BUND Landesverband
Baden-Württemberg

KOHLE RAUS AUS HEIDELBERGS HEIZUNGEN!

Für erneuerbare Fernwärme ohne Steinkohle

Die Klimakrise schreitet immer schneller voran. Auch in der Region Heidelberg ist sie mittlerweile spürbar. Unsere Landwirtschaft, der Odenwald und das Stadtklima sind durch den Klimawandel bereits heute akut bedroht. Daher hat Heidelberg den Klimanotstand ausgerufen. Trotzdem stammen noch immer 75% der Fernwärme aus extrem klimaschädlicher Steinkohle, die im Großkraftwerk Mannheim verbrannt wird. Mit jährlich 6,8 Mio. Tonnen CO2-Emissionen heizt das Kraftwerk das Klima weiter an. Dies entspricht knapp zehn Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen Baden-Württembergs.

Heidelberg muss endlich seiner Verantwortung für Mensch und Umwelt gerecht werden und in 100% erneuerbare Fernwärme einsteigen!

Update: Wird Heidelberg jetzt kohlefrei?

Ende November 2019 hat der Heidelberger Gemeinderat einen 30-Punkte-Plan zum Klimaschutz verabschiedet. Darin hat das Stadtparlament unsere Forderungen weitestgehend übernommen. Die Stadtwerke Heidelberg sollen bis Ende 2020 allen Fernwärme-Kund*innen insgesamt 50 Prozent „grüne“, CO2-neutrale Wärme zur Verfügung stellen. Bis 2030 soll die Fernwärme dann weitestgehend CO2-neutral sein.

Dieser tolle Erfolg innerhalb weniger Wochen ist auch Eurem Engagement zu verdanken! Wir haben gemeinsam eine Menge Unterschriften gegen Fernwärme aus Steinkohleverbrennung gesammelt.  Die Gruppe „Heidelberg kohlefrei!“ hat außerdem mit sehr erfolgreichen Lobbygesprächen den Gemeinderat über den Klimakiller in der Fernwärme bestens informiert.

Da in dem 30-Punkte-Plan unsere Forderungen weitestgehend übernommen wurden, haben wir seit Ende November keine aktive Werbung mehr dafür gemacht und uns nun dafür entschieden, den Appell abzuschalten. Wie geht’s weiter?

Die Gruppe „Heidelberg kohlefrei!“ wird weiterhin den Prozess der Umsetzung kritisch begleiten und freut sich immer über neue motivierte Leute. Unter www.hd-kohlefrei.de findet ihr die Termine der nächsten Treffen und Infos zu den neuesten Entwicklungen.

Das Kohlekraftwerk Mannheim verschmutzt natürlich weiterhin die Umwelt und seine Betreiberinnen kümmern sich weiterhin nicht um die Menschenrechtsverletzungen in den Kohleabbauregionen dieser Welt. Aus diesem Grund müssen sich auch Mannheim, Speyer, Ketsch, Brühl und Schwetzingen dazu entscheiden, die dreckige Steinkohle-Fernwärme nicht mehr abzunehmen!

Steinkohle = Klimakrise

Kein Steinkohle-Kraftwerk in Deutschland stößt mehr CO2 aus als das Großkraftwerk Mannheim. Pro Jahr trägt das Kraftwerk mit 6,8 Mio Tonnen CO2 (2018) erheblich zur Klimakrise bei. Das entspricht etwa 10% der gesamten CO2-Emissionen Baden Württembergs. (Foto: BUND)

Steinkohle=mangelnde Menschenrechte

Beim Abbau der Steinkohle werden Menschenrechte mit Füßen getreten: Alleine für den Tagebau Cesar in Kolumbien wurden 59 000 Menschen zwangsumgesiedelt und 2 600 Menschen ermordet. Die Arbeiter*innen im Tagebau klagen über fehlende Gewerkschaftsfreiheit, zu lange Arbeitszeiten und schlechten Gesundheitsschutz. (Foto: Elke Dünnhoff)

Steinkohle = Quecksilber in der Atemluft

Das GKM emittierte im Jahr 2017 112kg Quecksilber. Zum Vergleich: Die tödliche Dosis einer akuten Quecksilbervergiftung liegt zwischen 150 und 300 mg. Durch Quecksilber können beispielsweise Leber und Nieren stark geschädigt werden – besonders in der Umgebung von Kraftwerken wie dem GKM. (Foto: BUND)

Häufig gestellte Fragen und Antworten

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Was ist eigentlich Fernwärme?

Mit Fernwärme wird Wärme bezeichnet, die mit Hilfe von heißem Wasser oder Dampf über ein Wärmenetz von einem Erzeuger zu WärmekundInnen geleitet wird. Das Großkraftwerk Mannheim speist Wärme in ein Netz ein, welches die Wärme sowohl zu Mannheimer KundInnen als auch nach Heidelberg und Schwetzingen leitet. Von Nahwärme spricht man häufig dann, wenn es sich um ein kleineres/kürzeres Wärmenetz handelt. Ob die Wärme von nah oder fern kommt: für die Erfüllung unserer Pariser Klimaschutzverpflichtungen ist es wichtig, dass sie bis 2030 aus überwiegend erneuerbaren Quellen und mindestens 95% CO2-neutralen Quellen kommt, sei es nun, direkt vor Ort oder von einer weiter entfernt gelegenen Quelle.

