BUND Landesverband
Baden-Württemberg

NaturTipp: Wilde Ecken voller Leben

30. Juli 2020 | Aktiv im Naturschutz (BW), Artenschutz (BW), Schmetterlingsland (BW), Streuobst (BW), Nachhaltigkeit, Suffizienz

Der Garten ist ein wichtiges Zuhause für Tiere und Pflanzen. Mit der richtigen Pflege ist er auch eine Chance für den Artenschutz

Kräuter und Blumen, die Insekten gerne mögen und in Ihren Garten locken.  (Andrea Hohlweck / BUND Heilbronn-Franken)

Die Millionen Gärten in Deutschland könnten mit ein paar Handgriffen und Tricks zu einem wertvollen Lebensraum für Schmetterlinge, Igel & Co. werden. Würde jede*r Besitzer*in oder Mieter*in seinen*ihren Garten naturnah umwandeln, wäre schon viel für die Natur geschafft. Doch leider gibt es viele Gärten, die für heimische Tiere weder Unterschlupf noch Nahrung bieten. Die tristen Steinwüsten-Schottergärten sind durch die Novellierung des Naturschutzgesetzes zum Glück schon bald verboten.

 

Grundlagen eines naturnahen Gartens

Was gibt es zu beachten, wenn der Garten zu einem Naturparadies werden soll? Seien Sie auf jeden Fall toleranter mit „Ungeziefer“. Sie müssen sich nicht wegen ein paar Blattläusen sorgen, denn die nächsten Marienkäfer oder Ohrenkriecher warten schon auf Beute. Außerdem gilt es, den eigenen Ordnungsdrang zu zügeln, und Laub auch mal liegen lassen und Stängel abgeblühter Stauden über den Winter stehen zu lassen. Ein paar wilde Ecken im Garten bringen Futter und Unterschlupf für viele: manche Schmetterlingsraupen sind zum Beispiel auf Brennnesseln angewiesen, Igel finden Unterschlupf in Laub- und Reisighaufen. In Stapeln aus totem Holz können Wildbienen nisten und sich darunter Blindschleichen und Erdkröten verstecken.

Seltener und später mähen

Grundsätzlich sollten Hobby- Gärtner*innen besser seltener und später mähen. Wer dem Rasen Zeit zum Wachsen gibt, der fördert Lebensraum für Bienen, Wildbienen und Schmetterlinge. Nektar- und pollenhaltige Wildkräuter wie Klee, Margeriten, Löwenzahn, Kriechender Günzel oder Ehrenpreis vertragen keinen häufigen Schnitt. Wer häufig mäht, verhindert die Entwicklung dieser für Insekten wertvollen Pflanzen. Und die Pflanzen haben bei zu häufiger Mahd auch keine Zeit, Blüten zu bilden.

Keine Mähroboter einsetzen

Ein absolutes Tabu ist der Einsatz eines Mähroboters. Entgegen den Hinweisen in den Bedienungsanleitungen werden diese Mähwerkzeuge oftmals auch nachts eingesetzt. Für Haus- und Wildtiere, insbesondere für Igel, kann das tödlich enden. Igel rollen sich bei Gefahr ein und werden dann überrollt und verletzt. Zudem kommen Mähroboter in jede Ecke des Gartens. Dann gibt es auch kein Versteck mehr für Amphibien, Spinnen und Insekten. Passen Sie aber auch auf, wenn Sie andere motorisierte Mähgeräte verwenden, damit keine versteckten Tiere verletzt werden.

Was macht einen naturnahen Garten noch aus?

  • Kein Gift verwenden: In der intakten Natur sorgen „Nützlinge“ wie Marienkäfer, Ohrzwicker und Wespen für das biologische Gleichgewicht.
  • Wilde Ecke, volles Leben: Lassen Sie Wildnis zu und Gräser und Kräuter stehen. Brennnesseln, sowie Laub- und Reisighaufen sind Futter für Schmetterlingsraupen und Verstecke für Igel & Co.
  • Nur heimische Pflanzen: Exotische Pflanzen bieten unseren Tieren keine Nahrung. Eine Hecke aus verschiedenen heimischen Sträuchern gibt mehr Tierarten Nahrung als eine Monokultur.
  • Totholz ist lebendig: Absterbendes Holz ist für viele Insekten als Wohnung, Nahrung oder Baumaterial wichtig.
  • Stehen lassen. Abgestorbene Staudenstängel sind gelegentlich innen hohl und kleine Tiere können darin überwintern. Manchmal hängen auch Beeren dran, die Vögel im Winter fressen können.
  • Fruchttragende Sträucher: Einheimische Vögel ernähren sich von Holunder, Kornelkirsche oder Pfaffenhütchen. Kirschlorbeer, Thuja oder Bambus bieten ihnen nichts.
  • Gartenteich / Wasserloch: Im Wasser tummelt sich Leben. Sie helfen damit Libellen, Vögeln und Amphibien, Lebensräume, Futter und Trinken zu finden.
  • Wasser anbieten: Grade jetzt im Sommer eine flache Schale Wasser im Garten aufstellen. Vögel, Wespen und andere Insekten können hier ihren Durst löschen. Legen sie einen flachen Stein in die Schale, damit die Insekten auch wieder herauskommen.
  • Heimische Wildblumen und –stauden sind die wichtigste Nahrungsquelle für Bienen, Wildbienen und Schmetterlinge. Bitte nutzen Sie keine Zuchtvarianten!
  • Lassen Sie Torf im Moor: Kaufen Sie torffreie Erde. Für die Bodenverbesserung gibt es stattdessen Kompost, Mulch und Regenwürmer.
  • Rauf aufs Beet: Der Rasenschnitt kann als Mulch-Material locker auf die Gemüsebeete oder um Beerensträucher gestreut werden. So kommen Wildkräuter nicht hoch und man spart sich das häufige Jäten. Außerdem schützt Mulchen vor dem Austrocknen des Bodens.
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Kontakt für Rückfragen:

  • Almut Sattelberger, Naturschutzreferentin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg e.V., almut.sattelberger(at)bund.net, 0731 / 66695
  • Angela Koch, Referentin für Öffentlichkeits- und Pressearbeit BUND Baden-Württemberg, angela.koch(at)bund.net, 0176 / 240 43 107

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