Der Wolf in Baden-Württemberg

Jahrhunderte lang hatte der Mensch den Wolf auf der Abschussliste, bis er ihn schließlich in Deutschland ausgerottet hat. Nun kehrt er auf leisen Pfoten zurück - auch nach Baden-Württemberg.

Ein Wolf, der durch den Wald läuft. Dass der Wolf 150 Jahre nach seiner Ausrottung zurückgekehrt ist, ist eine sehr gute Nachricht.  (Cornelia Arens / www.klickfaszination.de)


In ganz Deutschland sind aktuell 276 vom Wolf besiedelte Territorien (Monitoringbericht 2024/25 der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf DBBW) bestätigt. Darin leben 219 Wolfsrudel, 43 Wolfspaare und 14 territoriale Einzeltiere; konzentriert vor allem auf den Nordosten Deutschlands (vgl. Karte).

Im Jahr 2015 ist der Wolf auch nach Baden-Württemberg zurückgekehrt. Seither wandern immer wieder einzelne Wölfe aus unterschiedlichen Populationen ein. Denn im Alter von ein bis zwei Jahren verlassen junge Wölfe ihr Rudel, um ein eigenes Territorium zu suchen. Sobald sie sechs Monate in einem Gebiet nachgewiesen werden, gelten sie als resident bzw. als territoriales Einzeltier.
Derzeit leben in Baden-Württemberg vier einzelne sesshafte Wolfsrüden in den Territorien Enztal und Hornisgrinde (Nordschwarzwald), Schluchsee (Südschwarzwald) und Ostbaar. Dazu kommen immer wieder einzelne, durchziehende Tiere. Oft werden diese erst registriert, wenn sie tot aufgefunden werden oder Weidetiere gerissen haben. Dabei bringt eine genetische Untersuchung der Bisspuren den Nachweis.

Im Januar 2023 war erstmalig eine Fähe, ein weiblicher Wolf, im Schwarzwald genetisch nachgewiesen worden. Kurzzeitig existierte dann im Jahresverlauf ein Wolfsrudel im Südschwarzwald. Sowohl die Fähe als auch ihr Welpe fielen aber innerhalb weniger Monate dem Straßenverkehr zum Opfer. Seitdem existiert kein Rudel mehr in Baden-Württemberg.

Wann sich in Baden-Württemberg wieder ein Wolfspaar findet, das Junge aufzieht und so ein Rudel bildet, ist schwer einzuschätzen. 

Wenn Sie einen Wolf sehen

  • Wenn Sie in Baden-Württemberg einen Wolf in freier Wildbahn sehen oder ein Tier finden, das vom Wolf gerissen sein könnte, machen Sie Fotos und melden Sie dies bitte telefonisch der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA): 0761 4018274.
  • Eine Liste der bisher eingegangenen eindeutigen Wolfsnachweise sowie Hinweise zum Wolfs-Monitoring der FVA finden Sie auf der Webseite des Umweltministeriums.

Mit dem Wolf leben

Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland und Baden-Württemberg ist ein großer Erfolg des Artenschutzes. Das Raubtier ist für ein funktionierendes Ökosystem wichtig, denn es reguliert die Wildbestände von Reh, Rothirsch und Wildschwein und fördert durch das Hinterlassen von Aas die Biodiversität.

Für ein möglichst konfliktfreies Nebeneinander von Wolf und Weidetieren, sind flächendeckende Herdenschutzmaßnahmen das A und O. Denn in ihrer Lernphase dürfen junge Wölfe nicht mit ungeschützten Weidetieren in Kontakt kommen, sondern müssen Erfahrungen mit schmerzhaften Weidezäunen oder wehrhaften Herdenschutzhunden sammeln.

Einem Wolf begegnen

Für den sehr unwahrscheinlichen Fall einer Begegnung mit dem Wolf ist Ruhe und Gelassenheit angesagt. Wie man sich bei einem möglichen Aufeinandertreffen mit dem Wolf verhalten sollte, kann man unter anderem beim Umweltministerium Baden-Württemberg nachlesen: https://um.baden-wuerttemberg.de/de/umwelt-natur/biologische-vielfalt-und-mensch/artenschutz-und-management/wolf/verhaltenshinweise-beim-zusammentreffen-von-mensch-und-wolf 

Aber weder in Wolfsterritorien noch im Fall durchziehender Einzeltiere müssen Erholungssuchende oder Waldnutzende Einschränkungen befürchten. Denn anders als es seine Darstellung im Märchen suggeriert, meiden Wölfe in der Regel den Menschen. Seit ihrer Rückkehr nach Deutschland kam es noch zu keinem einzigen Angriff. 

Antworten auf häufige Fragen zu Wölfen im Land

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Sind Wölfe für Menschen gefährlich?

