Der BUND fordert ein Nein zum CCS-Gesetz im Bundesrat.
(BUND BW)
- Warnung vor Zustimmung zu Kohlendioxid-Speicherungsgesetz
- Verfahren zum Abscheiden und Speichern von CO₂ ist teuer, energieintensiv und risikoreich
- Investition in natürliche Kohlenstoffspeicher sinnvoller
Stuttgart. Vor der Bundesratssitzung am Freitag warnt der Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Baden-Württemberg eindringlich, den Plänen zur Änderung des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes zuzustimmen. Die vorgesehenen Regelungen zum Abscheiden und Speichern von CO₂ würden die Energiewende ausbremsen und fossilen Industrien sogar neue Geschäftsmodelle eröffnen – mit gravierenden Folgen für Klima und Umwelt.
Sylvia Pilarsky-Grosch, BUND-Landesvorsitzende: „Die Technik ist aufwendig, teuer und birgt durch die notwendige Infrastruktur zum Transport von Kohlendioxid erhebliche Risiken. Niemand kann garantieren, dass die Speicher über Jahrhunderte dicht bleiben und Leitungen Anschläge oder Naturkatastrophen unbeschadet überstehen. Wir sehen nicht, wie die Bevölkerung im Land überzeugt werden soll, solche Gefahren in der Nachbarschaft zu akzeptieren. Sowohl die Landes- als auch die Bundesregierung setzen damit auf eine gefährliche Scheinlösung mit enormem zusätzlichem Energie- und Ressourcenverbrauch, die in anderen Ländern bereits gescheitert ist. Dieser Irrweg wirft Deutschland und Baden-Württemberg energie- und industriepolitisch weit zurück.“
Der BUND kritisiert insbesondere die Öffnung der CO₂-Infrastruktur für nahezu alle Industriebereiche. Unter dem Deckmantel der Klimaneutralität könnten fossile Konzerne ihr Geschäftsmodell damit sogar noch ausweiten: Je mehr CO₂ entsteht, desto lukrativer und attraktiver das System. Gleichzeitig würden Anreize, innovative Technologien und Alternativen zur Vermeidung von Emissionen auszubauen, dadurch nicht mehr weiterverfolgt werden.
Fehlentwicklung stoppen
Sylvia Pilarsky-Grosch: „Statt vorhandene Potenziale zum Einsparen und Vermeiden von CO₂ auszuschöpfen, soll CCS mit dem Gesetz gar als ‘überragendes öffentliches Interesse‘ eingestuft und hoch subventioniert werden. Damit würden Investitionen in innovative Verfahren und erneuerbare Energien systematisch benachteiligt, Umwelt-, Natur- und Wasserschutz geschwächt und Beteiligungsrechte der Öffentlichkeit eingeschränkt. Statt wirksamen Klimaschutz zu stärken, sollen Milliarden in eine Technik fließen, die Risiken schafft, aber keine Probleme löst. Baden-Württemberg muss diese Fehlentwicklung im Bundesrat stoppen!“
In einer einstimmig verabschiedeten Resolution fordern rund 150 Delegierte des BUND die Bundesratsmitglieder auf, den Gesetzentwurf zurückzuweisen. Denn Klimaschutz heißt Prioritäten setzen. Ein schneller und naturverträglicher Ausbau erneuerbarer Energien ist unverzichtbar. Klima- und umweltschädliche Produktion und Verbrauch müssen sinken, die Industrie muss konsequent dekarbonisiert und eine echte Kreislaufwirtschaft aufgebaut werden. Gleichzeitig braucht es die Stärkung natürlicher CO₂-Speicher wie wiedervernässte Moore, naturnahe Wälder und gesunde Böden.
Hintergrund:
Der Gesetzentwurf zur Änderung des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes wurde am 06. November 2025 im Bundestag verabschiedet. Der Bundesrat hat nun die letzte Möglichkeit, das Gesetz zu stoppen und echten Klimaschutz einzufordern. Der Aufbau und Betrieb einer CCS-Infrastruktur würde enorme Mengen zusätzlicher Energie verbrauchen, Milliarden verschlingen und dennoch keine verlässliche Lösung bieten. Risiken und Folgekosten blieben bei Staat und Verbraucher*innen.
In den USA kommt es immer wieder zu Unfällen mit CO₂-Leitungen. 2020 verursachte ein Erdrutsch einen Rohrbruch in einer unterirdischen CO₂-Pipeline im Bundesstaat Mississippi. 45 Menschen aus der einen Kilometer entfernt liegenden Ortschaft Satartia mussten wegen Erstickungssymptomen im Krankenhaus behandelt werden.
CO₂-Leitungsnetze und Endlager würden zudem erhebliche Flächenkonkurrenz auslösen, Natur- und Umweltbelange schwächen, Beteiligungsrechte beschneiden und langfristige Gefahren für Gesundheit, Trinkwasser und Ökosysteme schaffen. Auch der Weltklimarat (IPCC) stuft CCS als teuerste und unsicherste Maßnahme mit dem geringsten Wirkungspotenzial zur CO₂-Reduktion ein.
Protest vor dem Bundesrat
Zur Bundesratssitzung am Freitag, dem 21.11.2025 plant der Bundesverband des BUND gemeinsam mit den Landesverbänden eine Protestaktion vor dem Bundesrat, Leipziger Straße 3-4 in Berlin. Die Presse ist ab 8:45 Uhr herzlich eingeladen.
Mehr Informationen:
- BUND: Carbon Management trägt nur minimal zur Rettung des Klimas bei
- Resolution des BUND
- Klimaschutz statt CO₂-Endlager!
Kontakt für Rückfragen:
- Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, Sylvia.Pilarsky-Grosch(at)bund-bawue.de, 0172 8344294
- Ramona Fritz, Referentin für Presse- & Öffentlichkeitsarbeit des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, Ramona.Fritz(at)bund-bawue.de, 0711 620306-17


