Nachdem öffentlich wurde, dass der Chemiekonzern Solvay in Bad Wimpfen größere Mengen des klimaschädlichen Treibhausgases Schwefelhexafluorid (SF6) ausstößt als es gemeldet hatte, hatte das Regierungspräsidiums Stuttgart eine drastische Senkung der Emissionen behördlich angeordnet. Zudem soll das Unternehmen ein unabhängiges Institut mit Messungen beauftragen. Gegen diese behördliche Anordnung reichte Solvay am 3. Dezember Klage ein. Als Reaktion darauf ordnete das Regierungspräsidium wiederum den sogenannten Sofortvollzug an.
Sylvia Pilarsky-Grosch, Landesvorsitzende des BUND Baden-Württemberg, kommentiert das Verhalten des Regierungspräsidiums:
„Der BUND begrüßt es sehr, dass das Regierungspräsidium seine Anordnung auch gegen den Widerstand der Firma Solvay durchsetzen will. Es ist höchste Zeit dafür! Die inzwischen bekannt gewordenen Maßnahmen des Unternehmens lassen nur den Schluss zu, dass dort mit einer maroden, undichten Anlage gearbeitet wurde und es schlicht egal war, was in die Umwelt geblasen wird. Sollte es je so etwas wie Vertrauen in dieses Unternehmen gegeben haben, dürfte das nun Geschichte sein. Es hilft nur ein hartes, klares Vorgehen im Sinne des Klimaschutzes und der Menschen. Solvay richtet seit Jahrzehnten massiven Umweltschaden an. Bisher herausgekommen sind die Produktion von FCKW, die die Ozonschicht schädigten, von PFAS, die fortpflanzungsgefährdend sind und nun von SF6, das einer der größten Klimakiller ist.“
Hintergrund:
SF6, Schwefelhexafuorid, gilt als das schädlichstes Treibhausgas der Welt. Es wirkt 24.000-mal stärker als CO2. Einmal in die Atmosphäre gelangt, bleibt SF6 dort mehr als 3.000 Jahre bestehen, was die Erderwärmung langfristig verstärkt. Wegen seiner extrem klimaschädlichen Wirkung sind Unternehmen in Deutschland verpflichtet, ihre SF6-Emissionen zu melden. Die vermuteten 30 Tonnen SF6-Emissionen von Solvay in Bad Wimpfen entsprechen circa 729.000 Tonnen CO2. Wegen der Klimaschädlichkeit schränkt die EU die Verwendung von SF6 in den kommenden Jahren zunehmend ein.
SF6 wird hauptsächlich als Isolier- und Löschgas in der Elektrotechnik eingesetzt, insbesondere in Mittel- und Hochspannungsschaltanlagen sowie gasisolierten Schaltanlagen (GIS).
Weitere Info:
Pressemitteilung des Umweltministeriums zum Sofortvollzug nach Klage von Solvay (8.12.)
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Laura Buschhaus, Referentin für Öffentlichkeits- und Pressearbeit, BUND Baden-Württemberg, (0711) 62 03 06-23, laura.buschhaus(at)bund-bawue.de


