Nilgans

Die Nilgans ist inzwischen in vielen Stadtparks aber auch Freibädern oder Badeseen im Land anzutreffen. Wie der Name verrät, kam sie ursprünglich vor allem am längsten Fluss Afrikas, dem Nil, vor. Aufgrund der Klimakrise fühlt sie sich inzwischen auch in Europa wohl.

Die Nilgans ist inzwischen auch in Baden-Württemberg häufig zu sehen.  (Kerstin Schneider)

Aussehen und Verhalten

Die Nilgans (Alopochen aegyptiacus) gehört zur Familie der Entenvögel. Sie ist eine sogenannte Halbgans, die in Aussehen und Verhalten zwischen Gans und Enten steht. Aufgrund ihrer kräftigen Färbung ist sie ein echter Hingucker im Vergleich zu heimischen Gänsen. Zu den äußeren Merkmalen gehören:

  • auffällig lange rote Beine
  • rotbrauner Ring um die Augen
  • weißgrauer Kopf mit variablem rostroten Nackenfleck oder Halsring
  • dunkelbrauner Rücken sowie Bauchgefieder in beige und grau
  • Am Flügel kann seitlich die weiße Zeichnung zu sehen sein
  • Größe von 63 bis 72 Zentimetern
  • Gewicht von 1,9 bis 2,4 Kilogramm

Anders als bei vielen Vogelarten, gibt es keine äußerlichen Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Nilgänsen (Geschlechtsdimorphismus). 

Nilgänse sind tagaktiv und bevorzugen offene Flächen. Aggressiv verhalten sie sich nur in besonderen Situationen – etwa, wenn sie bei Fütterung um Nahrung konkurrieren, Nest oder Jungvögel beschützen oder sie sich schlicht zu nahekommen. Denn Nilgänse bevorzugen einen Abstand von 30 bis 50 Zentimetern zu anderen Tieren.

Fortpflanzung

Mit ein bis zwei Jahren sind Nilgänse geschlechtsreif. Sie brüten bis zu dreimal im Jahr von Ende Februar bis September. Dabei legen sie jeweils sechs bis neun Eier. Bei der Wahl des Nistplatzes sind Nilgänse flexibel und brüten etwa im Gras, auf Bäumen oder Gebäuden, jedoch nie weit vom Wasser entfernt. Während der Brutzeit von 28 bis 30 Tagen sind sie territorial und verteidigen ihr Nest. Durchschnittlich werden nur zwei Jungtiere eines Geleges flügge. Dafür brauchen sie etwa 65 bis 70 Tage. Danach leben die Tiere aber noch einige Wochen im Familienverband zusammen.

Lebensraum und Nahrung

Nilgänse haben außer der Nähe zum Wasser keine besonderen Ansprüche an ihren Lebensraum. Sie ernähren sich überwiegend pflanzlich von frischem Gras oder Sämereien. In Baden-Württemberg sind sie überwiegend im Siedlungsbereich zu finden:

  • in Stadtparks
  • auf Golfplätzen
  • sonstige Grünanlage mit Wasserzugang wie etwa Freibäder oder Badeseen

Verbreitung in Baden-Württemberg

Ursprünglich stammen Nilgänse aus Afrika. Ihr Hauptverbreitungsgebiet lag am Nil. Heute kommt die Art an Flüssen und Seen in ganz Afrika vor und ist einer der häufigsten Wasservögel des Kontinents.

Bereits die alten Ägypter, Griechen und Römer hielten Nilgänse als Ziervögel. In Westeuropa begann ihre Haltung im 18. Jahrhundert. In Deutschland breiteten sich wohl vor allem Tiere aus den Niederlanden aus, die dort aus Gefangenschaft entkommen waren. Seit 1985 brütet die Art regelmäßig in Deutschland. Inzwischen gibt es schätzungsweise zwischen 8.000 und 12.000 Tiere. Schwerpunkt der Verbreitung ist der Niederrhein; sie breitet sich aber von dort zunehmend nach Osten aus.

