Die Schlehe als wertvolles Wildgehölz
Die Schlehe (Prunus spinosa) zählt zu den wertvollsten heimischen Wildsträuchern. Auch Schlehdort, Schwarzdorn, Heckendorn oder Sauerpflaume genannt, gehört der Schlehdorn innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) zu den Steinobstgewächsen.
Bereits im zeitigen Frühjahr, wenn die Natur langsam erwacht, locken die Schlehenblüten zahlreiche Wildbienen- und Schmetterlingsarten an, die hier nach der Winterruhe reichlich Nektar finden. Blätter, Blüten und Pollen dienen Insekten als wichtige Nahrungsquelle, während das Holz des Strauchs ihren Larven eine Brutstätte bietet.
In Baden-Württemberg ist die Schlehe als Nahrungsquelle bei Raupen von über 130 Großschmetterlingsarten beliebt. Schlehdornblätter sind die Nahrungsgrundlage von weit verbreiteten Arten wie der Pflaumen-Gespinstmotte (Yponomeuta padella). Aber auch für seltene oder gefährdete Arten wie die Raupen des stark gefährdeten Schwalbenwurz-Kleinspanners (Scopula umbelaria) und des vom Aussterben bedrohten Hecken-Wollafters (Eriogaster catax) stellen sie eine wertvolle Futterpflanze dar.
Der auffallende Segelfalter (Iphiclides podalirius) besucht gern Schlehdornblüten, während sich seine Larven von den Schlehdornblättern oder anderen Prunusarten ernähren.
Insekten und Vögel als Gäste des Schlehdorns
(Werner Stobbe
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BUND BW)
Mehrere Käferarten sind auf den Schlehdorn als Nahrungsquelle angewiesen. Der selten gewordene Goldglänzende Rosenkäfer (Cetonia aurata) frisst sowohl die Blütenblätter als auch den Pollen der Pflanze. Der Schlehen-Blütenstecher (Anthonomus rufus) lebt als einzige mitteleuropäische Käferart ausschließlich auf dem Schlehdorn. Als Blattfresser sind unter anderem Ameisensackkäfer (Clytra laeviuscula) und Seidiger Fallkäfer (Cryptocephalus sericeus) am Schlehdorn beobachtet worden. Im Holz des Schlehdorns entwickelt sich die Larve des Rotbeinigen Scheibenbocks (Poecilium rufipes).
Vor dem Fraß durch größere Pflanzenfresser ist der Schlehdorn dagegen durch seine langen Dornen wirkungsvoll geschützt. Die Dornen nutzt der Neuntöter (Lanius collurio) um seine Beute (Insekten und kleine Wirbeltiere) daran aufzuspießen.
Für viele Vogelarten bietet das dornige Gehölz nicht nur Schutz und sichere Nistplätze – auch seine tiefblauen Früchte, die den Winter über am Strauch bleiben, sind eine wertvolle Nahrungsquelle in der kalten Jahreszeit. Von den Früchten des Schlehdorns ernähren sich Kleinsäuger wie Gartenschläfer (Eliomys quercinus) und Mäuse sowie etwa 20 Vogelarten, zumeist Drosselartige, aber auch Meisen oder Grasmücken. Die Schlehenkerne scheiden die Tiere unversehrt wieder aus und verbreiten so die Samen.
Schlehe als Heckenpflanze und Sichtschutz
(Rhoenbergfoto
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AdobeStock)
Die Schlehe eignet sich sehr gut für dichte Hecken, die wegen der vielen Dornen weitgehend undurchdringlich sind. Früher wurden Schlehen rund um viele Bauernhöfe gepflanzt, weil der Strauch einem alten Volksglauben nach Hexen abhalten sollte. Das Gehölz war ein guter Sicht- und Windschutz und von Nutzen für die Tierwelt.
Natürlicherweise steht Schlehdorn an lichten Standorten, weswegen er in ganz Europa an Waldrändern und auf Flächen, die von Pflanzen neu besiedelt werden (Sukzessionsflächen), zu finden ist.
In der Landschaftspflege muss die Schlehe meistens zurückgedrängt werden, weil sie geschützte Biotope, wie z.B. Halbtrockenrasen, überwuchert und so gefährden kann. Dabei muss sorgfältig abgewogen werden, wie sehr die Schlehe zurückgeschnitten wird, weil sie natürlich wichtiger Teil der Lebensräume ist, aber zum Schutz anderer Pflanzen nicht Überhand nehmen darf.
Von der Wildpflaume zum Likör: Schlehen in der Küche
Heilwirkungen der Schlehe und ihr ökologischer Wert
Die Früchte der Schlehe sind unsere kleinen heimischen Wildpflaumen. Ihr herb-saurer Geschmack wird erst im Herbst nach den ersten Nachtfrösten süßer – bleibt allerdings insgesamt immer noch recht sauer. Dennoch wird die Schlehe als Wildobst zur Zubereitung von Konfitüre und aromatischem Likör – dem sogenannten "Schlehenfeuer" – verwendet.