Was ist Kraft-Wärme-Kopplung und wieso kommt Wärme aus einem stromerzeugenden Kraftwerk?

Kraft-Wärme-Kopplung (abgekürzt KWK) bezeichnet die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme. Für die Stromerzeugung werden Gas (beim Gaskraftwerk) oder Dampf (beim Dampfkraftwerk) erhitzt. Den bei der Erwärmung entstehenden hohen Druck (Überdruck) nutzt man, um das Gas/den Dampf durch eine Turbine zu schicken. Beim Antreiben der Turbine kühlt das Gas oder der Dampf ab. Nach dem Austritt aus der Turbine verbleibt eine Restwärme, die man für die Wärmeerzeugung nutzen kann. Auf diese Weise nutzt man die Energie im Brennstoff besser aus. Daher wird KWK allgemein gerne als klimafreundlich bezeichnet. Ist der Brennstoff so CO2-intensiv wie Braun- und Steinkohle, kann aber heute von Klimaschutz keine Rede mehr sein.

Das GKM ist doch so effizient. Warum ist es trotzdem klimaschädlich?

Der gegen den Protest von Umweltverbänden 2015 in Betrieb gegangene Block 9 des GKM hat zwar eine hohe Effizienz, die Strom- und Wärmeerzeugung ist jedoch wegen der hohen CO2- Intensität des Brennstoffs trotzdem mit einem hohen CO2-Ausstoß verbunden. Ca. 340 g CO2 werden bei der Verbrennung von 1 kWh Steinkohle frei. Der thermische und elektrische Wirkungsgrad des Kraftwerks ist nicht öffentlich benannt, bei der Verbrennung von 1 kWh Steinkohle entstehen aber ca. 0,4 kWh Strom und 0,3 kWh nutzbarer Wärme. Diese Emissionen sind über 50% höher, als wenn die Wärme im Gasbrennwertkessel erzeugt wird und der Strom aus dem Stromnetz als Vergleich herangezogen werden. Hinzu kommt, dass nur ca. 40% der Wärmeerzeugung des GKM aus Block 9 kommen, der Rest kommt aus den deutlich ineffizienteren und älteren Blöcken.

Ist es nicht kontraproduktiv für den Klimaschutz, wenn Heidelberg keine Wärme mehr aus dem GKM bezieht und die Abwärme des Kraftwerks ungenutzt bleibt und in den Rhein geleitet wird?

Wenn Heidelberg die Wärme stattdessen aus erneuerbaren Quellen erzeugt, so erhöhen sich die CO2- Emissionen um kein kg, dadurch dass die Abwärme des Kraftwerks nicht genutzt wird. Die CO2-Emissionen des Kraftwerks werden dann sogar zurück gehen, da sich die Wirtschaftlichkeit der Stromerzeugung verschlechtert, wenn das Kraftwerk keine Wärme mehr verkaufen kann. Durch den dann höheren Preis für den Strom, sinkt die Nachfrage. Schon jetzt, ist die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks nicht gut und sie wird sich mit steigendem CO2-Zertifikatepreis weiter verschlechtern. Ferner droht dem GKM die Deutsche Bahn als Kundin zu verlieren, da die Bahn lieber mit erneuerbarem Strom fahren möchte. Die Chancen stehen also gut, durch Stopp des Wärmebezugs, die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks so weit zu verschlechtern, dass es weit vor Ende der maximal erlaubten Laufzeit abschalten muss.

Ist es nicht aus Gründen der Stabilität des Netzes schlecht das Kraftwerk abzuschalten?

Durch eine dezentrale Einspeisung aus verschiedener erneuerbaren Quellen wird das System der Fernwärme deutlich komplexer. Die wissenschaftlichen und technischen Konzepte liegen bereit, um Spitzen beim Wärme- und Strombedarf auch ohne die Verbrennung von Steinkohle abzufangen. Der „Energie- und Zukunftsspeicher“ im Pfaffengrund ist ein gutes Beispiel für diesen Transformationsprozess.

Welche Alternativen gibt es zur Steinkohlefernwärme für Heidelberg und Mannheim?

Ein großer Beitrag kann durch die Reduktion des Wärmeverbrauchs der Gebäude durch Dämmung erbracht werden. Eine starke Verminderung des Wärmeverbrauchs von Gebäuden durch Sanierung ist bereits erklärtes bundespolitisches und kommunalpolitisches Ziel.

Heidelberg und Mannheim befinden sich im Oberrheingraben, einem Gebiet mit guten Bedingungen zur Nutzung von Strom- und Wärme aus tiefer Geothermie. Ferner können wir die Umweltwärme des Neckars und Rheins sowie die Wärme des Erdbodens in oberflächennahen Erdbodenschichten mit Hilfe von Wärmepumpen nutzen. Die Wärmepumpen können mit Strom aus Photovoltaik und Windenergie angetrieben werden. Ferner können Solarthermie, Altholz, Bioabfall, industrielle Abwärme und Holz aus Agroforstwirtschaft einen Beitrag leisten. Wie hoch die wirtschaftlich erschließbaren Beiträge dieser vielen Quellen liegen, das muss endlich umfassend erhoben und öffentlich kommuniziert werden! Wir fordern die umgehende Erstellung einer Potenzialerhebung und einen konkreten Umsetzungsplan für die Erschließung der CO2-neutralen Wärmequellen.

Wer darf unterschreiben?

Klimaschutz geht uns alle an - deswegen dürfen auch alle unterschreiben!

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