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BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Arzneimittelrückstände – unerwünschte Nebenwirkungen

Medikamentenrückstände gelangen über das Abwasser ins Grundwasser sowie in Oberflächengewässer. Die Auswirkungen sind größtenteils noch unerforscht.

Ein Glas Wasser steht auf einem Tisch. Daneben liegen verschiedene Tabletten. Unser Arzneimittelkonsum steigt stetig an, Rückstände gelangen immer wieder ins Trinkwasser.  (Julia Ellerbrock/BUND BW)

Unter anderem durch Industrieabfälle, unseren Urin und unsachgemäße Entsorgung von Arzneimitteln über die Toilette gelangen Medikamentenrückstände über das Abwasser ins Grundwasser sowie in Oberflächengewässer. Arzneimittel, die Tieren gegeben werden, gelangen als Gülle auf die Felder und von dort ebenfalls ins Grundwasser. Da sie sehr schwer abbaubar und herauszufiltern sind, gelangen von den Stoffen immer wieder Reste ins Trinkwasser. Laut einer OECD-Studie vom November 2019 wurden hierzulande über 150 Wirkstoffe von Arzneimitteln in der Umwelt nachgewiesen, womit Deutschland neben den USA, Frankreich, Spanien und Großbritannien die höchste Belastung aufweist.

Ein Drittel der Medikamente ist für die Umwelt giftig

Der Arzneimittelkonsum steigt stetig an, wie der Bericht über Arzneimittelrückstände in Trinkwasser und Gewässern des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag beschreibt. Von 2002 auf 2012 erhöhte sich allein der Verbrauch von Humanarzneimitteln in Deutschland um 30 Prozent. Dabei sind 33 Prozent der Human- und 45 Prozent der Tierarzneimittel für die Umwelt giftig. Ungefähr 2.300 zugelassene Wirkstoffe sind allein in Humanarzneimitteln enthalten. Schon sehr geringe Konzentrationen dieser Stoffe können fatale Folgen für Wasserlebewesen haben.
Das Gefährliche: Die Auswirkungen sind größtenteils noch unerforscht. Große Wissenslücken bestehen über Vorkommen und Wirkungen von Arzneimittelrückständen in der Umwelt und speziell im Wasser. Aktuell gibt keine Hinweise für eine akute oder chronische Gesundheitsgefährdung von Menschen durch Arzneistoffe im Trinkwasser. Bei steigenden Konzentrationen müssen jedoch Risikogruppen wie Kleinkinder, Schwangere oder ältere Menschen vorsichtig sein.

Antibabypille für Amphibien?

Auch Hormone und hormonähnlich wirkende Stoffe sind eine große Belastung für unsere Wasserqualität. Sie gelangen durch Industrieabfälle und menschlichen Urin ins Abwasser. So zum Beispiel Bisphenol A (BPA), das unter anderem zur Herstellung von Plastikflaschen und zur Sanierung von Trinkwasserleitungen verwendet wird und hormonell wirksam ist. Das künstliche Östrogen 17α-Ethinylestradiol, kurz EE2, ist in der Antibabypille zur Empfängnisverhütung enthalten. Forscher*innen vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und der Universität Wroclaw ermittelten in einer Studie, dass EE2 zur vollständigen Verweiblichung genetischer Amphibien-Männchen führen kann. Dass diese Stoffe im Wasser auch auf den Menschen Auswirkungen haben, liegt nahe.

Der BUND fordert:

  • Der BUND fordert in seiner Mikroschadstoffstrategie Werbeverbote und eine Verschreibungspflicht für umweltschädliche Humanarzneimittel. Zudem muss bei Neuzulassungen geprüft werden, ob es eine umweltfreundlichere Alternative gibt. Wenn das nicht sofort möglich ist, muss mit klaren, warnenden Kennzeichnung als "gewässerschädlich" verhindert werden, dass das Arzneimittel übermäßig und unsachgemäß angewendet wird.
  • Die Haltungsbedingungen für Nutztiere müssen so verbessert werden, dass die Tiere Medikamente nur im Ausnahmefall brauchen und nicht „serienmäßig“ darauf eingestellt werden.
  • Für Unternehmen, die Abwasser in Gewässer oder in die öffentliche Kanalisation einleiten, müssen strengere Vorgaben zur betrieblichen Reinigung gelten.

Was jede*r tun kann:

  • Sprechen Sie mit Ihren Ärzt*innen oder Apotheker*innen über Alternativen zu den vorgeschlagenen Medikamenten und informieren Sie sich über deren korrekte Anwendung.
  • Entsorgen Sie keine Arzneimittel über die Toilette oder Spüle. In den meisten Fällen können Medikamente und Arzneimittel in der Restmülltonne entsorgt werden, in speziell dafür vorgesehenen mobilen Schadstoff-Sammelstellen oder in Recyclinghöfen. Auch bieten einige Apotheken die Rücknahme von Medikamenten auf freiwilliger Basis an.

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