BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Die Haubentaucher-Familie

Wenn Mama und Papa Haubentaucher ihr schwimmendes Nest verlassen, dann legen sie Blätter, Schilf und Gräser auf die Eier. So schützen sie ihre ungeborenen Jungen, während sie unter Wasser kleine Fische oder Wasserinsekten jagen. Nach dem Schlüpfen werden die Jungvögel von den Eltern auf dem Rücken getragen und manchmal sogar beim Tauchen, versteckt im Gefieder, mit unter Wasser genommen.

Haubentaucher Eltern füttern ihr Junges Die Haubentaucher-Jungen können sofort schwimmen und tauchen. Anfangs sind sie allerdings nur selten im Wasser. Sie sitzen sie auf dem Rücken ihrer Elterntiere, oft versteckt unter deren Flügeln.  (Christoph Böhme)

Ihren Namen verdanken Haubentaucher ihrer Federhaube und der Tatsache, dass sie unter Wasser tauchend jagen. Obwohl sie Wasservögel sind, haben Haubentaucher keine Schwimmhäute. Stattdessen umgeben lappenartige Verbreiterungen ihre drei Vorderzehen. Die Vögel werden mit etwa 50 Zentimetern etwa so groß wie Stockenten.

Frau und Herr Haubentaucher haben kein unterschiedliches Federkleid, wie wir es zum Beispiel von den Stockenten kennen. Sie sind gleich gefärbt: Halsvorderseite, Bauchunterseite und das Gesicht sind weiß, das Rückengefieder und der Nacken rotbraun und schwarz. Im Winter ziehen sie ihr Schlichtkleid über und ihre Haube ist deutlich kleiner und sie sind überwiegend braungrau. Zur besseren Tarnung auf dem Wasser tragen die Jungtiere ein Zebrastreifengefieder.

Wo kommen Haubentaucher vor?

Haubentaucher leben in ganz Europa. Zum Überwintern ziehen die Nordlichter aus Skandinavien oder Norddeutschland unter ihnen an den Bodensee. In Baden-Württemberg gibt es etwas 2.000 Brutpaare. Bei der Wahl ihres Lebensraumes sind Haubentaucher flexibel. Ob große oder kleinere, ob stehende oder langsam fließende natürliche Gewässer – ihnen ist alles recht. Hauptsache, es gibt genug Schilf, Süßgräser und genug Fische. Wenn im Winter die Gewässer zufrieren, ziehen sie auch an die Küsten, doch in Deutschland sind sie eher keine Zugvögel.

Lebensweise: Pinguin-Tanz und Katzen-Pose

Auf ihrem Speiseplan stehen kleine Fische, aber auch Wasserinsekten und Kleinkrebse, die sie unter Wasser tauchend jagen. Sie können bis zu 20 Meter tief tauchen. 

Die Balz der Haubentaucher ist beeindruckend. Sie läuft nach festen Regeln ab: Beide Partner schütteln ihre Köpfe, spreizen den Federkragen und tun so, als würden sie sich putzen. Das Paar präsentiert sich gegenseitig Geschenke in Form von Nistmaterial im Schnabel. Sie führen einander den „Pinguin-Tanz“ vor. Dabei paddeln sie auf dem Wasser aufeinander zu und richten sich Brust an Brust auf und machen eine „Katzen-Pose“. Bei dieser Pose winkeln sie ihre Flügel scheinbar drohend ab. 

Ihr schwimmendes (Liebes-)Nest baut das Haubentaucher-Paar gemeinsam aus Pflanzenteilen wie Blättern, Süßgras und Schilf. Im März oder April legt das Weibchen drei bis sechs Eier, die von beiden Partnern abwechselnd ausgebrütet werden. Die Küken schlüpfen Anfang bis Mitte April. Sie können sofort schwimmen und tauchen. Anfangs sind sie allerdings nur selten im Wasser. Stattdessen sitzen sie auf dem Rücken ihrer Elterntiere, oft versteckt unter deren Flügeln. Dies ist wichtig, damit sie vor Feinden geschützt sind. Hechte, Graureiher und Rohrweihen haben es auf die jungen Haubentaucher abgesehen. Sie sind fast drei Monate von ihren Eltern abhängig.

Sind Haubentaucher besonders geschützt?

Haubentaucher sind in Baden-Württemberg ungefährdet. Wie alle europäische Vogelarten unterliegen sie dem allgemeinen Schutz der EU-Vogelschutzrichtlinie. In Deutschland gehören sie zu den vom Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützten Arten. Obwohl Haubentaucher dem Jagdrecht unterliegen, dürfen sie in Deutschland nicht bejagt werden; für sie gilt eine ganzjährige Schonzeit.

Naturtipp: Haubentaucher beobachten

Pinguin-Tanz und Katzenpose können Naturliebhaber*innen während der Balz ab Dezember in den Überwinterungsgebieten auf größeren und kleineren See sowie ruhigeren Flüssen beobachten.

Unnützes Wissen

  • Haubentaucher sind nicht die besten Sänger unter den Vögeln. Sie sind wenig ruffreudig. Im Frühjahr prägen die weit über das Wasser schallenden Balzrufe "kraorrr" oder "aorr". In Ufernähe hören Spaziergänger*innen bis in den Herbst hinein das bettelnde "vievievie" der Jungvögel.

  • Informationen mit Dank an LBV
  • und LUBW

Über das Foto

Haubentaucher-Familie bei der Fütterung ihres Jungen  (Christoph Böhme)

Die Postkarte der Haubentaucher-Familie links "Gemeinsam sind wir stark!" können Sie beim BUND Baden-Württemberg bei angela.koch(at)bund.net bestellen.

Christoph Böhme hat die Haubentaucher-Familie für den Fotowettbewerb wildes Baden-Württemberg eingereicht. Er hat mit seiner Kamera den Moment eingefangen, als ein Haubentaucher-Paar eines seiner Küken im Naturschutzgebiet Taubergießen bei Rust fütterte. Einer der Altvögel bebrütete noch ein zweites Ei. Taubergießen ist ein Auengebiet am südlichen Oberrhein. Böhme erhielt dafür 2018 beim BUND-Wettbewerb den 3. Platz. Die Jury wertete: "Eine eindrucksvolle Momentaufnahme. Man hört das Küken vor Hunger piepen und sieht den Fisch noch im Schnabel zappeln."

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