BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Ausgleichsfonds Wolf

Die Rückkehr des Wolfes nach Baden-Württemberg ist ein großer Erfolg des Artenschutzes. Um die Akzeptanz für den Wolf zu erhöhen, haben der BUND und andere Naturschutzverbände sowie Jagdverbände den Ausgleichsfonds Wolf gegründet.

Wolf im Schnee Der BUND hat mit anderen Verbänden einen Fonds gegründet, um die Akzeptanz für den Wolf zu erhöhen.  (Cornelia Arens / klickfaszination.de)

 

Das landesweite Wolfsmanagement soll für das friedliche Zusammenleben von Wolf und Mensch beitragen. Der BUND sowie andere Verbände und Institutionen arbeiten aktiv daran mit, unter anderem durch den Ausgleichsfonds Wolf.

Leben mit dem Wolf

Im bundesweiten Vergleich ist es in Baden-Württemberg noch sehr ruhig um den Wolf. Seit er 2015 in den Südwesten eingewandert ist, wurden wenige hundert eindeutige Wolfsnachweise festgehalten. Daher weiß man, dass mindestens zehn Wolfsrüden ihren Weg zu uns gefunden haben. Ursprünglich stammen sie beispielsweise aus Niedersachsen, aus Italien oder der Schweiz. Bislang haben sich aber nur wenige der männlichen Tiere hier dauerhaft niedergelassen.

Wölfe sind Raubtiere, die sich überwiegend von Rehen ernähren. Baden-Württemberg besteht flächenmäßig jedoch nicht aus Wildnisgebieten, also naturbelassene Landschaften, in denen sich die Wölfe zurückziehen könnten. Bei uns ist die Kulturlandschaft, wie Äcker, Wiesen, Weiden und bewirtschaftete Wälder, vorherrschend. Dennoch reißen Wölfe nur sehr selten Nutztiere. Die Erfahrungen aus ganz Deutschland zeigen: Etwa ein Prozent der erlegten Beute sind Nutztiere.

Ausgleichsfonds Wolf

Für diese seltenen Fälle hat der BUND mit anderen Naturschutzverbänden und Jagdverbänden 2013 den Ausgleichsfonds Wolf gegründet. Die Verbände möchten so die Akzeptanz für den Wolf erhöhen. Aus dem Ausgleichsfonds erhalten betroffene Nutztierhalter*innen eine Entschädigung, wenn ein Wolf Nutztiere reißt. Dabei werden nicht nur Schäden durch Verlust von Weidetieren wie Schafe, Ziegen, Alpakas, Lamas und Gehegewild ausgeglichen, sondern auch die Tierarztkosten für verletzte Tiere oder die Kosten einer Suche ausgebrochener Tiere. Für geschädigte Gebrauchshunde, wie beispielsweise Hütehunde, kommt der Fonds ebenfalls auf.

In den Gebieten, in denen das Land die Finanzierung eines Grundschutzes übernimmt, ist dieser gleichzeitig Bedingung für eine Erstattung durch den Ausgleichsfonds – in der Regel sind das elektrische Zäune. Aber auch der alleinige Schutz durch Behirtung oder durch mindestens zwei Herdenschutzhunde ist zulässig. Bislang ist kein einziger Fall im Land bekannt, bei dem ein Wolf geschützte Nutztiere gerissen hätte. Lässt sich ein Wolf in einem neuen Gebiet nieder, so haben Nutztierhalter*innen ein Jahr Zeit, um ihre Herden wolfsabweisend zu schützen. Werden Nutztiere in dieser Übergangsfrist oder außerhalb des Fördergebiets gerissen, erstattet der Ausgleichsfonds auch ohne einen erfüllten Grundschutz die Schäden.

Unterstützung für Nutztierhalter*innen

Das Land lässt die Nutztierhalter*innen mit diesen erforderlichen Schutzmaßnahmen nicht allein. Der Rüde mit der wissenschaftlichen Bezeichnung »GW852m« ist seit Herbst 2017 immer wieder im Nordschwarzwald nachweisbar. Seinem Territorium angeglichen, richtete das Land daher 2018 eine erste Förderkulisse Wolfsprävention ein. Seit 2019 ist im südlichen Schwarzwald der Wolfsrüde »GW1129m« unterwegs. Daher wurde die Förderkulisse auf den Südschwarzwald ausgeweitet. Anfang 2022 gesellte sich der dritte Wolfsrüde im Schwarzwald,  »GW2103m«, dazu. Die genaue Abgrenzung des Fördergebiets Wolfsprävention Schwarzwald kann hier abgerufen werden. 

Mit dem Nachweis des Wolfsrüden >>GW1832m<<, welcher von 2020 bis April 2022 als sesshaft galt, wurde das Fördergebiet Wolfsprävention Odenwald eingerichtet. 

Innerhalb dieser Fördergebiete unterstützt das Umweltministerium Herdenschutzmaßnahmen wie zum Beispiel die Errichtung von wolfsabweisenden Zäunen oder den Unterhalt von Herdenschutzhunden. Weitere Informationen können auf den Seiten des Umweltministeriums und auf den Seiten des Ministeriums für ländlichen Raum und Verbraucherschutz abgerufen werden.

