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BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Renaturierung: Rückkehr des Storches in Ulm-Wiblingen

21. Mai 2015 | Aktiv im Naturschutz (BW), Naturschutz

Ein Storchenpaar hat zu Frühlingsbeginn das Dach des Klosters im Ulmer Stadtteil Wiblingen bezogen und mit dem Bau seines Horstes begonnen. Eine kleine Sensation, an der die BUND-Gruppe Ulm-Wiblingen nicht ganz unbeteiligt ist.

Ein Storchenpaar hat das Dach des Klosters in Wiblingen bezogen und mit dem Bau seines Horstes begonnen. Eine kleine Sensation, an der die BUND-Gruppe Ulm-Wiblingen nicht unbeteiligt ist. Seit über 60 Jahren wurde hier kein Storch gesichtet. Die Gruppe pflegt seit Jahren die Wiese nahe dem Kloster und hat 2013 mit deren Vernässung begonnen. So haben sie dafür gesorgt, dass sich Meister Adebar hier wieder wohlfühlt. Nachwuchs wird erwartet.

Die Wiblinger und Wiblingerinnen können sich freuen: Wenn sie am Barockkloster vorbeikommen, hören sie wieder klappernde Storchenschnäbel. Ein Storchenpaar hat zu Frühlingsanfang seinen Horst auf dem Dach des Klosters errichtet. Störche mögen es hoch: Sie brüten gerne auf Häuserdächern, Kirchtürmen und Schornsteinen. Mitten in der Stadt, hoch oben auf dem Dach, können die Anwohnerund Anwohnerinnen nun beobachten, wie das Storchenpaar Nistmaterial einfliegt und zur Futtersuche aufbricht.


Störche mögen es nicht nur hoch, sondern auch feucht. Eine der größten Gefahren für den Storch ist der Verlust seines Lebensraums. Jahrzehntelang wurden landesweit Flüsse begradigt, Moore trocken gelegt. Feuchtwiesen mussten Ackerflächen und Gewerbegebieten weichen. Dem Storch wurde der Lebensraum und somit die Nahrung genommen.

BUND-Gruppe schafft Lebensraum

Selbst alteingesessene Bürgerinnen und Bürger können sich nicht daran erinnern, dass in den letzten 60 Jahren Störche in Wiblingen ein Nest gebaut haben. Dass die zwei Störche hier gelandet sind, ist auch der BUND-Gruppe Ulm-Wiblingen zu verdanken. Seit mehreren Jahren pflegen sie die Feuchtwiese unterhalb der Klostermauer und haben Gewässer angelegt und Wiesen vernässt.

„Schon vor zwei Jahren konnten wir einen Storch hier auf Nistplatzsuche sehen. Doch er zog weiter. Daher haben wir in der Nähe des Klosters ein vielfältiges Feuchtbiotop geschaffen. Rund acht Ehrenamtliche sind mit einem Bagger angerückt und haben Tümpel gegraben, die über Kanäle verbunden sind“, sagt Sabine Wiedmann, Mitglied der BUND-Gruppe Ulm-Wiblingen. Auf der Wiese ringsum die Tümpel werden die Ehrenamtlichen in den kommenden Jahren noch Sträucher anlegen. Einige Froscharten ziehen sich gerne dorthin zum Schutz zurück.

Storchenschutz in Baden-Württemberg

In den 1970er Jahren galt der Storch in Baden-Württemberg nahezu als ausgestorben. 1972 wurden im Land nur zwölf Brutpaare gezählt. 2014 waren es, nach Angaben der Koordinatorin des Weißstorch-Schutzes Ute Reinhard, 800 Storchenpaare, die rund 1.722 Storchenjunge aufgezogen haben.

Es gibt immer mehr Störche im Land, gleichzeitig schwindet ihr Lebensraum. „Das kann zu einem echten Nahrungsproblem werden. Es sind weitere Artenschutzmaßnahmen nötig. Das Land muss Maßnahmen zum Schutz von vielfältigen Grünflächen ergreifen, damit sich die Störche dauerhaft wohl fühlen“, sagt Thomas Giesinger, Naturschutz-Fachmann beim BUND Baden-Württemberg.

Der BUND Baden-Württemberg hat einiges für die Störche im Südwesten unternommen: „Über 250 Naturschutzgebiete und andere Biotope verdanken ihren Schutz der Initiative des BUND, insbesondere am Rhein, Bodensee und in Oberschwaben. 15 BUND-Gruppen pflegen mehr als 2.100 Hektar Schutzgebiet“, so Giesinger weiter.

Für mehr Storchennester im Land

Nicht nur Renaturierung nützt: „Störchen hilft man auch, indem man ihnen auf stillgelegten Schornsteinen oder Dachfirsten Nisthilfen aufstellt. Der BUND kann beraten, wie man Nisthilfen baut und wie Nestunterlagen aussehen müssen“, sagt Giesinger.

Den Ort für seinen Horst hat sich das Wiblinger Storchenpaar gut ausgesucht. In der Nähe ist die Hebammenschule Ulm untergebracht. Ob die Wiblinger Störche positive Effekte auf die demografische Entwicklung haben, wird sich zeigen. Bürgerinnen und Bürger hoffen nun erst mal, dass die Jungstörche bald schlüpfen und dass das Storchenpaar im nächsten Jahr zur Brutstelle zurückkehrt. 

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