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BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Mikroplastik – so klein und so gefährlich

Unsere Gewässer und damit auch das Grund- und unser Trinkwasser sind heute einer Vielzahl von Bedrohungen ausgesetzt. Eine davon ist die Verschmutzung durch Plastikmüll.

Prallgefüllte Plastikmüllsäcke liegen am Straßenrand. Nicht einmal zehn Prozent des jemals produzieren Kunststoffes sind recycelt worden.  (Laura Buschhaus / BUND BW)

Besonders gefährlich sind die teilweise mikroskopisch kleinen Plastikteilchen im Größenbereich von unter fünf Millimetern, sogenanntes Mikroplastik. Kunststoff wirkt aufgrund seiner Oberflächeneigenschaften wie ein Magnet auf Umweltgifte, wie ein Forschungsprojekt der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) ergab. Viele Sorten Mikroplastik sind nicht oder nur schwer biologisch abbaubar und Kläranlagen sind nicht in der Lage, Mikroplastik komplett herauszufiltern.

Reifenabrieb, Kosmetika und Kleiderfasern

Unterschieden wird in primäres und sekundäres Mikroplastik. Ersteres wird schon in der später verwendeten Größe produziert und kommt zum Beispiel in der Industrie als Rohware für Plastikprodukte und als Strahlmittel zur Säuberung zur Anwendung. In Haushalten steckt es unter anderem in Reinigungsmitteln und Kosmetika. Sekundäres Mikroplastik bezeichnet Teile, die schon zerfallen sind, wie die jährlich etwa 120.000 Tonnen Reifenabrieb in Deutschland. Diese feinen Gummipartikel stellen den größten Anteil an Mikroplastik dar. Je schwerer das Fahrzeug ist, desto stärker ist der Reifenabrieb. Sekundäres Mikroplastik entsteht auch, wenn längere Fasern aus Kleidungsstücken beim Waschen in kürzere Teile zerfallen oder Lacke abblättern.

Mikroplastik in allen Tiefen des Meeres

Eine Studie von fünf Bundesländern hat 2018 gezeigt, dass auch in Flüssen und Seen in Baden-Württemberg unzählige mikroskopisch kleine Plastikpartikel schwimmen. Es findet sich zudem in allen Tiefen des Meeres und wurde zum Beispiel bereits in Kleinstlebewesen (Zooplankton), Muscheln, Würmern, Fischen und Seevögeln gefunden. Von Fischen und Muscheln ernähren sich Meeressäuger, Vögel – und wir Menschen.

Kürzeres Leben und verminderte Fruchtbarkeit

Je kleiner die Teilchen sind, desto höher ist die Anzahl der Lebewesen, die es mit ihrer Nahrung aufnehmen und auch nicht wieder ausscheiden. Mikroplastik und die an ihm heftenden Schadstoffe können unter anderem das Leben des Tieres verkürzen und zu verminderter Fruchtbarkeit führen. Über die Auswirkungen auf den Menschen ist bis jetzt nur wenig bekannt. Laut der vom WWF beauftragte Studie „No Plastics in Nature: Assessing Plastic Ingestion from Nature to People“ nehmen Menschen weltweit durchschnittlich bis zu fünf Gramm Mikroplastik pro Woche über Nahrung, Luft und Wasser auf, das entspricht etwa dem Gewicht einer Kreditkarte.

Übrigens: Teilweise wird zwischen Mikro- und Nanoplastik unterschieden. Der BUND tut dies nicht. Die Obergrenze für Nanoplastik liegt je nach Definition bei etwa einem tausendstel Millimeter.

Der BUND fordert:

  • Absoluten Vorrang müssen Maßnahmen haben, die an der Quelle ansetzen, damit Mikroplastik erst gar nicht produziert und eingesetzt wird und dadurch in die Umwelt gelangt.
  • Die EU muss synthetische Polymere jeglicher Größe und Formmasse in Kosmetik- und Körperpflegeprodukten verbieten.
  • Bei Industrie- und Haushaltschemikalien, Kosmetika, Hygieneerzeugnissen, Pestiziden, Bioziden und Arzneimitteln muss die Gewässer- und Trinkwasserverträglichkeit von neutraler Stelle bewertet werden. Können Mikroschadstoffe ersetzt werden, dürfen sie nicht weiter produziert werden.
  • Sind gewässerschädliche Mikroschadstoffe in Produkten enthalten, muss dies klar und verständlich gekennzeichnet sein.
  • Die Kosten für die Beseitigung von Mikroschadstoffen müssen die Verursacher tragen.
  • Die Politik muss den Schienen-, Rad- und Fußgängerverkehr deutlich stärken, um Fahrten mit dem Auto unattraktiv zu machen.
  • Bereits entstandenes Mikroplastik muss durch Reinigungs- und Filtertechnik so gut es geht abgesammelt werden. Zudem brauchen wir Straßenbeläge, die die Abreibung minimieren oder die Abriebpartikel besser halten oder filtern.
  • Die Flottenpolitik der Automobilkonzerne muss sich ändern: von schweren Fahrzeugen wie SUVs hin zu kleinen, leichten Autos.

Was jede*r tun kann:

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Ansprechpartner Umwelt und Energie

Fritz Mielert

Umweltschutzreferent
E-Mail schreiben Tel.: (0711) 620306-16

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