Außerdem hat der BUND am neuen Managementplan Wolf des Landes mitgearbeitet. Dieser wurde 2022 durch das Umweltministerium veröffentlicht und stellt die langfristige Perspektive zum Umgang mit dem Wolf in Baden-Württemberg dar.“

Der Ausgleichfonds Wolf - wie gehe ich vor?

Kam es zu einer Verletzung oder Tötung eines Nutztiers? Nehmen Sie mit der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) Kontakt auf: 0761 4018274 oder 0173 6041117.

Die FVA klärt dann durch Begutachtung vor Ort, ob der Angreifer ein Wolf war und hilft Betroffenen bei der Antragsstellung. Auf dem Antrag werden Art, Anzahl und Wert der verlorenen Tiere eingetragen. Der BUND verwaltet den Fonds und bearbeitet den eingegangenen Antrag auf Schadensausgleich. Nach einer Prüfung wird der Wert der getöteten Tiere erstattet. Der durchschnittliche Marktwert des gerissenen Tieres wird in Rücksprache mit den entsprechenden Zuchtverbänden berücksichtigt.

Übersicht der bisher geleisteten Zahlungen aus dem Ausgleichsfonds:

Datum der Auszahlung Ort/ Landkreis Herkunft Wolf Nutztier-art Getötete (verletzte/ vermisste) Tiere Erstattete Kosten Grund-schutz
16.01.2018 Widdern/Heilbronn nicht bekannt Schaf 3 300€ nein
13.12.2017 Bad Wildbad/Calw Niedersachsen Schaf 3 640€ nein
07.02.2018 Sersheim/Ludwigsburg Alpenpopulation Ziege 1 150€ nein
17.05.2018 Bad Wildbad/Calw Niedersachsen Schaf 17 (27) 8.350€ nein
10.09.2018 Hutzenbach/Freudenstadt nicht bekannt Schaf 2 (1) 420€ nein
05.11.2018 Gernsbach/Rastatt Niedersachsen Schaf 2 (2) 700€ nein
13.02.2019 Wolfach/Ortenaukreis Niedersachsen Schaf 1 200€ nein
18.03.2019 Oppenau/Ortenaukreis nicht bekannt Schaf 2 250€ nein
11.11.2020 Mudau/Neckar-Odenwald-Kreis Alpenpopulation Schaf 3 660€ nein
17.12.2020 Gurtweil/Waldshut mitteleuropäische Flachlandpopulation Schaf 2 (1) 560€ nein
17.12.2020 Merzhausen/Breisgau-Hochschwarzwald mitteleuropäische Flachlandpopulation Schaf 1 200€ nein
04.05.2021 Friedingen/Singen dinarische Population Schaf 4 (2) 730€ nein
01.07.2021 Mühlenbach/Ortenaukreis Alpenpopulation Schaf 5 510€ nein
01.07.2021 Limbach/Neckar-Odenwaldkreis Alpenpopulation Schaf 5 (2) 1.331,71€ nein
20.07.2021 Schramberg/Rottweil Alpenpopulation Schaf 3 410€ nein
14.10.2021 Bad-Rippoldsau-Schapbach/Freudenstadt Alpenpopulation Schaf 7 749€ unsicher
12.01.2022 Titisee-Neustadt/Breisgau-Hochschwarzwald Niedersachsen Rinderkalb 1 900€ nein
29.06.2022 Ehingen (Donau)/Alb-Donau-Kreis Mitteleuropäische Flachlandpopulation Lamm 1 60€ nein
18.07.2022 Dachsberg (Südschwarzwald)/Waldshut Niedersachsen Rinderkalb (1) 1.217€ nein
16.09.2022 Glottertal (Breisgau-Hochschwarzwald)/ Haplotyp HW01 Rinderkalb 1 1.050€ nein
14.10.2022 Baiersbronn/Freudenstadt Niedersachsen Ziege 2 400€ nein
14.11.2022 Bernau/Waldshut Niedersachsen Jungrinder 6 5.767€ nein
  Summe: 72 (36) 25.555 €  

Warum setzt sich der BUND für Wölfe in Baden-Württemberg ein?

Der BUND setzt sich auf allen politischen Ebenen dafür ein, dass das Zusammenleben zwischen Mensch und Wolf gelingt. Denn eins ist klar: Der Wolf gehört zu unsrer Natur und steht durch EU- und nationales Recht unter strengem Artenschutz. Er ist für ein funktionierendes Ökosystem wichtig und übernimmt seine Aufgabe in der Nahrungskette: Nur mit Beutegreifern wie ihm, die Rehe, Hirsche und Wildschweine bejagen, kann echte Wildnis ohne menschliche Eingriffe funktionieren. So können wir der Natur wieder Raum geben, sich selbst zu entfalten.

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Ansprechpartnerin Naturschutz

Lilith Stelzner

Naturschutzreferentin
E-Mail schreiben Tel.: 0711 620306-14

Position des BUND zum Wolf

Drei heulende Wölfe  (Cornelia Arens / klickfaszination.de)

Handlungsleitfaden Wolf

Der Wolf in Baden-Württemberg

 (Cornelia Arens / klickfaszination.de)

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