BUND Landesverband
Baden-Württemberg

Nach dem Abschalten

Abschalten, abreißen, wegschaffen – das ist der Weg, den die Betreiber gerne gehen würden. Doch der Rückbau der Atomkraftwerke wird uns noch Jahre beschäftigen. Sicherheit und Strahlenschutz müssen dabei Priorität vor Schnelligkeit haben.

Ein verschwommenes AKW hinter Glas mit Regentropfen auf der Scheibe. Auch wenn Atomkrafterke bald Geschichte sind, weiß keiner so recht, wohin mit dem radioaktiven Müll.  (suze / photocase.de)

Das Atomgesetz sieht für Atomkraftwerke den sofortigen Rückbau vor. Ein sicherer Einschluss, der längere Zeit in der Debatte war, ist mittlerweile gesetzlich ausgeschlossen.

Die EnBW hat mit dem Abriss der Atomkraftwerke Obrigheim, Philippsburg und Neckarwestheim begonnen. Bis auf die Genehmigung für den Abriss von Neckarwestheim II liegen (Stand Januar 2020) alle notwendigen Genehmigungen vor.

Der Rückbau ist kompliziert. Erst müssen die Brennelemente mindestens fünf Jahre abkühlen, bevor sie in Castoren verpackt in die Zwischenlager kommen. Der BUND fordert, dass die Brennelemente aus den Atomkraftwerken entfernt sein müssen, bevor mit dem Abriss begonnen wird. Die Genehmigungen des Umweltministeriums schreiben das jedoch nicht vor. Anschließend folgt der Ausbau und die Zerlegung des Reaktordruckbehälters und anderer stark verstrahlter Bauteile. Diese werden verpackt und im sogenannten Standortabfalllager eingelagert.

Rückbau und Freigabepraxis sind nicht sicher genug

Für jedes Atomkraftwerk fallen Tausende Tonnen Müll an. Ein Teil ist nicht radioaktiv und kann derzeit wie normaler Bauschutt behandelt werden. Die EnBW versucht, von den radioaktiven Materialien möglichst viel zu dekontaminieren, also die Radioaktivität abzukratzen. Die Bauteile werden erst zerkleinert und dann sandgestrahlt, abgeschliffen und gewaschen. Im Anschluss wird geprüft, ob die radioaktive Belastung beseitigt werden konnte. Wird der Grenzwert unterschritten, darf das Material für den Abtransport freigegeben werden. Diese Freigabepraxis, das sogenannte Freimessen widerspricht dem Minimierungsgebot des Strahlenschutzes. Danach ist die radioaktive Strahlung auf Mensch und Umwelt auch unterhalb der Grenzwerte so gering wie möglich zu halten.

Wohin mit dem strahlenden Müll?

Rund drei Prozent des Abrissmaterials bleiben stark radioaktiv und müssen dauerhaft eingelagert werden. Doch bisher existieren weder für hoch- noch für mittel- oder schwachradioaktiven Atommüll passende Endlager existieren. Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll hat gerade erst begonnen. Auch in Baden-Württemberg könnten eventuell Standorte für ein Endlager infrage kommen. So lange es nicht existiert, wird voraussichtlich an den Standorten Atommüll gelagert werden.

Bis zu den grünen Wiesen, die EnBW als Betreiberin der AKWs versprochen hat, werden also noch Jahrzehnte vergehen.

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Fritz Mielert

Umweltschutzreferent
E-Mail schreiben Tel.: (0711) 620306-16

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