Überdies ist die Schlehe eine Heilpflanze: Neben den Gerbstoffen enthalten die Beeren unter anderem gesunde Flavonoide, Pektin und viel Vitamin C. Die Früchte wirken entzündungshemmend, schleimlösend und anregend und helfen bei Erkältungen, Entzündungen im Hals- und Rachenraum, bei Harnwegsinfektionen und Verdauungsstörungen.
Das harte Holz wurde früher für Peitschenstiele und Spazierstöcke verwendet. Die Bezeichnung Schwarzdorn verweist auf die dunkle, ab dem zweiten Jahr schwarze Rinde des Schlehdorns, worin er sich von den sonst ähnlichen Weißdornen unterscheidet. Der Artname spinosa gibt einen Hinweis auf das Aussehen der Triebe, denn es bedeutet so viel wie dornig oder bedornt. Aus diesem Grund sind Schlehen im Volksmund auch als "Dornstrauch", "Schwarzdorn" oder "Schlehdorn" bekannt. Die Schlehe findet man an sonnigen Waldrändern, in Weinbergen und Feldgehölzen vom Tiefland bis in die Höhenlagen der Alpen.
Der Schlehdorn steht exemplarisch für den enormen ökologischen Wert unserer heimischen Artenvielfalt. In Baden-Württemberg engagiert sich der BUND seit über 50 Jahren für den Erhalt einer lebenswerten Zukunft, für Natur, reine Luft, sauberes Wasser und gesunde Lebensmittel. Mit unserer naturschutzfachlichen und politischen Arbeit in Themenbereichen wie Wald, Landwirtschaft und Naturschutz wirken wir auf vielen Ebenen. Helfen auch Sie mit – gemeinsam können wir viel bewegen!
Rezept Schlehenfeuer (mit Alkohol)
Zutaten:
- 1500 g Schlehen
- 2 Stangen Zimt
- 6 Gewürznelken
- 500 g braunen Kandiszucker
- 200 ml Wasser
- 1500 ml weichen Rum
Zubereitung:
- Die Schlehen waschen und entsteinen oder mit einem scharfen Messer das Fruchtfleisch vom Kern lösen. Zusammen mit dem Zimt, den Gewürznelken und dem Wasser in einen Topf geben, aufkochen lassen und mit einem Deckel abgedeckt noch ca. 10 Minuten köcheln lassen.
- Das Ganze dann durch ein feines Sieb streichen, in ein gut verschließbares Glasgefäß geben und mit dem Rum auffüllen. Den Ansatz nun ca. 8-10 Wochen an einem dunklen Ort bei gelegentlichem Durchschütteln ziehen lassen.
- Danach den Sud durch ein Mulltuch filtern und in 4 gut verschließbare Deko-Flaschen füllen. Je länger man den Likör in den Flaschen noch ziehen lässt, um so feiner und wohlschmeckender wird er.
Rezept Schlehensirup (ohne Alkohol)
Dieser Sirup schmeckt sehr gut zu Eis oder einfach mit kaltem Mineralwasser. Auch in den heißem Tee gegeben, ist der Sirup im Winter eine Köstlichkeit.
Zutaten:
- 2 kg Schlehen
- 1 kg Zucker
- 1 TL Zimt gemahlen
- 2 Vanillestangen
- 1 Msp Nelkenpulver
- 2 Liter Wasser
Zubereitung:
- Tag: Schlehen für 24 Stunden in einem Gefrierfach frosten. Die gefrorenen Schlehen in einen Topf geben. Ca. 2 Liter Wasser aufkochen und kochend heiß über die Schlehen gießen, alle Schlehen sollten vom Wasser bedeckt sein. Die Vanilleschoten aufschneiden und dazugeben. Alles im geschlossenen Topf 24 Stunden ziehen lassen.
- Tag: Nach dem Ziehenlassen die Flüssigkeit durch ein Sieb abgießen und dabei den Saft auffangen. Den Saft aufkochen, ca. 30 Sekunden kochen lassen, und wieder kochend heiß über die Schlehen gießen. Im geschlossenen Topf wieder für 24 Stunden ziehen lassen.
- Tag: Den Vorgang wiederholen und wieder alles für 24 Stunden ziehen lassen.
- Tag: Den Saft durch ein Mulltuch gießen. Den Zucker, das Zimtpulver, und das Nelkenpulver in den Saft zugeben. Nun den Saft noch einmal aufkochen lassen und ca. 3 Min. köcheln lassen. Heiß in die vorbereiteten Flaschen füllen und sofort verschließen. Kühl und dunkel lagern


