BUND Landesverband
Baden-Württemberg
Purpurreiher-Paar sitzt in seinem Nest im Schilf  (Frieder Forst)

Der Purpurreiher (Ardea purpurea) ist eine wirkliche Seltenheit geworden. Nur im Norden Deutschlands und bei uns im Süden sind noch Brutpaare anzutreffen. Baden-Württemberg hat eine große Verantwortung für diese Vogelart. Denn es wird geschätzt, dass bis zu einem Drittel der Brutpaare hier leben.

Aussehen: dem Namen alle Ehre

Ihren Namen verdanken die Vögel der Färbung ihres Gefieders. Der Hals ist rotbraun gefärbt und das Gefieder dunkelgrau. Am Hals haben sie einen dunklen Streifen und Schmuckfedern. Auch der Kopf und die Unterseite des Schwanzes sind dunkel, nahezu schwarz. Schnabel und Beine sind dagegen gelb gefärbt. Fast alles an ihnen ist lang: der Hals, der Schnabel und die Beine. Nur der Schwanz ist recht kurz. 

Sind die seltenen Vögel zur Paarung bereit, tragen sie einen Federschopf am Kopf. Es dauert bis zu fünf Jahre, bis die braunen Jungen die dunkle Färbung der Eltern bekommen. Mit 80 bis 90 Zentimetern sind sie kleiner als die Graureiher. Ihre Flügelspannweite beträgt bis zu eineinhalb Metern. Männchen und Weibchen sind sich sehr ähnlich.

Lebensweise: versteckt im Schilf

Purpurreiher leben gut versteckt am Wasser im dichten Schilf an Seen, Sümpfen oder an stilleren Flussarmen. Ihre langen Zehen sind so gebaut, dass sie Schilf gut umgreifen können. Bei Gefahr verstehen es schon die Jungtiere, sich zwischen dem Schilf gut zu verstecken. Dabei richten sie sich auf und strecken den Schnabel wie einen Schilfstrang in die Höhe. 

Ihre trichterförmigen und schweren Horste müssen bis Mai beziehungsweise Juni fertig gebaut sein. Denn dann beginnt die Brutzeit. Beide Elterntiere bauen ihr Nest in großen Kolonien ins zwei Meter hohe Schilf. Das Weibchen legt drei bis fünf hellblaue Eier. Nach etwa vier Wochen schlüpfen die Jungen. Beide Eltern kümmern sich abwechselnd um ihren Nachwuchs. Schon mit zehn Tagen können die Jungen aus dem Nest klettern, um sich im Ernstfall zu verstecken. Mit sieben bis acht Wochen verlassen Purpurreiher die Eltern.

Die schönen dunklen Reiher sind kommunikative Wesen: Wenn ein Elterntier zum anderen ins Nest zurückkommt, begrüßen sie sich intensiv. Sie sträuben die Stirnfeder, recken den Hals und rufen einander „krek“ zu. Sonst sind sie eher stille Gesellen, die man kaum hört. Um ihr Gefieder vor Wasser zu schützen, fetten sie sich nicht ein, sondern pudern sich: Dabei zersetzen sich die Federspitzen zu einer Art Puder, das die Vögel dann mit Schnabel und Krallen im Gefieder verteilen.

Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem Fische. Wenn es sich ergibt verspeisen sie aber auch Eidechsen, Mäuse, Schlangen, Frösche, Kröten oder Insekten. Purpurreiher sind sehr geschickte Jäger. Sie lauern still im flachen Wasser auf ihre Beute. Erspähen sie etwas, dann stoßen sie mit ihrem dolchartigen spitzen Schnabel schnell zu. Ist der Fisch gepackt, schütteln sie ihn ab und verspeisen ihn. Bei der Fütterung gehen die Jungtiere sehr brutal miteinander um. Hackend erkämpfen sie sich ihre Nahrung, was nicht selten zu Todesfällen führt.

Purpurreiher verbringen nur die Sommermonate bei uns. Im September ziehen sie über den Äquator, um dort zu überwintern.

Vorkommen und Gefährdung

Der Purpurreiher ist eine sehr sehr seltene Vogelart. Sie kommt in Europa, Asien und Afrika vor. In Deutschland leben Purpurreiher nur im Süden und im Nordwesten des Landes. Baden-Württemberg trägt eine besonders große Verantwortung. Denn laut Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) brüten 17 bis 34 Prozent der deutschen Purpurreiher-Paare in Baden-Württemberg. In den letzten Jahren hat sich ihr Bestand erholt. Die schönen dunklen Vögel profitieren vom Klimawandel.

Der größte Feind des Purpurreihers ist der Mensch, der seine Lebensräume zerstört oder die Reiher an den Brutplätzen stört. Bautätigkeiten an Gewässern oder Kiesabbau bewirken, dass wertvolle Schilfgebiete und damit Lebensräume verloren gehen.

BUND-Engagement:

Der BUND fordert, 

  • die Brutgebiete wirkungsvoll zu schützen.
  • die Renaturierung von Flüssen in Baden-Württemberg.
  • den Flächenverbrauch durch neue Bauprojekte und Siedlungsgebiete zu stoppen.

Naturbeobachtungstipp: aus der Ferne gucken

Bei Bootstouren durch die Schilfzonen werden die scheuen Reiher immer wieder hochgescheut. Stört man sie häufig am Brutplatz, dann verlassen die Reiher ihren bisherigen Lebensraum und müssen einen neuen suchen. Purpurreiher sollten deshalb nur aus großer Entfernung beobachtet werden!
 

Purpurreiher-Paar sitzt in seinem Nest im Schilf  (Frieder Forst)

Ein Foto und seine Geschichte: 

BUND-Mitglied Frieder Forst hat das Familienfoto der Purpurreiher auf ihren Nestern geschossen und damit den 4. Platz bei BUND-Wettbewerb wildes Baden-Württemberg erreicht. Er hat das Paar im Naturschutzgebiet Wagbachniederung zwischen Mannheim und Karlsruhe abgelichtet. 

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