Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg, hat die Landesregierung in einem Brief aufgefordert, sich der Mehrheit der Umweltminister der Länder anzuschließen und am Freitag im Bundesrat für ein generelles Verbot der umstrittenen Fracking-Technologie zu stimmen. Es reiche nicht, Fracking lediglich in bestimmten Gebieten auszuschließen. In Baden-Württemberg haben sich 77 Gemeinden gegen Fracking auf ihrem Territorium ausgesprochen.
„Umweltminister Untersteller hat sich wie die Mehrheit der Umweltminister der Bundesländer für ein umfassendes Fracking-Verbot ausgesprochen. Nun muss Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Freitag dem Umwelt- und Klimaschutz Vorrang einräumen und im Bundesrat für ein Verbot der Hochrisikotechnik Fracking stimmen. Fracking kann Erdbeben auslösen, die eingesetzten Flüssigkeiten können Böden und Gewässer verunreinigen, das Verfahren schadet überdies den Klimaschutzzielen. Es gibt keinen Grund, bei uns in Baden-Württemberg oder anderswo zu fracken“, sagt Dr. Brigitte Dahlbender, Vorsitzende vom BUND Baden-Württemberg. Das geplante Fracking-Gesetzespaket räume außerdem direkt Betroffenen beziehungsweise Anwohnern keine ausreichenden Mitsprachemöglichkeiten ein.
Fracking und Energiewende
Die von der Bundesregierung geplante Gesetzgebung würde Fracking in großem Stil ermöglichen, befürchtet Dahlbender. „Das ist inakzeptabel. Die Anwendung der Fracking-Technologie zur Gewinnung von Erdgas oder Erdöl aus tiefen Erdschichten birgt hohe ökologische Risiken, ist klimapolitisch kontraproduktiv und verzögert die Energiewende. Es gibt viele Gründe, warum sie verboten werden muss“, sagt die Landesvorsitzende.
Die Energiewende könne nur gelingen, wenn konsequent auf Erneuerbare Energien umgestiegen werde. Der Ausstieg aus fossilen Energiequellen und mehr Energieeffizienz müssten im Klimaschutzjahr 2015 entschlossen vorangebracht werden. „Im Vorfeld der in Paris im Spätherbst stattfindenden Weltklima-Konferenz würde ein Gesetz, das Fracking erlaubt, der Glaubwürdigkeit der deutschen Klimapolitik großen Schaden zufügen“, so die Landesvorsitzende.
Kommunen in Baden-Württemberg gegen Fracking
In Deutschland haben sich bereits mehr als 2000 Kommunen gegen Fracking auf ihrem Territorium ausgesprochen. In Baden-Württemberg sind es 77 Gemeinden in den Kreisen Ravensburg, Sigmaringen, Bodenseekreis und Konstanz. „Bei jeder Fracking-Bohrung in Deutschland müssen wir daher nicht nur die Risiken der Verschmutzung einkalkulieren, sondern auch den Unwillen großer Teile der Bevölkerung“, sagt Brigitte Dahlbender.