Erste vereinzelte Beobachtungen von Nilgänsen in Baden-Württemberg gab es am Rohrsee (1958), Bodensee (1959, 1968, 1969), in Ulm (1969) und Heilbronn (1969). Die erste bekannt gewordene erfolgreiche Brut in Baden-Württemberg gelang der Nilgans 1993 im Illertal bei Dettingen im Landkreis Biberach. Seitdem steigen ihre Zahlen im Land kontinuierlich an.

Inzwischen gibt es laut dem Wildtierbericht 2024 in Baden-Württemberg Brutnachweise von Nilgänsen in fast 700 Gemeinden. Die landesweite Wasservogelerfassung zählte im Winter 2020/21 rund 1.500 Exemplare.

Nilgans als invasive Art

Die Nilgans ist von der Europäischen Union (EU) seit 2017 als invasiv gelistet und gilt inzwischen als etabliert. Für Baden-Württemberg ist ihre Invasivität nicht nachvollziehbar. Da ausreichend Nahrung für die Gans vorhanden ist, geht eine Gefahr für heimischen Arten hauptsächlich von einer möglichen Konkurrenz um Brutreviere aus. Allerdings fehlen bislang Beobachtungen darüber, wie oft Nilgänse heimische Arten von ihren Brutplätzen vertreiben und ob das überhaupt einen negativen Einfluss auf die Populationen haben könnte. Deswegen ist es wichtig, die Ausbreitung der Art und ihre Auswirkungen zu dokumentieren.

Die Hinterlassenschaften der Tiere ärgern oder ekeln zwar einige Menschen. Aber hygienische Probleme oder Schäden auf Äckern sind bei der Art nicht größer als bei heimischen Gänsen.

Grundsätzlich sind die Auswirkungen von Wasservögeln meistens nur sehr lokal wirksam. Zudem können Nilgänse auch positive Einflüsse haben: Für Kiebitze haben die größeren Vögel eine Art Schutzfunktion, die eine erfolgreiche Brut wahrscheinlicher macht.
 

Maßnahmen für das Management der Nilgans als invasive Art umfassen:

  • Populationskontrolle oder Jagd: In Baden-Württemberg dürfen erwachsene Nilgänse von August bis Februar und Jungtiere ganzjährig außerhalb der allgemeinen Schonzeit (16. Februar bis 15. April) gejagt werden. Das Töten der Tiere ist jedoch wenig zielführend, da meist neue nachkommen.
  • Gelegemanagement: Eier werden aus Nestern entfernt oder angestochen. Die Maßnahme ist aber nicht flächendeckend umzusetzen, da die Nester häufig unzugänglich sind.
  • Einschränkung nutzbarer Lebensraumkapazitäten vor allem im städtischen Bereich: Das Füttern von Nilgänsen verbieten und geschlossene Müllbehälter aufstellen. Während der Brutzeit kann man auch mobile Zäune aufstellen, um die Sicht der Gänse zwischen Rasenfläche und Fluchtgewässer zu stören. Auch eine gestaffelte Mahd ist eine vielversprechende Maßnahme. Denn Nilgänse lieben kurzen Rasen. Im Schlossgarten und Rosensteinpark mäht die Stadt Stuttgarter viele Wiesen weniger, um die Gänse zu vergrämen. Im Freibad kann man Randbereiche ebenfalls weniger mähen oder die Gänse mit Hilfe von Sonnensegeln am Landen hindern. Denn Nilgänse lieben einen freien Anflug.
     

Was jede*r Einzelne tun kann:

  • Nilgänse bitte nicht füttern!
  • Mindestens einen Meter Abstand halten, vor allem wenn die Altvögel Junge haben!

Unnützes Wissen

  • Verehrt: In ihrer afrikanischen Heimat galt die Nilgans als heiliger Vogel, der dem Gott Amun geweiht war.
  • Verkackt: Teils überzogene Zahlen zur angeblichen Kotmenge von zwei bis drei Kilo pro Tag und Tier sind laut Studien nicht haltbar. Expert*innen gehen von einem Trockengewicht von rund 58 Gramm und einem Nassgewicht von etwa 290 Gramm Kot pro Tag je Nilgans aus.
  • Verbreitet: Keine andere nicht-heimische Vogelart hat sich so rasch verbreitet wie die Nilgans. In zehn Jahren hat sich ihr Verbreitungsgebiet in Baden-Württemberg mehr als verdoppelt.

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