Der Biber: eine “Schlüsselart”
Darunter werden Arten gezählt, die durch deren Vorkommen für eine Vielzahl anderer Arten in einem Lebensraum eine große Bedeutung spielen. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist der Biber.
Darunter werden Arten gezählt, die durch deren Vorkommen für eine Vielzahl anderer Arten in einem Lebensraum eine große Bedeutung spielen. Ein sehr gutes Beispiel dafür ist der Biber.
Die Biber gestalten sich ihren Lebensraum selbst. Sie fühlen sich im Wasser am wohlsten und damit keine Räuber in ihre Biberburg gelangen muss der Eingang von dieser immer unter dem Wasserpegel bleiben.
Deswegen bauen Biber oftmals Biberdämme um den Wasserstand zu erhöhen und damit eine größere Wasserfläche zu erschaffen.
Dies führt dazu, dass sich die Landschaft rundherum stark verändert und viele unterschiedliche Strukturen bekommt - ein riesen Vorteil für sehr viele anderen Tier- und Pflanzenarten.
- es entsteht oftmals eine größere Wasserfläche
- Bäume sterben ab und es bleibt viel Totholz stehen
- Flächen (oft ehemalige Moor-Standorte) werden wiedervernässt
Nachfolgend werden exemplarisch einige profitierenden Artengruppen aufgelistet.
Die Informationen sind aus Quelle 2.
Wasservögel profitieren besonders von der enstehenden Gewässerlandschaft. Sie nutzen die Teiche als Rast- und Landeplatz.
Werden Bereiche geflutet wo vorher Bäume stehen, dann profitieren auch verschiedene Spechte von dem neu entstandenem Totholz.
Durch die höhere Insektendichte an den Biberteichen haben die Fledermäuse hier ein sehr gutes Jagdhabitat.
Die Artenvielfalt kann sich durch entstehende Biberteiche erhöhen. Fische profitieren zudem von den verschiedenen Strukturen, wie zum Beispiel die Anhäufung von Totholz im Wasser. Dies nutzen Jungfische gerne als Versteckmöglichkeit.
Frösche, Salamender, Molche und Kröten profitieren stark von Bibergewässer. Diese Gewässer sind meist lichtreich und sind sehr gute Habitaträume für viele Amphibien.
Vom Biber gestaltete Gewässer sind oftmals bessere Lebensräume für Reptilien als vergleichbare nicht vom Biber gestaltete Gewässer.
Die Ringelnatter zum Beispiel fühlt sich sehr in der Biberburg sehr wohl.
Auch die Libellen profitieren von den strukturreichen, oftmals auch lichtreichen Biberteichen.
Die große Artengruppe der Insekten profitieren auch von Biberteichen. Vor allem im Dammbereich sind sehr viele Insekten zu finden.
Durch das Absterben von Bäumen kommt mehr Licht an den Boden. Dies ist vor allem für krautige Pflanzen ein Vorteil. Zudem entstehen durch die Biberaktvität (Gehölzfraß, Wegspuren etc.) gestörte offene Bodenstellen, was eine Neuansiedlung von Kräutern begünstigen kann.
Auch Pilze profitieren von der Biber Aktivität. Vor allem Baumpilze fühlen sich an den absterbenden Bäumen wohl.
Schutz vor Überflutung? Erstmal irritierend, da der Biber ja genau dies rund um seine Biberburg macht. Gemeint ist aber die Überflutung nach Starkregen Ereignissen. Ein Flussabschnitt mit einem Biberdamm hält das Wasser deutlich länger zurück und lässt das Wasser bei Hochwasserereignissen nur langsam abfließen. Dies hilft uns Menschen und schützt in dahinter liegenden (Siedlungs-)bereichen vor Überflutungen.
Besonders in heißen, trockenen Sommermonaten bleiben die Flächen rund um den Biberteich durch das angestaute Wasser länger feucht.
Das Wasser kann langsam versickern und es bildet sich somit mehr Grundwasser - ein großer Vorteil für die Äcker/Flächen rundherum.
Der Biber sorgt oft für die Wiedervernässung ehemaliger Moor-Flächen. So auch hier im NSG Bruckried.
Da entwässerte Moore weiterhin CO² freigeben, ist eine Wiedervernässung zwingend notwendig. Die Landesregierung möchte bis 2040 klimaneutral werden und hat sich als Ziel gesetzt die trocken gelegten Moorflächen im Land bis dahin wiederzuvernässen. (Quelle 3)
Somit hilft der Biber mit dies umzusetzen - komplett kostenlos.
Die meisten Konflikte entstehen, wenn vom Menschen genutzte Flächen überflutet werden und somit die bisherige Nutzung nicht mehr im selben Maß möglich ist. Dies betrifft vor allem Landwirtschaftliche Flächen und öffentliche Wege / Bereiche.
Biber halten sich leider nicht an Grundstücksflächen.
Sind Bäume zu nah am Bibergewässer dann kann es vorkommen, dass diese vom Biber gefällt werden.
Das ist besonders bei Nutzbäumen (z.B. Obstbäumen) oder aber auch bei Parkbäumen ärgerlich.
(Bäume mit Maschendraht umwickeln schützt vor der Biberfällung, Hinweis: Weiden und Erlen stört eine Fällung nicht, diese treiben im nächsten Jahr einfach wieder neu aus)
Ist das Feld zu nah am Bibergewässer (ca. 20 m), dann kann es vorkommen, dass der Biber sich Feldfrüchte zum knabbern holt.
(Nach Möglichkeit: einen Abstand (ca. 20 m) zum Gewässer einhalten)
Geht ein Ackerfeld direkt bis zur Gewässerkante, dann kann es vorkommen, dass die Landmaschine einbricht. Der Biber baut in manchen Regionen sogenannte Biberröhren am Gewässerrand in die Erde.
(Nach Möglichkeit: einen Abstand (ca. 20 m) zum Gewässer einhalten)
Manchmal kann es vorkommen, dass ein Biber an oder in einem Fischteich aktiv wird. Das kann dazu führen, dass zum Beispiel der Wasserstand im Teich weniger gut kontrollierbar ist.
In seltenen Fällen kann es auch vorkommen, dass Flächen mit schützenswerten Rote-Liste-Arten überflutet werden und die Arten dadurch verschwinden. Dann ist eine Abwägung besonders schwierig. Solch ein Fall liegt hier im NSG Bruckried vor.
(zu den betroffenen Rote-Liste-Arten im NSG Bruckried gehören die Pflanzen: Torf-Glanzkraut und Sumpf-Stendelwurz)
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