BUND Landesverband
Baden-Württemberg

36 Jahre Tschernobyl: BUND BW warnt vor Weiterbetreib des AKW Neckarwestheim II

25. April 2022 | Atomkraft, Energiewende, Klima und Energie (BW), Ressourcen & Technik

Anlässlich des 36. Jahrestags des Super-GAUs in Tschernobyl weist der BUND auf die Gefahren der Atomkraft hin. Forderungen nach einer Laufzeitverlängerung des Atomkraftwerks Neckarwestheim II und der anderen AKWs in Deutschland sind unverantwortlich.

Der BUND fordert die Landesregierung auf, die Risse in den Dampferzeugern des GKN II und deren Wachstum endlich als unkontrollierbar zu akzeptieren und entsprechende Konsequenzen daraus zu ziehen.  (Miklas Hahn / BUND BW)

Stuttgart/Berlin. In Tschernobyl kam es vor 36 Jahren zum bislang schwersten Unglück des Atomzeitalters. Ausgerechnet dort ist die nukleare Bedrohung angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine nun wieder real. Atomkraftwerke sind schon im Normalbetrieb eine Hochrisikotechnologie. Erst recht sind sie nicht auf Kriege ausgelegt. Verirrte Geschosse oder längere Stromausfälle und ein Versagen der Kühlsysteme könnten eine atomare Katastrophe für Millionen Menschen bedeuten.

„Tschernobyl ist ein Beweis dafür, dass wir Menschen die Atomkraft nicht beherrschen können. Die Gefahren und negativen Folgen stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Die Rufe nach einer Rückkehr zur Atomkraft sind angesichts der nuklearen Bedrohungen durch die Atomkraftwerke im ukrainischen Kriegsgebiet und Putins Atombomben-Drohungen grundfalsch. Es darf keine Laufzeit-Verlängerung in Deutschland geben“, fordert Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesvorsitzende des BUND Baden-Württemberg.

Atomkraftwerke lassen sich nicht bedarfsgerecht steuern. Sie verdrängen erneuerbare Energiequellen aus dem Stromnetz. Aus Sicht des BUND versuchen die Atomkraftbefürworter*innen aus Union und FDP mit der Scheindebatte um Laufzeitverlängerungen von den energiepolitischen Versäumnissen der vergangenen Jahrzehnte abzulenken.

AKW in Neckarwestheim als Sicherheitsrisiko

In Baden-Württemberg ist noch ein Atomkraftwerk in Betrieb: Neckarwestheim II (GKN II) soll Ende des Jahres vom Netz genommen werden. Doch auch für dieses Kraftwerk fordern einige Stimmen eine Laufzeitverlängerung.

„Für den BUND wäre ein Weiterbetrieb des AKW Neckarwestheim vor allem angesichts der sich immer neu bildenden Risse in den Dampferzeugern inakzeptabel. Jenseits dieser Sicherheitsbedenken ist ein Weiterbetrieb eine extrem komplexe Angelegenheit“, beschreibt Sylvia Pilarsky-Grosch. „Es müssten nicht nur während der für diesen Mai vorgesehenen Revision neue Brennelemente eingesetzt werden, die aber eine Produktionszeit von 18 Monaten haben. Auch müssten alle Vorbereitungen zur Abschaltung zurückgedreht werden und Genehmigungen eingeholt werden.“

Uranlieferungen verstärken Abhängigkeit von Russland

Laufzeitverlängerungen verzögern nicht nur die Energiewende, sondern verlängern auch die Abhängigkeit von Energieimporten. Der russische Angriffskrieg macht die energiepolitische Abhängigkeit Deutschlands von Russland deutlich. Dabei geht es nicht nur um Gas, Öl und Kohle, sondern auch um die Uranlieferungen aus Russland. Etwa 40 Prozent der europäischen Uranimporte stammen aus Russland und Kasachstan, wie der aktuelle BUND-Uranatlas aufzeigt.

Der BUND Baden-Württemberg fordert die Bundes- und die Landesregierung auf, bei ihrem Nein zu Laufzeitverlängerungen zu bleiben und den Atomausstieg zu vollenden. Lücken beim Atomausstieg müssen geschlossen werden. Außerdem muss die Landesregierung die Risse in den Dampferzeugern und deren Wachstum endlich als unkontrollierbar akzeptieren und entsprechende Konsequenzen daraus ziehen.

 

Weitere Informationen:

Kontakt für Rückfragen:

Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, Sylvia.Pilarsky-Grosch(at)bund.net

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