BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Wespen: „Immer die Ruhe bewahren“

05. August 2020 | Aktiv im Naturschutz (BW), Artenschutz (BW), Streuobst (BW), Nachhaltigkeit

Der BUND prüft die gängigsten Tipps und Mythen und rät: Wespen am besten beobachten und gewähren lassen.

Wer die Wespen gewähren lässt und ihnen ein Stück vom kulinarischen Glück gönnt, hat in der Regel nichts zu befürchten.  (Albert Koch)

Es ist Sommer. Und wir Menschen nutzen die warmen Tage für ein Picknick im Park, Garten oder Balkon. Oft locken wir mit Zucker und Fleisch auch ungebetene Gäste an unseren Tisch: Wespen. „Normalerweise trauen sich nur zwei der sechzehn heimischen Wespenarten an unsere gedeckten Tische, nämlich die Gewöhnliche Wespe und die Deutsche Wespe“, sagt Naturschutz-Referentin Lilith Stelzner vom BUND Baden-Württemberg. „Alle anderen Wespen-Arten interessieren sich nicht für unser Essen. Viele Arten vertilgen vor allem Fliegen, Mücken, Raupen, Motten oder Spinnen.“

Helfer im Garten: Wespen vertilgen bis zu zwei Kilogramm Insekten pro Tag

Wespen sind ein Teil der Natur und sehr nützlich. „Wespen gehören zum Sommer dazu. Das müssen wir akzeptieren. Zudem übernehmen sie wichtige Aufgaben in der Natur. Sie unterstützen uns sogar im Garten. Ein Wespenstaat kann bis zu zwei Kilogramm Insekten pro Tag vertilgen, zum Beispiel Blattläuse. Durch ihre Insektenjagd sorgen sie für einen ausgewogenen Naturhaushalt. Außerdem können Wespen auch Pflanzen bestäuben. Es macht also Sinn, sich mit den Untermietern zu arrangieren“, sagt Lilith Stelzner. „In jedem Fall gilt: Wespen dürfen nicht getötet und die bewohnten Nester dürfen nicht einfach so entfernt, beschädigt oder zerstört werden. Denn Wespen stehen unter Naturschutz.“

Tipps gegen Wespen

Damit wir die Wespen erst gar nicht zu uns locken, hilft:

  •  Speisen abdecken und süße Getränke verschließen.
  • Auf parfümierte Shampoos, Dusch- und Körper-Lotionen verzichten.
  • Mit sehr reifem Obst Wespen an einen anderen Futterort locken. Besonders eigenen sich halbierte reife Weintrauben. 
  • Ätherische Öle, wie die Duftkombination von Zitrone und Gewürznelken, mögen Wespen nicht.
  • Mit Sprüh-Flasche Regen simulieren, da Wespen bei Regen Schutz suchen oder zurück ins Nest fliegen. Nur eine gereinigte Sprühflasche benutzen ohne schädliche Rückstände von Putzmitteln oder ähnlichem.
  • Sehr bunte Kleidung lockt Wespen an. Daher, wenn man nicht mit Wespen auf Tuchfühlung kommen will, vermeiden.

Wespe am Tisch? Entspannt bleiben!

„Wenn sich dennoch mal eine Wespe zu uns an den Tisch gesellt, Ruhe bewahren. Außerhalb ihres Nests sind Wespen friedlicher als gedacht.  Um-sich-Schlagen ist kontraproduktiv“, erklärt Lilith Stelzner. „Denn die Tiere nehmen unsere Angst wahr und Angstschweiß versetzt sie in Alarmbereitschaft. Auch Wegpusten hilft nicht weiter. Es zeigt sich, dass das ausgeatmete CO2 Wespen aggressiver macht.“

Mythen: Was eher nicht hilft: 

Die gängigsten Irrtümer im Check. 

  • Kaffee ankohlen: Scheint bei vielen Personen zu helfen, auch wenn es keinen wissenschaftlichen Beleg dafür gibt.
  • Papier-Kugeln aufhängen: Die zwei Wespen-Arten, die uns Menschen stören, die Deutsche und die Gemeine Wespe, haben ihre Nester im Boden oder versteckt im Dunkeln wie beispielsweise in Rollladenkästen. Sie werden sich daher wenig von einer Papierkugel, die ein freihängendes Nest eines anderen Wespenvolks imitieren soll, beeindrucken lassen.
  • Kupfermünze auslegen: Für die Wirkung von Kupfermünzen gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg.

Wovon der BUND abrät: 

  • Säfte, Bier oder andere für die Wespen schmackhafte Flüssigkeiten aufzustellen. Diese werden häufig zu Todesfallen, weil Wespen und andere Insekten darin ertrinken.
  • Ultraschallgeräte zur Wespenabwehr scheinen auf den ersten Blick eine gute giftfreie Lösung zu sein. Aber: Wespen können nicht wirklich ‚hören‘ und würden sich nicht von den Geräten abhalten lassen. Außerdem kann das Ultraschallgerät andere Tiere wie Hund, Katze oder Igel stören und vertreiben. Auch für Kinder und Jugendliche kann das ‚Dauerpiepen‘ der Ultraschallgeräte gesundheitsschädlich sein.

Ein kurzes Leben: Mit dem Sommer endet das Wespen-Leben

Wer Wespen gewähren lässt und ihnen ein Stück vom kulinarischen Glück gönnt, hat in der Regel nichts zu befürchten. Im Gegenteil: Der kann vielleicht sogar beobachten, wie sie geschickt ein kleines Stück aus einem Kuchenstück herausoperieren und mit der Beute davonfliegen. Es sei ihnen gegönnt. Denn was für uns nur die letzten Sommerwochen des Jahres sind, sind für die Wespen die letzten Tage ihres Lebens. Nur die jungen befruchteten Wespenköniginnen überwintern. Erst im nächsten Sommer schlüpfen neue Wespen und halten uns dann wieder als Insekten-Vertilger so manche Fliege vom Leib.

Kontakt für Rückfragen: 

  • Lilith Stelzner, Naturschutz-Referentin Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland, Landesverband Baden-Württemberg e.V., lilith.stelzner@bund.net;  0711 620306-14
  • Angela Koch, Referentin für Öffentlichkeits- und Pressearbeit, BUND Baden-Württemberg, angela.koch(at)bund.net, 0176 240 43 107 

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