BUND Landesverband
Baden-Württemberg
Orchideenblüte auf der Schwäbischen Alb  (Simone Mathias)

Die traditionelle und kleinbäuerliche Landwirtschaft kann für enormen Artenreichtum sorgen. Auf der Schwäbischen Alb sind vor Jahrhunderten durch Beweidung und Heuschnitt artenreiche Wiesen entstanden. Doch diese Blumenwiesen, die wissenschaftlich magere Halbtrockenrasen heißen, werden immer seltener. Mit ihnen schwinden ihre Bewohner – wie Schmetterlinge, Wildbienen & Co.

Hotspot der Artenvielfalt

Die Schwäbische Alb bietet besondere Lebensraumbedingungen, aus denen sich viele ökologisch wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen entwickeln konnten. Artenreiche Blumenwiesen sind gerade dort zu finden, wo die Standortbedingungen eher hart sind. Im Sommer herrscht Trockenheit, da das Wasser im Kalkgestein der Schwäbischen Alb schnell versickert. Außerdem sind die Böden nur wenig fruchtbar, da sie wenige Nährstoffe enthalten. Genau diese schweren Bedingungen ermöglichen den vielen Wildblumen, sich gegen schnell wachsende Gräser durchzusetzen.

Die vielen Blüten bieten Insekten durch Nektar und Pollen ein reiches Nahrungsbüffet. Diese wiederum sind Nahrungsgrundlage für Vögel, Reptilien und kleine Säugetiere. Dadurch erreichen magere Halbtrockenrasen eine enorm hohe Biodiversität, die allerdings nur durch eine weitere extensive Nutzung bestehen bleibt.

Wiese ist nicht gleich Wiese

Wiesen unterscheiden sich je nach Standort. Je nachdem wachsen darin unterschiedliche Pflanzenarten. Der Wiesentyp auf dem Foto heißt Salbei-Glatthaferwiese. Sie kommt besonders in Hanglagen auf kalkreichem Untergrund vor, wie zum Beispiel auf der Schwäbischen Alb. Mit bis zu 60 verschiedenen Pflanzenarten ist die Vielfalt bei diesem Wiesentyp besonders hoch. Im Vergleich: Stark gedüngte Wiesen weisen häufig nur rund ein Dutzend Arten auf.

Auf diesen Wiesen haben viele seltene oder gefährdete Pflanzenarten wie die Mücken-Händelwurz, weitere heimische Orchideenarten, die Küchenschelle, die Echte Schlüsselblume, die Kugel-Teufelskralle, Knöllchen-Steinbrech oder das Gewöhnliche Sonnenröschen eine Heimat. Zu den weiteren typischen Pflanzenarten zählen Wiesen-Salbei, Hornklee, Glockenblume, Wiesen-Flockenblume, Schafgarbe, Margerite, Wiesen-Bocksbart und Knöllchen-Steinbrech. Auch der Klappertopf ist zu finden – als Halbschmarotzer nutzt er benachbarte Gräser, zapft deren Wurzeln an und entzieht ihnen Wasser und Nährstoffe. 

Gefährdung

Artenreiches Grünland ist besonders durch den Wandel in der Landwirtschaft und den zunehmenden Flächenverbrauch gefährdet. Landwirt*innen müssen wegen fallender Preise immer mehr Erträge aus den Flächen erwirtschaften. Sie nutzen Wiesen, um beispielsweise Milchkühe mit frischem Grünfutter oder mit Heu versorgen zu können. Damit sie mehr Futter ernten können, düngen sie mit Gülle, Klärresten oder Gärresten aus Biogasanlagen mähen mehrfach im Jahr. 

Dadurch bekommen nach kurzer Zeit die schnellwachsenden Gräser die Überhand und die wertvollen Blütenpflanzen werden verdrängt. Viele der seltenen und gefährdeten Pflanzenarten sind sehr empfindlich gegenüber Düngemitteln. Sie vertrage auch kein häufiges Mähen. Durch häufigen Schnitt können die Wildblumen außerdem keine Samen ausbilden und sich nicht mehr ausbreiten. Solche magere Halbtrockenrasen sind seit Beginn des 20. Jahrhunderts um 90 Prozent ihres Flächenanteils zurückgegangen und sind mittlerweile stark bedroht.
Gründe sind außer der stärkeren Nutzung aber auch das Brachfallen, also die Nicht-Nutzung oder -Pflege. Da es sich um deutlich trockenere Standorte handelt, sind diese ertragsärmer und somit weniger rentabel als feuchtere Fettwiesen. Sie werden schlicht vernachlässigt.


Engagement BUND

  • Der BUND fordert, den Flächenverbrauch zu stoppen und artenreiches Grünland zu erhalten.
  • Der BUND setzt sich dafür ein, dass kleinbäuerliche Strukturen erhalten bleiben und extensive Landwirtschaft rentabel bleibt.

Über das Foto

Orchideenblüte auf der Schwäbischen Alb  (Simone Mathias)

Das Foto einer artenreichen Orchideenwiese hat Simone Mathias 2018 beim Fotowettbewerb wildes Baden-Württemberg eingereicht und damit den Sonderpreis für die Artenvielfalt gewonnen. Arten- und blütenreiches Grünland ist die Lebensgrundlage für Insekten. Die Fotografin Mathias schreibt zu ihrem Bild: "Was für ein Unterschied zwischen der Wiese auf dem Bild und den leb- und seelenlosen Schottergärten in unseren Städten... Kein Wunder werden die Insekten immer weniger. Auf der einen Seite vergiftet man sie in der Landwirtschaft und in den Gärten, auf der anderen Seite lässt man sie verhungern, weil man immer mehr von ihren Lebensräumen und Futterquellen entzieht."

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