lilith.stelzner(at)bund.net, 0711 / 620 306-14

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