Das Naturschutzgebiet Mindelsee.
(Heidi Witzmann)
Das Naturschutzgebiet Mindelsee gehört zu den wichtigsten Hotspots der Artenvielfalt in Baden-Württemberg: Schilfflächen und Streuweisen, Trockenrasen und naturnahe Nadel- und Laubwälder – die strukturreichen Lebensräume rund um den See beheimaten einen seltenen Schatz an Pflanzen- und Tierarten. 2.000 Tierarten leben hier. Hierzu gehören der gefährdete Falter Dunkler Moorbläuling oder die Moorente. Außerdem seltene Orchrideenarten wie die Sumpf-Glanzstendel und Sommer-Drehähre. Vor 80 Jahren am 15. August 1938 wurde das Gebiet unter Naturschutz gestellt.
BUND: seit fast fünf Jahrzehnten im Einsatz
Damit diese Artenvielfalt erhalten bleibt und sogar neue Lebensräume geschaffen werden, betreut der BUND Baden-Württemberg seit 46 Jahren das Schutzgebiet. Zwei feste Mitarbeiter*innen, Bundesfreiwillige sowie zahlreiche Praktikant*innen sind das ganze Jahr über im Einsatz. Der BUND ist Ansprechpartner für Behörden und Wissenschaft und berät die Landwirtschaft bei der Mahd und Beweidung mit Schafen, Rindern und Ziegen. Das BUND-Team betreut die Landschaftspflege und entfernt dabei beispielsweise invasive Pflanzen wie Springkraut oder Goldrute, die den heimischen Arten Licht oder Lebensraum nehmen. Zudem führen sie Tier- und Pflanzen-Kartierungen durch, um den Erfolg der Pflegemaßnahmen zu überprüfen und anzupassen.
„Ohne diese intensive Betreuung könnten wir solch ein wertvolles Schutzgebiet mit all seiner Artenvielfalt nicht erhalten. Die langjährigen Schutzbemühungen und die Kooperation mit Land- und Forstwirtschaft, Kommunen und Wissenschaftlern haben sich bewährt. Nur weil wir alle an einem Strang ziehen, konnten wir gute Lösungen für die positive Entwicklung des Schutzgebietes erzielen, so Kai-Steffen Frank, Projektleiter beim BUND Baden-Württemberg.
Zum 80. Geburtstag: Veranstaltungen für Jung und Alt
Im Jubiläumsjahr organisiert der BUND als Schutzgebietsbetreuer Exkursionen, Vorträge und ein Jubiläumsfest. „Ein naturkundlicher Rundgang durch das Naturschutzgebiet ist zu jeder Jahreszeit beeindruckend. Doch gerade jetzt, wenn im Frühling die Natur langsam aus ihrem Winterschlaf erwacht und Vogelgesänge am Mindelsee ertönen, sich die Bäume am Ufer langsam grün färben und sich die Wiesen in ein duftendes Blütenmeer verwandeln, ist ein Spaziergang mit dem BUND besonders schön“, sagt Verena Medinger, Koordinatorin der Jubiläumsfeier.
Bis Herbst können Besucher*innen und Naturliebhaber*innen den Schatz am Mindelsee kennenlernen. Auf dem Jubiläumsprogramm stehen botanische Wanderungen, Spaziergänge zu Libellen, Heuschrecken oder zum seltenen Moorbläuling und naturkundliche GPS-Touren mit Rätseln. Ein Programm für Kinder wird ebenso geboten.
Im September: Feierliches Fest zum 80. Jubiläum
Die Jubiläumsfeier mit Festvortrag, Exkursionen und einem bunten Programm für Kinder und Erwachsene findet am 16. September im Naturschutzzentrum des BUND in Radolfzell-Möggingen statt. Bei der Jubiläumsfeier wird zudem das Konzept für die Ausstellung zum Schutzgebiet Mindelsee vorgestellt.
Jubiläums-Programm:
- Das gesamte Jubiläums-Programm finden Sie hier.
Weitere Infos:
Der Wert des Schutzgebietes wurde schon früh erkannt: Am 15. August 1938 wurde das Gebiet unter Naturschutz gestellt. 1976 wurde es als „International bedeutsames Feuchtgebiet für Wat- und Wasservögel“ nach der Ramsar-Konvention ausgezeichnet. Seit 2001 gehört es außerdem zum europäischen Schutzgebietssystem Natura 2000, das dem Erhalt und der Entwicklung europaweit bedeutender Lebensraumtypen, Tier- und Pflanzenarten dient.
