BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Taubenschwänzchen

Das Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) wird oft auch Garten-Kolibri genannt. Denn es schwirrt gerne mit rund 80 Flügelschlägen pro Sekunde von Blüte zu Blüte. Es bleibt dabei wie ein kleiner Hubschrauber in der Luft stehen, um mit seinem Saugrüssel Nektar zu schlürfen. Damit ist es anderen Schmetterlingen weit überlegen. Denn die kommen auf zehn bis 15 Flügelschlägen in der Sekunde.

Ein Taubenschwänzchen schwirrt im Stehflug vor einer Blüte und saugt Nektar. Das Taubenschwänzchen ist nahezu überall im offenen Gelände zu beobachten. Einzige Voraussetzungen: nektarreiche Futterpflanzen und schönes Wetter mit viel Sonne und wenig Wind  (Christoph Böhme)

Aussehen: Ähnlichkeit mit Tauben

Seinen Namen verdankt der kleine Schwärmer den schwarz-, braun- und weißgefärbten Haarbüscheln an seinem Hinterleib, die an Schwanzfedern von Tauben erinnern. Der Saugrüssel sieht aus wie ein langer dünner Schnabel. Taubenschwänzchen haben graubraune Vorderflügeloberseiten mit zwei unauffälligen, schmalen, gewellten, dunkelbraunen Binden. Die deutlich kleineren Hinterflügel sind orangebraun und am Außenrand schwarz umrandet.

Wie bei allen Raupen aus der Familie der Schwärmer haben auch die Taubenschwänzchen-Raupen am Hinterleib einen auffälligen Stachel: ein sogenanntes Analhorn. Bei der Taubenschwänzchen-Raupe ist es bläulich mit gelber Spitze. Damit versuchen sie Fressfeinde abzuschrecken.

Lebensweise: rastloser Schwärmer mit hohem Energiebedarf

Die meisten Schwärmer sind dämmerungs- und nachtaktiv; nicht so das Taubenschwänzchen. Von Sonnenaufgang bis -untergang ist es rastlos unterwegs. Das kostet es viel Kraft. Zum Glück ist es mühelos in der Lage, den Nektar von bis zu 100 Blüten pro Minute zu tanken. Die Gartenkolibris saugen gerne an blauen und rotvioletten Blüten mit langen und engen Blütenkelchen wie Rotklee und Luzerne, aber auch an Garten- und Balkonpflanzen wie Fuchsien, Petunien, Buddleja und Phlox.

Taubenschwänzchen erledigen alles im Flug – so auch das Eierlegen. Die Mutter heftet ein bis zwei Eier an die Spitze der Labkrautpflanzen. Denn Wald-Labkraut, Wiesen-Labkraut, Echtes-Labkraut oder Kletten-Labkraut sind die Leibspeisen der Raupen. Nach sechs bis acht Wochen verpuppen sich die Raupen. Dabei verkriechen sie sich im Erdreich und bauen ein Gespinst aus lockeren Fäden. In Baden-Württemberg kommen die Taubenschwänzchen auf drei Generationen im Jahr. In den wärmeren Mittelmeerregionen, wo die Falter ursprünglich herkommen, bringen sie es auf bis zu vier.

Natürliche Feinde haben hierzulande vor allem die Raupen. Auf die haben es insektenfressende Singvögel abgesehen. Der Schmetterling ist für Fluginsektenjäger zu groß und zu dick. Nur in wärmeren Weinbaugebieten wie dem Kraichgau oder dem Kaiserstuhl wird ihnen der Bienenfresser als Großinsektenjäger gefährlich. Diese Vögel sind aus den Mittelmeer-Regionen zu uns eingewandert.

Vorkommen: ursprünglich südlich der Alpen zuhause

Auch das Taubenschwänzchen ist bis zu 2.000 Kilometer über die Alpen zu uns nach Mitteleuropa eingewandert. Allerdings dürfte in früheren Zeiten der kälteempfindliche Schmetterling den Winter bei uns nicht überlebt haben. Er mag es warm und trocken. Mittlerweile aber gibt es Tiere, die in klimatisch besonders begünstigten Regionen überwintern.

Taubenschwänzchen können in unterschiedlichen Landschaftsräumen vorkommen, vom Rheintal bis auf die Schwäbische Alb und bis ins Allgäu  –vorausgesetzt sie finden genügend Nektar.

BUND-Einsatz

Der BUND engagiert sich

  • auf allen politischen Ebenen gegen das Insektensterben
  • für blütenreiche Wiesen, die nur zweimal im Jahr gemäht werden und für Gärten und Balkone mit vielen nektarspendenden Pflanzen.

Naturbeobachtung

Das Taubenschwänzchen ist nahezu überall im offenen Gelände zu beobachten. Einzige Voraussetzungen: nektarreiche Futterpflanzen und schönes Wetter mit viel Sonne und wenig Wind. die Tiere kommen auch in Parks, Gärten oder in Städten an Balkonen vor, wenn dort blühende Pflanzen wachsen. Gemieden werden nur dichte Wälder. In Mitteleuropa können Schmetterlings-Freund*innen die Falter vor allem Ende Juni, Mitte Juli und im August/September beobachten.

Ein Taubenschwänzchen schwirrt im Stehflug vor einer Blüte und saugt Nektar.  (Christoph Böhme)

Das Foto und seine Geschichte

Das Foto eines Taubenschwänzchens hat Christoph Böhme beim Fotowettbewerb wildes Baden-Württemberg eingereicht. Er hat den Garten-Kolibri in Sasbachwalden im Ortenaukreis fotografiert. Zu seinem Bild schrieb er: “Kurzbesuch bei den Blüten – und weg war es wieder. Grade noch rechtzeitig auf Klick gedrückt.“

Quellen:

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