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BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Großer Feuerfalter in Enzaue nachgewiesen

04. Februar 2020 | Artenschutz (BW), Naturschutzpolitik (BW), Schmetterlingsland (BW)

Neues Gutachten stärkt Naturschutz. Umweltverbände fordern Stopp der Planungen für Umgehung und neue Diskussion um Lang-Tunnel.

Auf der Rroten Liste stehende Arten werden oft übersehen. Mehr Gründlichkeit in den Gutachten ist gefordert.  (scarlet61 / fotolia.com)

Der EU-weit gefährdete "Großer Feuerfalter" kommt nach 2019 durchgeführten Untersuchungen des Biologen und Gutachters Steffen Caspari in der Vaihinger Enzaue bei Enzweihingen vor. Caspari, der bundesweit ökologische Gutachten erstellt, bezeichnet die Population des Falters in einem für die Schutzgemeinschaft Mittleres Enztal ergänzten Gutachtens von 2018 als "signifikant und etabliert" an.

Zusammenfassend ist laut Caspari festzustellen: „Dass für gleich mehrere relevante Artengruppen beziehungsweise aufgrund der Biotopstruktur zu erwartenden gefährdeten Arten keine Untersuchungen stattfanden, was als gravierender methodischer Mangel zu bezeichnen ist“. Zudem kommt er aufgrund der zusätzlichen Funde gefährdeter Arten im Jahr 2019 nun zur Gesamteinschätzung: „Der Untersuchungsraum für die geplante B10-Ortsumgehung besitzt damit eine sehr hohe naturschutzfachliche Wertigkeit. Die Biotop- und die Habitat-Qualität der wertgebenden Arten sollten geschützt, Eingriffe sollten vermieden werden. Alternativen für die Ortsumgehung sollten bevorzugt werden.“

Dahlbender: Bund und Land müssen EU-Recht einhalten und die Umgehung stoppen

Brigitte Dahlbender, Vorsitzende des BUND Baden-Württemberg, kommentiert das neue Gutachten eindeutig: „Damit wird sowohl naturschutzfachlich wie juristisch nochmals deutlicher: Die Enzaue bei Vaihingen-Enzweihingen darf nicht zerstört werden. Wir fordern Bund und Land auf, EU-Recht einzuhalten und die Planungen für die Umgehung zu stoppen. Die FFH-Richtlinie schützt unser Naturerbe genau vor solchen Zerstörungen. Wir sehen daher keinerlei Sinn in weiteren Planungen für eine Umgehung.“

Der Vorsitzende des Landesnaturschutzverbandes Gerhard Bronner verweist auf die neue Diskussion um ein Tunnel für den Nordostring um Stuttgart: „Jahrzehntelang war in Vaihingen, beim Land und beim Bundesverkehrsministerium klar, dass ein langer Tunnel die sinnvollste Variante und eine Umgehung ein unverantwortlicher Eingriff in Natur und Landschaft und eine unverantwortliche Landschaftsverschandelung wäre. Es zeigt sich, dass nur ein Tunnel eine vertretbare Lösung der Verkehrs- und Lärmprobleme für die Bürger*innen in Vaihingen inklusive Enzweihingen darstellt.“

Johannes Enssle, der Vorsitzende des NABU Baden-Württemberg verweist auf die immer länger werdende Liste der gefährdeten Arten, die in der Enzaue durch Gutachter, nicht aber durch das Regierungspräsidium nachgewiesen wurden: „In den bisher erstellten Gutachten des Regierungspräsidiums wurden wichtige Artengruppen wie Heuschrecken und Pflanzen nicht untersucht. Auf der Roten Liste stehende Arten wie die Sumpfschrecke, der Gefleckte Schierling, Runder Lauch, Hügel-Vergissmeinnicht und Roggentrespe wurden "übersehen". Leider erleben wir immer wieder, dass Gutachten der Planungsträger nicht die notwendige Gründlichkeit aufweisen“.

Für Gerhard Joos, den Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft Mittleres Enztal, ist nun klar: „Die Umgehung hat damit endgültig und zum Glück keine Zukunft mehr. Das ist ein Gewinn für Mensch und Natur. Es zeigt sich immer deutlicher, wie gravierend der Fehler der Straßenbauabteilung im Regierungspräsidium vor über zehn Jahren war. Sie hätten damals den jahrzehntelangen Konsens einer Untertunnelung verfolgen und umsetzen sollen. Über 10 Jahre haben wir in Vaihingen nun verloren, weil das Regierungspräsidium auf eine unverantwortliche und juristisch nicht haltbare Umgehung gesetzt hat. Wir sollten uns in Vaihingen in Abstimmung mit Regierungspräsidium und allen anderen Beteiligten so schnell wie möglich zusammensetzen, um gemeinsam Varianten für Kurz- und Langtunnel zu prüfen und dann so schnell wie möglich umzusetzen.“

Für Dahlbender, Bronner, Enssle und Joos gibt es angesichts der Debatte um den Rückgang von Insekten, Vögeln und anderen Arten ein klares gemeinsames Fazit: „Alle Welt redet vom Insektensterben. Hier in Vaihingen geht es beispielhaft für ganz Baden-Württemberg und darüber hinaus darum: Reden wir nur oder nimmt die Politik das Insektensterben ernst und stoppt Projekte, die den Rückgang gefährdeter Arten stoppt?“

Ein Schatzkästlein, das es zu schützen gilt

Dabei geht es BUND, LNV, NABU und Schutzgemeinschaft nicht "nur" um einzelne Arten: „Mindestens 376 verschiedene Farn- und Blütenpflanzen existieren dort - diese sind Existenzgrundlage für unzählige Insekten. 16 Tagfalter-, 13 Nachtfalter-, neun Heuschrecken- und fünf Libellenarten sind nun aus dem Untersuchungsgebiet bekannt, ebenso EU-weit gefährdete Lebensräume wie Fließgewässer mit flutender Wasserpflanzenvegetation, Magere Flachland-Mähwiesen und Weichholz-Auenwälder. Wir haben ein Schatzkästlein auch für uns Menschen und das sollten wir auch so wertschätzen, wie es einem Schatzkästlein gebührt!"

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