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BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Geschädigte Wälder: Chancen für den Artenschutz nutzen

12. Dezember 2019 | Artenschutz (BW), Naturschutzpolitik (BW), Wälder

BUND, LNV und NABU warnen in offenem Brief vor Großputzete im Wald.

Die historische Chance ist da. Der ökologische Wert des Dürrholzes ist um ein Vielfaches höher als sein wirtschaftlicher.  (Karina Szwok)

In einem offenen Brief werben die Naturschutzverbände NABU, BUND und LNV in Baden-Württemberg beim Landesbetrieb ForstBW sowie bei kommunalen und privaten Waldbesitzerinnen und -besitzern dafür, die von der Dürre der Sommermonate 2018 und 2019 geschädigten Laubwälder nicht radikal aufzuräumen, sondern für den Artenschutz zu nutzen. „Statt eine Großputzete in den dürregeschädigten Wäldern zu veranstalten, sollten absterbende und tote Bäume lieber an Ort und Stelle bleiben, um auf Totholz angewiesene Tier- und Pflanzenarten zu unterstützen. Spechte, Fledermäuse und viele Insektenarten würden direkt profitieren. Insbesondere in Buchenwäldern sorgt das massive Ausräumen des Waldes für weitere Absterbeprozesse bei den verbliebenen Bäumen, die durch plötzliche und starke Freistellung im Folgejahr Hitze und Sonne ausgesetzt wären. Außerdem wird der Holzmarkt derzeit mit minderwertigen Holzqualitäten überschwemmt, was den Preis in den Keller treibt. Für Waldarbeiter ist die Arbeit in einem geschädigten Wald sehr gefährlich, da die vielen abgestorbenen Äste leicht abbrechen und herabstürzen. Es spricht also vieles dafür, die Bäume im Wald zu belassen“, rät der Waldexperte und NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle.

Aus ökologischen Gründen spreche vieles dafür, diese Wälder für eine Zeitdauer von mindestens 20 Jahren komplett ruhen zu lassen, sie also aus der Nutzung zu nehmen, ergänzt die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender: „Der von Forstminister Peter Hauk vorgelegte Notfallplan für den Wald muss nicht nur die Wiederbewaldung finanziell unterstützen, sondern auch dazu beitragen, die Waldnaturschutzziele des Landes umzusetzen. Die historische Chance ist da. Der ökologische Wert des Dürrholzes ist um ein Vielfaches höher als sein wirtschaftlicher. Wir fordern daher das Land auf, Eigentümern den jährlichen Nutzungsausfall so zu vergüten, sodass ein Anreiz zum Mitmachen entsteht. Bei Altbuchenbeständen könnten dies 300 € pro Jahr und Hektar sein.“

Besonders seit Sommer 2019 sterben vermehrt Kronen, vor allem alter Buchen, ab. Betroffen sind Wälder vordringlich im nördlichen Baden-Württemberg, mit Schwerpunkten in den Landkreisen Enzkreis, Karlsruhe (Stadt- und Land), Rhein-Neckar-Kreis, Neckar-Odenwald-Kreis, Main-Tauber-Kreis, Heilbronn, Hohenlohekreis, Schwäbisch Hall und Rems-Murr-Kreis. „In Einzelfällen sind über 30 Prozent der Bäume im Waldbestand betroffen“, berichtet Eberhard Aldinger, Waldreferent des LNV. In den betroffenen Regionen haben private und öffentliche Waldbesitzerinnen und -besitzer bereits diesen Spätsommer nach den beiden Dürrejahren 2018 und 2019 mit dem großen Aufräumen begonnen, um der Holzentwertung vorzubeugen. Denn in den dürren Kronenpartien breiten sich schon innerhalb von etwa drei Monaten nach Beginn des Absterbens Weißfäulepilze aus. Sie beschleunigen die Holzentwertung und erhöhen die Gefahr von Astabbrüchen. „Betroffene Waldbesitzerinnen und -besitzer sowie Forstverantwortliche drängen zur raschen Aufarbeitung, um die Kahlflächen möglichst bald wieder zu bepflanzen.

In öffentlichen Wäldern, die dem Gemeinwohl in besonderer Weise verpflichtet sind, sollte die rasche Aufarbeitung sogenannter Schadhölzer dort unterbleiben, wo sich der Wald von selbst verjüngt. Eine Ausnahme sind Maßnahmen zur Verkehrssicherung etwa entlang von Straßen und im Bereich von Erholungseinrichtungen wie Trimmpfaden, Grillplätzen und Kinderspielplätzen“, sagt der LNV-Vorsitzende Gerhard Bronner. Aus Gründen der Verkehrssicherung mussten bereits im August viele Waldwege und einige öffentliche Straßen in betroffenen Waldgebieten gesperrt werden. Es ist aber damit zu rechnen, dass weitere Bäume auch in Laubwäldern absterben und auch in den kommenden Monaten Verkehrssicherungsmaßnahmen erforderlich machen.

Weitere Informationen:

  • Den offenen Brief finden Sie hier.

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