Der Wolf ist ein Raubtier, das sich überwiegend von Fleisch ernährt. Dennoch sind Wölfe für den Menschen nicht gefährlich. Den bösen Wolf gibt es nur im Märchen von Rotkäppchen. In Wahrheit gehen die vorsichtigen Tiere dem Menschen lieber aus dem Weg. Nur sehr selten und mit viel Glück sehen Menschen einen freilebenden Wolf. Solange Hunde angeleint oder dicht beim Menschen sind, ist auch für sie die Gefahr für eine Auseinandersetzung mit einem Wolf äußerst gering.

Wenn Sie einen Wolf sehen, der nicht von selbst verschwindet, klatschen Sie laut in die Hände oder rufen Sie, um ihn zu vertreiben. Wie bei anderen Wildtieren gilt auch beim Wolf: Niemals etwas Essbares zuwerfen oder sonstige Anlockversuche unternehmen.

Was fressen Wölfe?

Zur Beute von heimischen Wölfen gehören vor allem Reh-, Rot- und Schwarzwild. Aber auch Hasen,  Mäuse und Vögel stehen auf dem Speiseplan. Wenn Nutztiere wie Schafe und Ziegen nicht ausreichend geschützt sind, kann es gelegentlich auch zu Übergriffen kommen. Das sind aber absolute Ausnahmen: Nahrungsanalysen in der Lausitz zeigten, dass Nutztiere nur rund ein Prozent der Beute ausmachen und Wölfe sich zu 96 Prozent von Rehen, Hirschen und Wildschweinen ernähren.

Was ist ein Wolfsrudel?

Das Wolfsrudel besteht aus dem Elternpaar und dessen Nachwuchs des aktuellen und des letzten Jahres. Man könnte es fast als Familie bezeichnen. Dabei sind Wolfspaare treu und bleiben oft ein ganzes Leben lang zusammen. Sobald die Jungtiere alt genug sind, verlassen sie das Revier der Eltern. Auf der Suche nach einem eigenen Territorium müssen sie oft weite Strecken zurücklegen. Wie groß das Territorium eines Wolfsrudels ist, hängt dabei stark mit dem vorhandenen Nahrungsangebot zusammen.

Können Wölfe und Jäger*innen miteinander auskommen?

Es gibt Möglichkeiten für ein gutes Miteinander von Wölfen und Jäger*innen. Nach dem Bundesjagdgesetz sollen Jäger*innen einen "den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepassten artenreichen und gesunden Wildbestand" erhalten. Dazu zählen auch Beutegreifer wie der Wolf. Die Jagd auf ihn ist in Deutschland ohnehin gesetzlich verboten.

 

Wie setzt sich der BUND für Wölfe in Baden-Württemberg ein?

Der BUND hat mit anderen Naturschutzverbänden und Jagdverbänden den Ausgleichsfonds Wolf gegründet, um die Akzeptanz für den Wolf zu erhöhen. Aus dem Ausgleichsfonds erhalten betroffene Nutztierhalter*innen Ausgleichszahlungen, wenn ein Wolf Nutztiere reißt. Das passiert jedoch selten. Die Erfahrungen zeigen, dass Wölfe sich am ehesten von wilden Huftieren wie Rehen ernähren, die wenig wehrhaft sind. In Deutschland machen Nutztiere nur etwa ein Prozent ihrer Beute aus.

Der von BUND, dem Umweltministerium Baden-Württemberg (UM), der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) und anderen Verbänden erstellte Managementplan Wolf greift alle rechtlichen und fachlichen Grundlagen und Maßnahmen auf, die für den Umgang mit dem Wolf von Bedeutung sind. Ziel ist es, eine möglichst konfliktarme Koexistenz zwischen Wolf und Mensch zu erreichen.  Der BUND setzt sich auf allen politischen Ebenen dafür ein, dass dieses Ziel erreicht wird.

 

Sind Nutztiere den Wölfen schutzlos ausgeliefert?

Nein, denn wolfssichere Zäune haben die Zahl der Risse von Nutztieren in den Wolfsgebieten in den vergangenen Jahren verringert. Deswegen unterstützt die Landesregierung geeignete Schutz-Maßnahmen der Nutztierhalter*innen. Neben den seit Jahrhunderten bewährten Herdenschutz-Hunden sind es vor allem Elektrozäune, die Weidetiere vor Wölfen schützen. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite des Umweltministeriums.

Das Land hat als Reaktion auf die Nachweise der ersten sesshaften Wölfe in Baden-Württemberg die Fördergebiete Wolfsprävention eingerichtet. Diese Fördergebiete werden mit jedem weiteren sesshaften Wolf ausgeweitet.

 

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Ansprechpartner Wolf und Luchs

Hartmut Weinrebe

Regionalverband Mittlerer Oberrhein
E-Mail schreiben Tel.: (0721) 358582

BUND Standpunkt

 (BUND BV)

Hier werden die Herausforderungen und Chancen eines Zusammenlebens von Wölfen und Weidetieren in Deutschland beleuchtet.

Zum Dokument

Position des BUND zum Wolf

Drei heulende Wölfe  (Cornelia Arens / klickfaszination.de)

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