Kontakt für Rückfragen:
- Verena Medinger, Projektassistentin Schutzgebietsbetreuung beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e. V., und Koordinatorin der Feierlichkeiten und Exkursionen zum Jubiläum, 07732 1507-19, verena.medinger(at)bund.net
- Kai-Steffen Frank, Projektleiter des Schutzgebietsbetreuung beim BUND in Baden-Württemberg, 07732 1507-16, kai-steffen.frank(at)bund.net
Geschichte des Mindelsee in Bildern:
Der BUND betreut das Naturschutzgebiet Mindelsee seit 1972 (für mehr Infos bitte auf die Bilder klicken).
1972: Der BUND beginnt mit den ersten Landschaftspflege-Maßnahmen. Ziel ist es, verbrachte und mit Gehölzen bestandene ehemalige Feuchtwiesen wieder zu öffnen, die für viele seltene Pflanzen und Tiere wichtige Rückzugsgebiete sind.
(Johannes Nies)
1976: Der Mindelsee wird als "International bedeutsames Feuchtgebiet für Wat- und Wasservögel" (Ramsar-Konvention) gemeldet.
(Verena Medinger)
1979: Das Regierungspräsidium Freiburg schließt mit dem BUND Baden-Württemberg einen langjährigen Betreuungsvertrag über das Naturschutzgebiet Mindelsee, der heute in überarbeiteter Form noch die Grundlage für die Betreuungsaufgaben des BUND ist.
(Johannes Nies)
1979: Die Europäische Union erkennt das Naturschutzgebiet Mindelsee als EU-Vogelschutzgebiet an.
(BUND BW)
1987: Das BUND-Naturschutzzentrum Möggingen erhält für die Betreuung des Mindelsee den Ehrentitel "Partner des Europäischen Umweltjahres".
(Maike Willers)
1993: Der BUND wird für die Betreuung des Mindelsee mit dem Europäischen Umweltpreis ausgezeichnet.
(Heidi Witzmann)
1996: Fachleute des BUND beginnen mit der systematischen und flächendeckenden Erfassung von mehr als 50 seltenen und gefährdeten Pflanzenarten.
(Lisa Balke)
1996: Zum ersten Mal werden mehr als 20.000 Reiherenten auf dem Mindelsee im Herbst während der Kleingefiedermauser beobachtet. Der Mindelsee ist als Ramsar-Gebiet internationaler Bedeutung gemeldet.
(Johannes Nies)
1998: 60-jähriges Jubiläum des Naturschutzgebietes Mindelsee, einem der ältesten und dank der guten Betreuung durch den BUND wertvollsten Naturschutzgebiete Baden-Württembergs.
(Stanko Petek
/
BUND)
2002: Das Land Baden-Württemberg meldet das Naturschutzgebiet Mindelsee zusammen mit großen Teilen des Bodanrück als Natura 2000-Gebiet an die Europäische Kommission.
(Heidi Witzmann)
2003: Brutsaison – 133 Vogelarten werden im Naturschutzgebiet gezählt. Davon haben 69 gebrütet, waren brutverdächtig oder hielten während der Brutzeit Reviere. Zehn weitere Arten haben in der Nähe gebrütet und das Mindelsee-Gebiet als Nahrungsraum genutzt.
(Simon Ringwald)
Auch für den Eisvogel setzt sich der BUND ein. BUND-Aktive bauen zum Beispiel Brutröhren.
Im Herbst befinden sich nahezu 30.000 Reiherenten zur Kleingefiedermauser auf dem Mindelsee, die höchste Anzahl, die jemals beobachtet wurde.
(Paulina Bode)
2013: Der Mindelsee feiert sein 75-jähriges Jubiläum und wird vom Global Nature Fund zum "Lebendigen See des Jahres" gekürt.
(Roman Müller)
2017: Der BUND kartiert seit mehr als 20 Jahren gut 50 seltene und gefährdete Pflanzenarten im Mindelsee-Gebiet. Darunter sind auch europaweit gefährdete Arten. Viele der untersuchten Pflanzenarten kommen im Naturschutzgebiet in relativ großer Zahl vor. Kaum eine Art ist in den letzten 50 Jahren aus dem Schutzgebiet verschwunden.
(Roman Müller)


